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26.02.2018

CURLING | OLYMPIA-BRONZE FÜR ZWEI HOPPER

Die beiden Grasshopper Club-Mitglieder Benoît Schwarz und Claudio Pätz gewannen mit ihrem Team aus Genf mit Skip Peter De Cruz und Valentin Tanner (beide CC Genf) an den Olympischen Spielen in Pyeongchang gegen die hochfavorisierten Kanadier die Bronzemedaille. 

Das war in insgesamt sechs Titelkämpfen die sechste Medaille dieses Teams, das Peter De Cruz (17), Benoît Schwarz (15) und Valentin Tanner (14) als Schüler gründeten. Trainiert wurden anfänglich die Jünglinge von Mutter De Cruz. Obwohl das Trio von ihren Mitschülern ob ihres hohen Ziels, einmal national oder auch international zu reüssieren, belächelt wurden, "zogen sie das Ding durch". Als sie dann aber die Schweizer Junioren-Meisterschaft und später die Junioren Weltmeisterschaft gewannen, wurde Swiss Curling auf sie aufmerksam. Benoît Schwarz gab der SDA zu Protokoll: "Valentin, Peter und ich waren talentiert, mehr nicht. Wir machten aber Fortschritte. Wir wurden besser. Und wir setzten uns immer höhere Ziele. Zuerst wollten wir einfach nur an die Schweizer Juniorenmeisterschaft, dann wollten wir Meister werden. Und schliesslich suchten wir bei den Grossen Anschluss. So liefen die letzten zehn Jahre. Wir haben unsere Ziele stets erreicht." 2014 holten warben sie den Vierten im Bunde, den Adliswiler Claudio Pätz von Adelboden ab.

Jederzeit an die eigenen Fähigkeiten geglaubt

Nach der Halbfinal-Niederlage gegen die Schweden gingen im Spiel um Platz 3 die Schweizer nochmals hoch konzentriert aufs Eis und fanden sofort ins Spiel, ganz im Gegensatz zu den Kanadiern um Skip Kevin Koe. Bereits die ersten Steine versprachen eine offensive, spannende Partie zu werden. Das Score wurde von Peter De Cruz und seinem Team eröffnet - ohne Recht des letzten Steins. Zwei Unsicherheiten von Koe wurden von den Schweizern rigoros ausgenützt, in den Ends zwei und drei konnten unsere Schweizer jeweils je einen Stein stehlen, zur 2:0 Führung. Die Basis für den Erfolg war gelegt.

Nach dem Ausgleich durch die Kanadier folgte das fünfte End mit spektakulärem Curling. Die Schweizer lagen zwischenzeitlich mit vier Steinen Shot, bevor Kevin Koe die Chance mit einem starken Take Out zunichte machte. Dennoch, mit zwei schönen Draws von Benoît Schwarz, resultierte ein Zweierhaus zur 4:2 Führung. Was für ein packendes Spiel. Die Kanadier hatten im sechsten End die Chance auf ein grosses Haus, der letzte Stein von Benoît Schwarz curlte etwas zu wenig für die gewünschte Guard. Kevin Koe's Unsicherheiten hielten an, sein Take Out kam zu breit und die Kanadier konnten nur einen Stein zum 3:4 schreiben. 

Die Begegnung war an Spannung fast nicht zu überbieten. Beide Teams spielten auf hohem Niveau und schenkten sich nichts, die anwesenden Zuschauer, auch die Fernsehzuschauer kamen voll auf ihre Kosten. Nach dem siebten End aber führten die Eidgenossen, und das völlig verdient. 

Der nervenstarke Benoît Schwarz

Zwar holte Koe in der Folge auf 5:6 auf womit die Schweizer noch stärker gefordert waren. Das neunte End war etwas eng, zum Schluss resultierte trotzdem der Punktgewinn zum 7:5. Die Kanadier - mit dem Recht des letzten Steins im zehnten End - versuchten alles, um diesen Ausgleich noch zu erreichen. Peter De Cruz und Co. hielten dagegen. Der Schweizer Skip spielte ein wichtiges Double-Takeout, das ebnete den Weg zum Sieg. Und Benoît Schwarz setzte mit einem weiteren Takeout noch einen drauf, er der auch in kritischen Situationen immer Ruhe bewahrt. Auch mit der Bronzemedaille im Hinterkopf behielt der Grasshopper die Nerven und konnte, wie auch seine Kollegen, den Besen in die Luft werfen - der 7:5-Sieg war Tatsache, die Curling-Grossmacht Kanada war besiegt.  

Die Schweizer Männer waren nach dem Gewinn der Bronzemedaille überglücklich. Claudio Pätz kurz nach dem Ereignis: "Ich kann das Erreichte noch nicht richtig einordnen, ich zittere noch am ganzen Körper. Aber wir haben hart für den Erfolg gearbeitet - und wurden jetzt belohnt." Und sein GC Kollege Benoît Schwarz ergänzt: "Schon als Junge träumte ich von Olympia - jetzt habe ich mit meinen Kollegen sogar eine Medaille gewonnen, das ist mega cool." Da änderte auch nichts daran, dass den Curlern die Medaillen nicht auf der Plaza übergeben wurden, sondern bei weniger Zuschauern in der Curlinghalle, oder dass den Organisatoren bei den Medaillen ein Fehler unterlaufen war, indem sie zunächst für Frauen eingravierte Medaillen überreichten... Schlussendlich trugen die Helden die richtige Medaille um den Hals.

Es ist davon auszugehen, dass für das Bronze-Quartett die Mission noch nicht beendet ist. Für die nächste Olympiade wäre der Gewinn der Goldmedaille ein echtes Ziel. Und wie sagte doch Benoît Schwarz? "Wir haben unsere Ziele immer erreicht."

Eugen Desiderato

 

Schweizer Curling-Bilanz bei Olympia

1998: Gold Männer (Hürlimann) 

2002: Bronze Männer (Schwaller, in Südkorea Delegationsleiter), Silber Frauen (Ebnöther) 

2006: Silber Frauen (Ott)

2010: Bronze Männer (Stöckli) 

2014: Keine Medaille

2018: Bronze Männer (De Cruz), Silber Mixed (Rios/Perret)

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