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17.11.2017

EISHOCKEY | FAMILIENUNTERNEHMEN STREULE

Die Eltern der Youngsters aller im Grasshopper Club Zürich praktizierten Sportarten müssen zum Teil bedeutend Unterstützung bieten, zum Beispiel für den Transport zum Training, zu den Spielen, Hilfestellungen bei Events, kochen sportlergerchten Nahrung usw. Was aber die „Eishockey-Familie Streule“ bietet, ist in der Tat aussergewöhnlich. Die fünf Kids Yanick (17), Nathanael (15), Maximilian (13), Fynn (12) und Aïna (9) teilen sich die Passion für das schnelle Spiel mit Puck im Rink und spielen alle in dem für ihren Jahrgang besten Team der Nachwuchsbewegung der GCK/ZSC Lions, vier davon in GCK Teams.

Kurzporträts der fünf Streule-Kids
Yanick (17), Elite B ZSC Lions, rechter Flügel, 2. Lehrjahr als Automobilfachmann
Nathanael (15), Novizen Top/Elite GCK Lions, Torhüter, Viventa 10. Schuljahr
Maximilian (13), Mini Top GCK Lions, Verteidiger, Kunst- und Sportschule 2. Sek.
Fynn (12), Moskito TOP GCK Lions, Verteidiger, Leutschenbach 1. Sek.
Aïna (9), Piccolo GCK Lions, Verteidigerin, Leutschenbach 4. Klasse 

Alles begann mit Yanick, der als Fünfjähriger anfing Unihockey zu spielen. Schon bald aber langweilte es ihn, mit durchschnittlich drei Jahre älteren Teamkollegen Bullys zu bestreiten. Eine Alternative war gefragt und mit der Eishockeyschule in Bülach auch bald gefunden. Zusammen mit dem Erstgeborenen durften auch gleich Nathanael und Maximilian die ersten Schlittschuhe schnüren. Nachdem Fynn und Aïna jeden Zuschauerplatz dreimal getestet, die Halle kein neues Versteck mehr hergab und auch Fangis seinen Reiz verlor, wagten auch sie die ersten Schritte auf den wackeligen Kufen – komplett war der Streule-Block. Das ist er bis heute noch, und er fährt zielgerichtet. Keine Geringere als die spielerisch beste Eishockey-Liga der Welt, die NHL, haben die Streule-Jungs ins Visier genommen. Wenn auch um Welten weniger mediatisiert, gibt es offiziell seit 2015 auch die NHL der Frauen, die National Women’s Hockey League, kurz NWHL, bestehend aus vier Teams – aber das ist nicht, wovon Aïna träumt. Ihr Ziel ist es, einmal an der Frauen-Olym-piade teilzunehmen. Kennt Aïna ihr Ziel erst vom TV, konnten Yanick, Nathanael und Maximilian bereits Eishockeyluft in Nordamerika schnuppern.

Sie alle schafften es ins PeeWee-Lions-Team und nahmen aufeinanderfolgend am weltweit grössten Nachwuchsturnier in Québec teil. Nächster in der Reihe wäre Fynn, der sich ebenfalls beste Chancen für eine Teilnahme an dieser U-13-WM in der frankokanadischen Provinz ausrechen darf.

Erfolg kommt selten von ungefähr, so hat auch jedes der Streule-Kinder für seine kraft- und aus-dauerbetonte Wahlsportart bereits das persönliche Aufputschmittel gefunden; während sich Fynn vor einem Match von AC/DC anheizen lässt, hält Maximilian eine Schweigeminute. Dies, wahrscheinlich, ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Neben dem Talent, das in der Familie zu liegen scheint, basiert der Erfolg auf enormen Trainingspensen. Yanick trainiert neben seiner Lehre zum Automobilfachmann jeden Abend zweieinhalb Stunden. Nathanael absolviert das 10. Schuljahr und steht an zwei Vormittagen und vier- bis fünfmal am Abend im Rink. Maximilian, 2.-Sek.-Schüler an der Kunst- und Sportschule, trainiert sogar an drei Vormittagen und viermal am Abend.

Was unter einem Dach in Bülach begann, spielt sich heute verteilt auf fünf Hallen, an fünf verschiedenen Orten ab – höchste Zeit, Ihnen Fränzi und Andi Streule vorzustellen, die Eltern der fünf Eis-hockeyaner. Zwei Autos sind im Einsatz, disponiert von den Fahrern selbst. Währenddem Fränzi in der Regel die Jungmannschaft an die verschiedenen Trainingsorte verteilt, sammelt Andi sie abends wieder ein. So kommen über 10 000 Fahrkilometer über eine Hockeysaison hinweg zusammen. Dies entspricht 25-mal der Länge der A1 von Genf bis St. Margreten oder viermal der Länge des Great Barrier Reefs in Australien. 

Down Under liegt zurzeit nicht im Ferienradius der Hockeyfamilie Streule. Dafür gehen die Nachwuchssportler zwei- bis dreimal pro Jahr mit ihrem Team in ein Trainingslager. Kostenpunkt: 500 bis 600 Franken pro Lager. Dazu kommen Ausgaben für Schlittschuhe, die je nach Schuhgrösse bis zu 1000 Franken verschlingen. Ebenfalls in die Sparte Verschleissmaterial gehören die Stöcke. Yanick alleine braucht pro Saison beispielsweise zwischen 10 und 15 davon, zu 250 Franken pro Spielgerät. Dies ist erst der Anfang der Kostenaufstellung, da erstaunt es nicht, dass Streules pro Kind und Jahr im Schnitt 5000 Franken aufwenden.

Neben dem Materiellen widmen Andi und Fränzi ihre komplette Freizeit dem Hobby ihrer Kinder, das auch zu ihrem Lebensinhalt wurde.  Fränzi, die vor der Familiengründung regelmässig an Pferdespring-Turnieren teilnahm, übernimmt heute Funktionärs-aufgaben, wie das Speakern an Matches ihrer Kinder, sie hilft bei den ZSC-Junioren-Turnieren mit und ist schlechthin die Organisatorin der Streules. Einen Hamster, aber keine Angestellte findet man in ihrem Haushalt. Fränzi schaut, dass alle rechtzeitig im Training oder in der Schule sind, dass alle fünf immer gut eingekleidet sind und richtig gegessen haben.

Aufgrund der unterschiedlichen Tagesabläufe kocht das fünffache Mami unter Umständen bis dreimal über Mittag. Noch Zweifel? Fränzi managt ihre fünf Kinder ohne Aussicht auf einen Bonus Ende Jahr, angetrieben alleine von der Freude, ihre Kinder auf dem Eis glücklich zu wissen. Für alle chaotisch geführten Unternehmen da draussen: Fränzi Streule, gelernte Medizinische Praxisassistentin, wird in zirka sechs Jahren wieder auf dem Arbeitsmarkt auftauchen.

Andi Streule ist Stellvertretender Geschäftsleiter  mehrerer Mercedes-Benz-Zweigniederlassungen in Zürich, nimmt aber wie Fränzi rund um die Matches noch diverse Funktionärjobs, wie Mannschaftsbetreuung, wahr. Stünde Andi, der an bis zu vier Matches pro Wochenende mit dabei ist, an der Spitze des Verbandes, würde er als erste Amtshandlung die Anpassung der Banden entscheidend vorantreiben.

«Das ist ein Riesenthema. Niemand weiss, was aktuell der Stand ist.» Es besteht von Swiss Ice Hockey zwar die Weisung, dass ab Saison 2018/19 flexible Bandensysteme für die Nationalliga-Clubs obligatorisch sind, die Umsetzung dieser Vorschrift ist aber für viele Szenenkenner unklar. Zurück zu Andi’s effektivem Handlungsspielraum: Als Führungskraft in der Privatwirtschaft würde er jederzeit einem früheren Sportler eine Stelle anbieten, trotz vermeintlich fehlender Arbeitspraxis im klassischen Sinn:

«Ein Sportler weiss wohin er möchte, ist ehrgeizig, hat Elan und kann gleichzeitig auf vieles verzichten – vor allem auf Freizeit. Das sind alles auch wichtige Kriterien in der Privatwirtschaft.» Da seine Kinder neben Talent mit viel Einsatz und Elan dem Hockey nachgehen, traut er allen vieles zu, betont aber, dass der Erfolg nicht an erster Stelle steht. «Wichtig ist, dass sie etwas engagiert und mit Freude machen, dass wir wissen, wo sie sind und sie gesund bleiben.»

Stefanie Flach in „Löwenherz“, dem Hintergrundmagazin der führenden Eishockey-Nachwuchsorganisation der Schweiz GCK/ZSK Lions.