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24.03.2017

EISHOCKEY | FRAUENPOWER IM DOPPELPACK

Der 5. März 2017 geht bei den Eishockey-Frauen der ZSC/GC Lions Organisation als der erfolgreichste Tag in die Klubgeschichte ein. Sowohl die Frauen der ZSC Lions- (A) als auch der GCK Lions (B) haben in ihrer jeweiligen Liga den Schweizermeistertitel gesichert.

In der Swiss Women’s Hockey League A kommt der Schweizermeister zum zweiten Mal hintereinander aus Zürich. Wie schon 2016 setzten sich die ZSC Lions Frauen im Final gegen das Ladies Team Lugano durch. Dank Siegen mit 4:3, 4:2 und schliesslich 3:0 gewannen die Löwinnen die diesjährige Serie souverän 3:0. Mit dem gleichen Gesamtskore hatten sie bereits im Halbfinal den EV Bomo Thun bezwungen. Für die ZSC Lions, die seit 2016/2017 von Christof Amsler trainiert werden, ist es der fünfte Schweizermeistertitel. Und in der Swiss Women’s Hockey League B endeten alle Finalspiele in der Best-of-3-Serie 4:5. Zuerst legte Brandis mit einem Auswärtssieg vor, ehe den GCK Lions dasselbe Kunststück gleich zweimal gelang. Es waren für Brandis die ersten beiden Saisonniederlagen überhaupt, während die Zürcherinnen erstmals Finalspiele und schliesslich den Meistertitel in der SWHL B gewinnen konnten. In früheren Jahren – 1989, 1990 und 1991 – durfte der Grasshopper Club Zürich schon feiern. Trainiert werden die GCK Lions von Tatjana Diener.

Eine Frau an der Bande

In der Regel werden Frauenteams von männlichen Coaches geführt, nicht so beim den GCK Lions Frauen. Tatjana Diener hat vor Jahresfrist die Verantwortung für das Farmteam der ZSC Lions übernommen und das Team, das in den letzten Jahren durch manches Tief und viele Niederlagen gebeutelt worden war, gleich zum Erfolg geführt. „Das brauchte aber zunächst eine Zustimmung der Clubführung, schliesslich ist unser vordringlichster Auftrag, junge Spielerinnen weiter zu entwickeln und sie nach Möglichkeit für das A-Team fit zu machen. Aber das absolut intakte Team merkte im Laufe der Saison, was möglich sein könnte und beschloss, den Titel anzustreben. Ich bekam von der Führung grünes Licht und wir gingen das Ziel gemeinsam an“, erzählt Tatjana Diener, vier Tage nach der Meisterfeier. Ihre Augen leuchten noch immer vom Erfolg und sie gesteht, noch nicht alle Emotionen in den Griff bekommen zu haben: „Es wird noch geraume Zeit brauchen, bis die Normalität wieder in meinem Tagesablauf Einzug gehalten hat, bis ich alle Eindrücke eingeordnet habe. Im Final galt die Devise, den Moment zu geniessen.“ 

Es begann mit dem Sommertraining

Zur ZSC Lions / GCK Lions Organisation gekommen ist Tatjana Diener nach einer Anfrage, das Sommertraining der ZSC Lions Frauen zu leiten. Mit ihrer Arbeit war man offenbar so zufrieden, so dass sie anschliessend als Assistentin verpflichtet wurde („Ich konnte sehr viel lernen“, O-Ton Tatjana Diener). Und dann engagierte sie Teammanagerin Angie Weber als Headcoach des GCK Lions Frauen-Teams. „Ich überlegte lange, ob ich diese Verantwortung übernehmen wolle. Schliesslich habe ich dies aber als nächsten persönlichen Entwicklungsschritt angesehen und zugesagt“. Beste Voraussetzungen hatte sie schliesslich. Das Sportlehrerstudium an der ETH Zürich hatte sie mit dem Master abgeschlossen und auch das Lehramt-Diplom erworben („An einer Schule zu unterrichten war allerdings nie eine Option“, O-Ton Tatjana Diener) und früher spielte sie aktiv Eishockey in St. Moritz, Illnau-Effretikon, Reinach und während vier Jahren im ZSC Frauen A-Team. Nach der Matur und dem Studium inkl. Praktikum in Leukerbad hatte sie keine Zeit mehr, ihren geliebten Sport aktiv auszuüben. „Zum Eishockey wollte ich schon in früher Kindheit stossen, aber meine Eltern vertraten die Auffassung, ich solle doch in der Mädchenriege, beim Unihockey und Orientierungslauf bleiben, Sportarten, die ich früh ausübte. Als ich dann im Engadin eine Lehre als Sportartikelverkäuferin absolvierte, war für mich die Zeit gekommen, mich auf dem Eis zu bewähren“, erzählt Tatjana und fügt an, dass auch die Suche nach Anschluss in der für sie neuen Umgebung ein Grund gewesen sei, dem EHC St. Moritz beizutreten.

Tolles Team

Und jetzt ist Tatjana Diener Head Coach eines Meisterteams. „Ich bin so glücklich für das Team, denn die Girls haben sich so ins Zeug gelegt, haben durch einen tollen Teamspirit überzeugt. Sie haben einen riesigen Schritt gemacht in dieser Saison, vom Verlierer- zum Siegerteam. Und das mit nur ganz wenigen personellen Retuschen. Wir sind nicht „auf den Markt gegangen“ um neue Spielerinnen zu suchen, wir hatten ganz wenige Zuzüge, Spielerinnen mit Erfahrung, die wie seinerzeit ich in St. Moritz, Anschluss in Zürich gesucht haben. Die Mischung im Team hat aber gestimmt und jetzt haben die Girls den verdienten Lohn erhalten. Das freut mich ungemein.“ Das Team wurde nach dem entscheidenden Sieg auch gebührend gefeiert, die Rückfahrt von Haslen bei Burgdorf wurde zu einer wahren Triumph-Fahrt die im Empfang durch die Fans an der Homebase KEK und der anschliessenden gemeinsamen Feier mit den ZSC Lions Frauen gipfelte. „Die Gratulationen auch von Exponenten unserer Organisation hat mich sehr gefreut, ich habe gespürt, dass wir wirklich Teil der ZSC- und GC-Familie sind“, schwärmt Tatjana Diener. Tage danach wurden beide Siegerteams auch im Rahmen einer Playoff-Partie der ZSC Lions vor vollen Rängen im Hallenstadion geehrt und gefeiert.

Nach der Saison ist vor der Saison

Tatjana Diener wird das GCK Lions Frauen-Team auch für die nächste Saison vorbereiten und sie dann in der Meisterschaft wieder führen und nach Möglichkeit die Titelverteidigung in Angriff nehmen. „Unterschrieben ist noch nichts, aber ich gehe fest davon aus. Auch die Kaderzusammensetzung ist noch nicht geklärt, das wird in den nächsten Wochen geschehen“, wirft Tatjana Diener ein, die sich in der Lions Organisation sehr wohl fühlt. „Ich finde es toll, dass man sich bei den ZSC Lions und den GCK Lions um das Frauen-Eishockey kümmert, das ist vorbildlich und sollte auch von anderen NLA-Klubs gemacht werden. Die jungen Frauen würden das sehr schätzen“, ist sie überzeugt und eilt nach dem Gespräch zu ihrem zweiten Arbeitgeber, Balgrist move med, wo sie in Teilzeit als Sporttherapeutin tätig ist. Ihre dritte Anstellung als Teilzeit-Sportartikelverkäuferin gibt sie zum Ende dieses Monats auf, weil die Belastung insgesamt auf Dauer doch etwas zu hoch ist. 

Eugen Desiderato