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GC Fussball | 28.04.2018

FUSSBALL | FINK: "MACHE MIR IMMER SELBST EIN BILD."

Thorsten Fink (50) ist neuer Cheftrainer des Grasshopper Club Zürich. Innerhalb von nur zwei Tagen haben sich beide Parteien gefunden, weil Fink in allen Punkten dem Anforderungsprofil entspricht und er gleichzeitig ein gutes Bauchgefühl hat, mit dem Team das vordringlichste Ziel, den Ligaerhalt mit dem Team erreichen wird. Der gebürtige Dortmunder betont, «dass er stolz ist, für den Traditionsverein arbeiten zu können.» 

Der Einstand als GC Trainer ist Thorsten Fink geglückt

Das GC Team gewann auswärts gegen Schlusslicht Lausanne 1:0, dank eines Treffers von Kenan Kodro (auf Corner von Andersen). Zuvor schon hatten die Grasshopper zwei hochkarätige Chancen und in der ersten Hälfte wurde ihnen ein Penalty "unterschlagen". Nach diesem verdienten Vollerfolg haben die Hopper sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten. Ein Polster, das eigentlich für den Liga-Erhalt reichen sollte. 

Die GC Verantwortlichen zeigen sich zufrieden und auch stolz, den ausgewiesenen Fachmann Thorsten Fink als neuen Cheftrainer verpflichtet zu haben. CEO Manuel Huber: «Es war uns bewusst, dass wir ein gewisses Risiko eingehen, wenn wir nicht sofort nach der Trennung einen definitiven Nachfolger von Murat Yakin installieren. Gleichzeitig war uns aber auch klar, dass unser Sportchef Mathias Walther mit seinen drei Mitarbeitern Patrick Schnarwiler, Tim Jankowski und Christoph Born in der Lage sein würde, den Turnaround anzuschieben. Wir wollten einen Cheftrainer verpflichten, der nicht nur Feuerwehrmann sein, sondern uns auch in Zukunft als Wunschlösung zur Verfügung stehen kann.» Mathias Walther lässt erstmals einen Blick auf das vom GC aufgestellte Trainerprofil zu: «Wir strebten eine sofortige aber auch gleichzeitig nachhaltige Lösung an, suchten einen echten Leader, der den Schweizer Fussball kennt, der mit seiner positiven Art vorangeht, der gerne junge Talente ausbildet und unsere Philosophie mitträgt, die auch den Verkauf von Spielern vorsieht. Um diese attraktiv zu machen, braucht’s einen ansprechenden Offensivfussball, und für diesen steht unser neuer Cheftrainer.» 

Fink verweist auf die GC Tradition. «Tradition ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass jedes Jahr ein Titel geholt werden kann», erklärt Fink. «Aber GC ist nach wie vor eine gute Marke, leistet ausgezeichnete Nachwuchsarbeit, zudem deckt sich unsere Philosophie. Ich arbeite gerne mit jungen Menschen, deren Entwicklung macht mir Spass. Den Eindruck, den ich nach Visualisierung der letzten drei Partien bekommen habe, bestärkt mich in der Meinung, dass ich auf eine intakte, motivierte und talentierte Mannschaft treffe. Also packen wir’s an.»

Das Bauchgefühl sagte mir, dass ich hier mit meiner Erfahrung etwas bewegen kann. Dass das Team zusammengewachsen ist, zeigten mir auch die mit Spielern geführten Gespräche. Deshalb glaube ich an eine gute Zukunft. Aber vorerst gilt es, nicht allzu viel zu verändern, den Fokus auf die letzten Saisonspiele zu legen, damit wir dem Abstiegsstrudel entkommen und dann in aller Ruhe die neue Saison angehen können.»

«Mache mir immer selbst ein Bild.»

Und wie haben die Querelen auf ihn gewirkt, die in jüngster Vergangenheit den Club erschütterten? «Selbstverständlich habe ich die Medienberichte verfolgt, aber ein Bild habe ich mir erst nach den persönlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen und Spielern gemacht. Und die haben mich überzeugt, mein Bauchgefühl gibt mir gute Signale. Ich habe hier meine Arbeit in voller Überzeugung angetreten, dass wir gut zusammenpassen.» 

Man kann schon von einem kleinen Coup sprechen, dass den Grasshopper gelungen ist, einen ausgewiesenen Fachmann, der in allen Punkten dem von den Verantwortlichen aufgestellten Anforderungsprofil entspricht. Er war rasch verfügbar, hat mit dem Hamburger SV, den er auf dem letzten Tabellenrang der Bundesliga liegend übernommen hat, bewiesen, dass er auch in kritischen Situationen umgehen kann. Zudem war der gebürtige Dormunder, der seine grossen Jahren der Aktiv-Karriere beim FC Bayern hatte (zwischen 1997 und 2004 viermal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger und UEFA Champions League-Sieger) während nahezu drei Jahren bei den Hanseaten in Arbeit und Lohn, bei einem Verein, der nicht gerade als «ruhig» bezeichnet wird. In eher unruhiger Zeit trat er auch jetzt die Stelle beim GC an. Eine Zusammenarbeit, die Sinn machen kann. Für Fink gibt es nur ein Ziel, das «Sicherung des Ligaerhalts» lautet. Das muss auch erreicht werden, will GC nach Ende der laufenden Saison nicht wieder einen Trainer suchen. Denn «im Fall eines Abstiegs würde der Vertrag nicht für die nächste Saison gelten», betont er. Aber getrost, der ehemalige FC Bayern-Akteur (unter Trainer Ottmar Hitzfeld; "Von ihm habe ich viel gelernt", Zitat Fink) und FC Basel-, Hamburger SV-, APOEL Nikosia- und FK Austria-Trainer (2016 in Österreich Trainer des Jahres) versichert, dass in seinem Vokabular das Wort «Abstieg» nicht vorkommt, wohl weil er das "Mia san mia"-Gen eingepimpft bekommen hat. Nach seinem Engagement als Co-Trainer beim grossen Giovanni Trapattoni erreichte er seiner ersten Trainerstation mit Ingolstadt den Aufstieg in die zweite Bundesliga. 

Seit letzten Montag im Amt

In seiner ersten Ansprache an die Mannschaft am Montagabend wies er darauf hin, dass sie gegen den FC Lugano einen klaren Beweis geliefert hat, dass sie intakt ist, dass sie, wie man so schön sagt, Charakter habe: «Wenn man in der 87. Minute den Ausgleich hinnehmen muss und dann noch die Kraft aufbringt, die Entscheidung zu suchen, dann sagt das alles über den inneren Zustand eines Teams aus.» Am Dienstag leitete er die erste Trainingseinheit und begann die Vorbereitung der kapitalen Partie in Lausanne («Jedes Spiel ist jetzt noch ein Endspiel.»). Mit an Bord sind auch sein Assistent Sebastian Hahn, mit dem er schon an den letzten Trainerstationen zusammengearbeitet hat, sowie die bisherigen  GC Assistenten Patrick Schnarwiler und Timo Jankowski. Auch der langjährige GC Goalie-Trainer Christoph Born weiterhin zum Staff. 

Eugen Desiderato