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GC Fussball | 22.09.2017

FUSSBALL | "HOCH MURAT" SORGT FÜR SONNIGE AUSSICHTEN

Die Verantwortlichen der Neue Grasshopper Fussball AG überraschten, als sie nach nur fünf Meisterschafts- und einer Cup-Partie den Trainer des Super League-Teams wechselten: Statt Carlos Bernegger wurde Murat Yakin mit der Aufgabe betraut, fortan die junge GC Mannschaft zu führen und sie zu einem echten und leistungsfähigen Team zu formen. Das Klima und die bisher erreichten Ergebnisse stimmen hoffnungsvoll.

Meteorologen würden die Veränderung in den letzten Tagen im Umfeld des Grasshopper Club Zürich, genauer gesagt bei dessen Fussballer, wie folgt umschreiben: "Das Sturmtief, das den GC während Monaten durchschüttelte, wurde vom „Hoch Murat“ verdrängt. Die Modellrechnungen weisen auf eine gewisse Stabilität hin.“

Die Fans sind nach den ersten drei Spielen unter Yakin (der vierte Ernstkampf wurde nach Redaktionsschluss ausgetragen) des Lobes voll, die kritischen Stimmen im Zusammenhang mit der überraschenden Freistellung von Carlos Bernegger sind verstummt. Vor allem auch die Medien, die in letzter Zeit mit dem Grasshopper Club stark ins Gericht gingen, sind umgeschwenkt und überbieten sich förmlich in wohlwollenden Schlagzeilen. „Hoch Murat“ macht’s möglich. Der Tages-Anzeiger sprach vom „anrollenden Yakin-Zug“ oder stellte fest, dass „man bei GC wieder wer ist“. Wohl auch, weil Murat Yakin gemäss Feststellung der Gratiszeitung 20 Minuten „auf Erfolg programmiert ist“. Die Sportinformation weiss, dass Yakin den GC Spielern die „Winnermentalität vermittelt“ und die Neue Zürcher Zeitung bzw. NZZ am Sonntag titelt „Mister Cool ist zurück“ und „Murat Yakin als GC Hoffnung“ und zählt die GC Siege:  „Prozess mit Yakin – Teil 2“ wurde nach dem Cup-Erfolg beim FC Biel getitelt. 

Und wie’s so ist bei den Medien, sie wollen der Zeit immer voraus sein. Also witterte die NZZ, dass Murat Yakin den Grasshopper Club Zürich nur als Sprungbrett in eine stärkere Liga sähe. Bei so viel Orakel ist eine sachlich-nüchterne Schlagzeile „Murat Yakin ist wieder bei den Grasshoppers“ geradezu wohltuend. Der „Blick“ brachte es auf den Punkt: „Yakin ist genau der Richtige“. 

Murat Yakin begann, 18-jährig, beim GC seine Aktivkarriere. Trotz seiner Jugend wurde er bald eine zuverlässige Konstante im GC Mittelfeld und zeichnete sich auch durch seine Torgefährlichkeit aus und wurde zum Liebling der GC Fans. In der Saison 1996/97 hat er sich mit seinem phänomenalen Treffer in der AmsterdamArena gegen das damals fast unschlagbare Ajax einen Platz in der GC Historie gesichert. Dank Murat Yakin konnten die Grasshopper vom Einzug in die Champions League-Viertelfinals träumen. Ein Traum, der trotz hervorragender Leistung auch im Rückspiel gegen den holländischen Meister nicht in Erfüllung ging – den Tulpensöhnen gelang kurz vor Spielende der 1:0 Siegtreffer. Murat Yakin, von allen „Muri“ gerufen, war der zuverlässige Mittelfeldregisseur beim Grasshopper Club bis er dem Ruf des VfB Stuttgart in die Bundesliga folgte. Die weiteren Stationen als Spieler waren Istanbul, Kaiserslautern und Basel. Und als Trainer hinterliess er Spuren in Basel (bei seinem Jugendverein Concordia), GC U21, Thun, Luzern, Moskau und Schaffhausen, wo er das Team zunächst nicht nur vor dem Abstieg rettete, sondern anschliessend an die Spitze der Challenge League führte. Eine ähnliche Entwicklung, allerdings eine Stufe höher, erwarten nun die Grasshoppers dank ihres neuen Hoffnungsträgers, der eigentlich ein Gegenentwurf der gerade in der Bundesliga derzeit hoch gehandelten sogenannten Laptop-Trainern ist. Murat Yakin vertraut auf sein Bauchgefühl, gepaart mit seinem Fussball-Sachverstand, seinem bemerkenswerten Leistungsausweis, seinem Charisma und seiner Sozialkompetenz. Er ist nicht der verbissene Trainer, der den Spielern ständig Blut abzapft, sie auf Schritt und Tritt kontrolliert. Er lässt ihnen im Rahmen ihrer Fähigkeiten Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten, erwartet aber gleichzeitig Disziplin und Leistungsbereitschaft ein. Seine Entscheide zieht er aber kompromisslos durch, denn „Kompromisse ziehen andere nach, worauf man sich dann verliert“ (Zitat Yakin). Dass er mit seinen Entscheidungen dann und wann auch polarisiert, nimmt er in Kauf. Das Selbstvertrauen dafür hat er. 

Wenn es darum geht, eine Mannschaft zusammenzustellen, Spieler besser zu machen, dann kann sich jedenfalls Murat Yakin auf sein Auge und Gespür für Talente verlassen. Gerade auch diese Fähigkeiten kann er in der Talentschmiede GC/Campus einsetzen, damit auch möglichst viele der hoffnungsvollen Youngsters den Sprung ins Fanionteam schaffen. 

Murat Yakin kann auch abschalten, vor allem wenn er bei der Familie ist. Dort entspannt er, wie er kürzlich in einem Interview gestand, gerne auf dem Sofa mit der TV-Fernbedienung in der Hand, oder bei einem guten Essen mit Freunden.

Murat Yakin gilt nicht nur in sportlichen Belangen als GC’s Hoffnungsträger. Er soll mit seiner Reputation auch mithelfen, neue Investoren für die neu zu strukturierende Aktiengesellschaft zu finden. Er ist genau der Trainer, der dem GC eine gewisse, wohltuende Gelassenheit vermitteln und dabei die Weiterentwicklung der Individuen sowie des Teams vorantreiben kann. Und was nicht zu vergessen ist, Murat Yakin hat ein grosses GC Herz.

Murat Yakin hat, zusammen mit seinem Bruder Hakan, der ihn bei der Arbeit mit dem Super League Team unterstützt und selbst die GC U21-Mannschaft verantwortlich trainiert, mit den Hoppers Grosses vor. Bleibt zu hoffen, dass er alle nötige Unterstützung bekommt, damit sein Vorhaben gelingen und das „Hoch Murat“ lange anhalten möge.

Eugen Desiderato