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GC Fussball | 18.03.2016

Fussball: Erfahrung und Talent

Erfahrung und Talent - mit dieser Kombination spielen die GC-Fussballer eine gute Saison 2015/16.

Der Schweizer Meister 2016 ist designiert – so wie er es in den vergangenen Jahren zu dieser Zeit öfter war: Der FC Basel wird seinen Rekord ausbauen und zum siebten Mal in Folge Champion. In die Nähe eines Vereinsrekords gelangen allmählich auch die Grasshoppers: Von 1905 bis 1921 und dann, in der Neuzeit, von 1956 bis 1971 mussten sie Durststrecken von mal 16 und mal 15 Jahren hinter sich bringen, ehe sie wieder Meister wurde. Seit dem letzten Titelgewinn, jenem mit Marcel Koller als Trainer, sind es jetzt 13 Jahre her.

Dennoch ist schon jetzt, nach zwei Dritteln der Saison, zu sagen: Die Grasshoppers spielen eine gute Meisterschaft, der FCB ist zwar weiterhin weit entfernt, aber nicht so weit wie vor einem Jahr. Und vor allem hat GC eine Mannschaft, die nicht zu vergleichen ist mit jener, die vor einem Jahr in allgemein stürmischen Zeiten des Vereins in der hinteren Hälfte der Tabelle nicht mal die Hälfte der Punkte des FCB hatte. Es ist gelungen, was geplant war: Ein Team zu formen aus einem stabilen Gerüst und jungen Spielern, das zu sehen sich lohnt. Das einem Europacup-Platz schon sehr nahe ist. 

Im Duell mit den Young Boys Zweiter zu werden hiesse, man hätte eine – wenn auch kleine – Chance, sich erstmals seit den Zeiten von Christian Gross für die Champions League zu qualifizieren. Aber der „Ligaweg“ durch die Qualifikation wäre sehr hart. Immerhin, man hat dann zwei Chancen auf einen Platz in der Gruppenphase zur Europa League. Als Dritter müsste man auch zwei Qualifikationsrunden überstehen, aber beide gewinnen. Die Chance auf einen sicheren Platz in der Gruppenphase der Europa League hat GC ja schon im September vergeben, mit der Cup-Niederlage beim drittklassigen FC Köniz. Das war bisher die einzige veritable Enttäuschung,

Trainer Pierluigi Tami sowie CEO und Sportchef Manuel Huber, der eine seit Anfang 2015 im Amt, der andere als Sportchef gar erst seit Mai 2015, leisten gute Arbeit. Tami, für manche mit dem Ruf des „Juniorentrainers“ gekommen, kann offensichtlich nicht nur mit jungen Spielern arbeiten, was beim GC dieser Tage sehr wichtig ist. Er kann es auch mit Älteren – wie dem Veteranen in seinem Kader, dem 33-jährigen Kim Källström. Oder mit Caio, der bald 30 wird. Und neuerdings auch Philippe Senderos, der am Tag seines GC-Debüts 31 wurde. 

Merkmale dieser GC-Mannschaft: Das Kader ist relativ knapp, aber die erste Wahl Spitze. Die bedeutendste Qualität ist die Offensive – vor allem war sie es im Herbst, als Yoric Ravet noch zur „Viererbande“ mit Munas Dabbur, Shani Tarashaj und Caio gehörte. Die Bilanz: 2,55 Tore pro Vorrundenspiel! Aber es wirkt für GC auch die grösste Spielerpersönlichkeit, die zurzeit in der Super League zu sehen ist. Hat ein Trainer einen Källström, dann hat er auf dem Platz, aber auch im Training gleichsam einen Assistenten, der ihm sehr viel Arbeit abnimmt. Die Einstellung des Schweden zur Arbeit, ist markant. Typisches erstes Beispiel für ihn war, wie er im ersten Derby in letzter Minute – nach einem eigentlich schon abgewehrten Corner – den Ball nahe der Eckfahne gegen zwei FCZler nochmals „ausgrub“ und auf den Kopf Florian Kamberis flankte. Das Ergebnis: das Siegtor zum 3:2. 

Källström verpflichtet zu haben, ist zweifellos einer der Schlüssel für den aktuellen Erfolg der Mannschaft. Ihm mit Marko Basic, der bisher dahin erst in der Challenge League spielte, zur Seite gestellt zu haben, war ein anderer sehr guter Zug. Basic ist mit seinen 28 Jahren ein relativ routinierter Mann; er ist ein starker Zweiwegspieler – defensiv zäh und torgefährlich. Källström/Basic – das ist ein Duo, das standhält. 

Seit der Winterpause hat GC aber noch einen ausgesprochenen Routinier, der – so Trainer Tami – die Lücken stopfen soll, wo sie in der Vorrunde am offensichtlichsten waren. In der Defensive, mit immerhin 1,77 Gegentoren pro Spiel. Das ist Senderos, der sich trotz mehr als einjähriger Pause gleich gut einfügte. Man darf sagen: Geht’s mit ihm so weiter, wird er sein Ziel erreichen, mit der Schweiz an die EM nach Frankreich zu reisen. 

Typisch für GC ist aber auch, wer regelmässig an der Senderos‘ Seite spielt: Jan Bamert, der noch nicht mal 18 war, als er gegen die Young Boys – beim 1:1 im Stade de Suisse – in der Super League debütierte. Harun Alpsoy, der nun im Mittelfeld in defensiver Rolle ziemlich regelmässig aufgestellt wird, ist auch eben erst 19 geworden. Oder Kamberi, der schon mehr als nur jenen entscheidenden Treffer im Derby schoss, ist auch erst 21 – und ein überdurchschnittliches Talent. 

Allerdings zeigt auch diese Saison, wie alles im Fluss ist. In der Winterpause wechselte Ravet, der im Herbst acht Tore geschossen und acht vorbereitet hatte, zu den Young Boys. Das liess rund anderthalb Millionen Franken in die Kasse fliessen, dazu kam Haris Tabakovic. Aber es war auch ein sportlicher Verlust. Und bald wird auch Shani Tarashaj zu ersetzen sein. Auch er bringt Geld, rund vier Millionen Franken, aber er spielt ab dem Sommer für Everton in der Premier League. Mit ihm wird eine schöne zweistellige Zahl an Toren zu ersetzen sein. 

Immerhin, Dabbur, mit 14 Toren und 12 Assists in den 24 Runden der ersten zwei Meisterschaftsdrittel Skorer Nummer 1 der Liga, blieb GC nach hartem Abwehrkampf in diesem Winter noch erhalten. Auch in seinem Fall ist mit einem Abgang, aber auch einer beachtlichen Transfersumme zu rechnen, wie sie der Klub braucht, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Und dann wird das Duo Huber/Tami wieder gefordert sein, auch künftig aus der geglückten Kombination von Erfahrung und Talent eine Mannschaft zu formen, die vorne mithält. Dort, wo die Europacup-Plätze vergeben werden.

Hansjörg Schifferli

Bilder: freshfocus.ch