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GC Fussball | 24.08.2015

Fussball: Juniorentrainer – das neue Amt für Nationalspieler

Boris Smiljanic und Johann Vogel bei GC sind Beispiele für eine Entwicklung im Schweizer Fussball.

Boris Smiljanic (39) führt die U21 der Grasshoppers durch die 1. Liga. Johann Vogel (38) ist bereits im dritten Jahr Trainer der U18. Und weiter unten, bei der U15 National, wirkt Sascha Müller. Zwar kein prominenter Altinternationaler wie die beiden andern, aber immerhin mit dem FC St. Gallen Schweizer Meister 2000.

Und stehen dann Smiljanic und Vogel an der Seitenlinie, begegnen sie sehr oft Prominenz anderer Klubs aus der Super League oder, ab und zu, auch aus der Challenge League. Smiljanic dem Winterthurer Denkmal Dario Zuffi. Vor allem aber Vogel in der Eliterunde der U18, die auf den Trainerbänken ausgesprochen namhaft besetzt ist, wie die zweithöchste Nachwuchsmannschaft ja auch immer mehr als wichtigstes Sprungbrett nach oben gilt.

Spielen Vogels Jung-Fussballer gegen den FCZ, sitzt auf der gegnerischen Bank sein alter Nationalmannschaftskollege Ludovic Magnin (26). Spielt GC gegen die U18 des FCB, kommt mit dem meisterlichen Nachwuchs Raphael Wicky (38). Ist der Gegner der FC Thun Berner Oberland, coacht den Mauro Lustrinelli (39). Vogel, Magnin, Wicky, Lustrinelli – allesamt gehörten sie 2006 zu Köbi Kuhns Nati-Kader für die WM in Deutschland. U18-Trainer sind aber auch Gerardo Seoane (37) beim FC Luzern, Erminio Piserchia bei den Young Boys oder Alessandro Mangiarratti beim Team Ticino. Alle mit Vergangenheit bei den Grasshoppers; Mangiarratti, allerdings nur in der U21, und Piserchia lange vor den anderen: nämlich 1983 bis 1985. Ein Newcomer ist er mit seinen 51 Jahren nicht mehr …

Johann Vogel erfolgreich mit GC U18 (links)
Mit GC und u.a. AC Milan und PSV Eindhoven immer erfolgreich. (rechts)

Zum Kreis bekannter (Jung-)Trainer wie eben Kuhns WM-Quartett von 2006 gehören überdies: Thomas Häberli (41) bei der U21 des FC Basel, Joël Magnin (44 / ebenfalls ein Alt-Grasshoppers) bei der U21 der Young Boys), Erich Hänzi in der U15 der Berner, Michel Renggli (35 / einst neben Seoane im GC-Mittelfeld) in der U15 des FC Luzern, und Alexandre Quennoz, der ehemalige Basler Meisterspieler, in der U21 des FC Sion.

Diese Entwicklung hat natürlich ihre Gründe. Anders als früher, als selbst in einem Klub der Nationalliga A (und in der Nationalliga B sowieso) manchmal nur der „Eins“-Trainer ein Profi war, sind heutzutage aufgrund der Vorschriften für die Ausbildung auch Junioren- und Torhütertrainer oft Profis. Denn nur so erhalten die Vereine das „Label 1“ für die Ausbildung und damit verbundene Gelder. Es ist – im Umkehrschluss – also schlicht auch mehr Geld vorhanden, um mehr Profitrainer anzustellen. Und diese Saläre, beispielsweise bei einem so potenten Verein wie dem FCB, machen die Sache dann auch interessanter.

Zum andern sind (ehemalige) Fussballer, die sich zum Spitzentrainer ausbilden lassen wollen, auf dem Weg zur UEFA-Pro-Lizenz aber auch gehalten, selbst Mannschaften zu coachen. Wer nur schon eine U21 trainieren will, braucht ein A-Diplom. So hat sich allmählich eine Kultur im Schweizer Berufsfussball gebildet, wie er einst nur in Ländern wie Italien oder England bestand: Dass es weit mehr Jobs als ehedem für ehemalige Profis gibt – nicht nur die paar in der Nationalliga oder in der, wie sie heute heisst, Swiss Football League. Das wären höchstens 20 Plätze – und von denen pflegen nicht alle an ehemalige Nationalligaspieler zu gehen.

Es sind also auch in der Schweiz klar mehr Stellen im Fussball zu besetzen. Das ist positiv. Da hat es dann auch Platz für welche, die ihre Zukunft – wenn überhaupt, so nicht zwingend – auf einem Schleudersitz in der Super League sehen. Einer ist Dario Zuffi, heute fast eher als Vater des Basler Meisterspielers Luca bekannt, denn als ehemaliger Meister mit den Young Boys oder selbst Nationalspieler. Er leistet in Winterthur seit Jahren gute Ausbildungsarbeit, auch bei seinen drei Söhnen. Aber höhere Ansprüche hatte er nicht, weshalb er die UEFA-Pro-Lizenz auch gar nie anstrebte.

Und es gibt Ricardo Cabanas (36) und Christoph Spycher (37), junge Familienväter, die sich im Fussball auch andere Rollen denn als Trainer vorstellen können: Cabanas ist neuerdings Talentmanager bei GC, Spycher ist es schon etwas länger bei den Young Boys. Und beide sind sie auch „Alt-06er“ aus Köbi Kuhns WM-Team.

 

Hansjörg Schifferli