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GC Fussball | 26.02.2016

Fussball: Spagat zwischen RS und Super League

Shani Tarashaj und Levent Gülen absolvieren noch bis zum 18. März ihre militärische Ausbildung. Nach einer recht anstrengenden Zeit können sich die beiden dann wieder voll auf ihre fussballerische Karriere konzentrieren.

Zu Beginn der Rekrutenschule musste Shani Tarashaj öfter mal kräftig durchpusten. «Die Grundausbildung war wirklich hart und hat ziemlich Kraft gekostet», offenbart der GC-Stürmer. Um 5.30 Uhr war Aufstehen angesagt, dann ein kurzes Frühstück. Und  schon ging es los mit dem Erlernen des militärischen Grundhandwerks. Wie baue ich eine Waffe zusammen? Wie verfasse ich eine Gefechtsmeldung? Welche Abkürzungen und Namen benutzt das Militär? «Wir mussten in kurzer Zeit sehr viel lernen. Ich fand die Zeit aber auch spannend und lehrreich», sagt Tarashaj. Fünf Wochen dauerte dieser «Anfangs-Exkurs», Innenverteidiger Levent Gülen erinnert sich noch gut an diese Phase. «Wir waren eigentlich rund um die Uhr im Einsatz. Oft bis 24 Uhr hatten wir zu tun, das erforderte reichlich Einsatz und Disziplin.»

"Spitzensport-RS"

Mit Beendigung der allgemeinen Grundausbildung gehören Tarashaj und Gülen nun der Gruppe der «Spitzensport-RS» an. Bis zum 18. März sind sie noch in Magglingen stationiert – der Fokus liegt nun aber neben einer militärischen Ausbildung verstärkt auf dem sportlichen Bereich. So werden die Fussball-Profis vom Konditionstrainer der A-Nationalmannschaft Oliver Riedwyl betreut, damit die RS-Absolventen puncto Fitness und Spielfähigkeit voll auf der Höhe bleiben. Zumal zum Ende hin sich die Präsenzzeit in Magglingen verringert hat. Waren Tarashaj und Gülen zu Beginn noch die komplette Woche  vor Ort und nahmen so nur noch am Team-Abschlusstraining teil, müssen sie aktuell nur noch zwei bis drei Tage anwesend sein. «Am Anfang war es nicht ganz einfach, komplett von der Mannschaft weg zu sein. Ich merkte bei den Spielen, dass ein bisschen der Rhythmus fehlt», ist Tarashaj froh, wieder näher beim Team zu sein.

Ausbildung zum Sportleiter und Medienschulung

Trotz häufiger Abwesenheiten sehen die GC-Jungstars trotzdem die positiven Aspekte der Rekrutenschule. So machten Tarashaj und Gülen auch eine Ausbildung zum Sportleiter und bekamen eine Medienschulung. «Ausserdem absolvierten wir einen Kurzlehrgang in Massagetechniken», lacht Tarashaj. So könne er ab sofort kleinere Wehwehchen gleich selbst therapieren, ist der 21-Jährige nun auch im physischen Bereich besser aufgestellt.

Speziell in der Grundausbildung gab es aber keinerlei «Sportler-Bonus». Alle Teilnehmer der RS waren gleichgestellt, die rund 300 Schüler wurden verteilt auf Mehrbettzimmer. Kommen Fussballer in Trainingslagern oft  in den Genuss von schicken Hotels und Doppelzimmern, war das Ambiente beim Militär spartanisch. Für die Jung-Hoppers aber kein Problem. «Ich wusste, was auf mich zukommt. So konnte ich in Bereichen wie Ordnung und Disziplin nochmals Fortschritte machen», offenbart Tarashaj.

Gülen leihweise beim FC Vaduz, Tarashaj im Juli zum FC Everton

Die RS hat er fast geschafft. Nun liegen vor dem Stürmer noch spannendere Monate. Während Innenverteidiger Gülen kurz vor der Schliessung des Transferfensters zum FC Vaduz ausgeliehen wurde, wird Tarashaj im Sommer den ganz grossen Sprung wagen. Bereits im Januar wurde sein Wechsel zum englischen Premiere-League-Club FC Everton publik gemacht, bis zum Rundenende soll der U21-Nationalspieler aber beim GC reifen. «Mir war es wichtig, noch mehr Erfahrung zu sammeln, bevor ich nach England gehe. Das wird eine riesige Herausforderung, auf welche ich mich aber extrem freue», erklärt Tarashaj. Mitunter spielte auch sein fussballerisches Vorbild eine Rolle, dass er zum FC Everton wechselt. Bei den «Toffees» startete nämlich auch Wayne Rooney als Profi durch. Inzwischen ist der 30-Jährige Rekordtorschütze der englischen Nationalmannschaft. «Ich habe ihn schon immer bewundert. Er hat eine enorme körperliche Präsenz und ist ein super Fussballer», schwärmt das GC-Talent vom ManU-Stürmer. Tarashaj ist sich bewusst, dass vor ihm noch ein weiter und harter Weg liegt, will er einmal das Niveau eines Rooney erreichen. Er müsse körperlich noch zulegen, offenbart der 21-Jährige. «Ich absolviere schon jetzt zwei Mal in der Woche ein Zusatzprogramm bestehend aus Laufen, Velo fahren und weiteren Krafteinheiten. Im physischen Bereich kann ich mich sicherlich noch verbessern.» 

Tarashaj will bis zum Saison für GC noch einige Tore schiessen

Ansonsten will sich Tarashaj noch nicht mit seinem England-Abenteuer beschäftigen. In der Schule habe er englisch gelernt, «trotzdem werde ich vor meinem Umzug noch einen zusätzlichen Sprachkurs machen.» Dies ist aber noch Zukunftsmusik. Der Stürmer fokussiert sich vielmehr voll auf die laufende Saison und will mit den Hoppers weiter vorne mitmischen. GC-Coach Pierluigi Tami hat es geschafft, eine gut funktionierende Einheit aus erfahrenen Leadern und jungen Talenten zu formen, die attraktiven Offensivfussball spielt. Dabei kann Tarashaj seine Stärken gut einbringen. «Ich habe einen starken Abschluss, bin auf den ersten Metern explosiv und auch technisch ganz gut beschlagen. Ich versuche, meine Stärken immer in den Dienst der Mannschaft zu stellen, denn nur zusammen können wir etwas erreichen», zeigt sich Tarashaj als Teamplayer durch und durch. Ein Attribut, das aber nicht nur für den Fussball gilt. Denn auch beim Militär gehört ein gewisser Zusammenhalt dazu. Gerade – oder  vor allem – wenn es mal hart zur Sache ging. «Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt. Auch wenn die Belastung teilweise schon sehr hoch war», erklärt Tarashaj. Er sei jedenfalls froh, wenn am 18. März die RS beendet ist. «Aber ich werde das Ganze sicher auch ein wenig vermissen. Denn bei allen Anstrengungen nehme ich viel Positives mit aus dieser Zeit», hat der Stürmer auch wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Tobias Erlemann