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GC Handball | 27.08.2021

ARTHUR BRUNNER: «WIR SIND AN DER WELTSPITZE ANGEKOMMEN»

Mit seinem Partner Morad Salah leitete er am olympischen Handballturnier der Männer den Halbfinal zwischen Spanien und Dänemark: Schiedsrichter und GC Nachwuchstrainer Arthur Brunner blickt zurück auf seinen Einsatz in Tokio.

 

Pamela Schefer: Arthur Brunner, Sie haben an den Olympischen Spielen sechs Partien geleitet, darunter sogar den Halbfinal der Männer. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie und Morad Salah dafür nominiert wurden?

Arthur Brunner: Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet und uns deshalb umso mehr über die Nomination gefreut. Wir haben schon jahrelang von einem Einsatz an den Olympischen Spielen geträumt. Das ist ein wichtiger Schritt für uns. Nun sind wir an der Weltspitze angekommen.


W
aren Sie aufgeregt vor dem Spiel?

Ich war schon angespannt, aber es hilft, wenn man alles gleich handhabt wie immer von den Vorbereitungen aufs Spiel bis zu den Routinen kurz davor. Wir hören in der Garderobe beispielsweise immer Chemical Brothers oder Röyksopp und halten uns beim Aufwärmen an gewisse Abläufe. Das gibt einem die nötige Sicherheit. Wird der Ablauf einmal gestört, kann das die Sicherheit beeinträchtigen.


Was war die grösste Herausforderung während des Halbfinals?

Für viele ältere Spieler der spanischen Mannschaft war dies die letzte Olympiade. Das hat sie merklich unter Druck gesetzt, die Anspannung war gross. Auch die Spieler auf der Seite waren schnell aufgebracht. Als sich dann abzeichnete, dass Dänemark gewinnen wird, wurde der Druck noch stärker. Da war es schon eine Herausforderung, diesem Druck standzuhalten und eine klare Kommunikation aufrechtzuerhalten.


Die Olympischen Spiele wurden vor leeren Rängen durchgeführt. Wie gross ist der Unterschied für Sie als Schiedsrichter, ob vor Zuschauer gespielt wird oder nicht?

Ich persönlich habe lieber volle Ränge. Man fühlt sich ein bisschen verloren in einer leeren Halle. Während des Spiels achtet man allerdings nicht mehr darauf.


Konnten Sie den Aufenthalt in Tokio mit Überwachungs-App, täglichen Tests und den vielen Einschränkungen aufgrund von Corona überhaupt geniessen?

Es gab tatsächlich viele Einschränkungen und es ist schade, dass wir Tokio nicht besichtigen konnten. Das sportliche Niveau war aber so hoch wie immer an Olympischen Spielen. Und auch unsere Freizeit konnten wir geniessen: Mit dem Lieferservice haben wir viele Restaurants ins Hotel geholt und so für eine gute kulinarische Abwechslung gesorgt.


Sie haben einmal gesagt, die besten Schiedsrichter kommen aus Dänemark und Spanien. Wo würden Sie sich und ihren Partner Morad Salah einordnen?

Wir gehören mittlerweile zu den Top 5. Ich glaube, wir können es sogar unter die besten zwei schaffen, dazu braucht es aber weiterhin Beständigkeit und Berechenbarkeit. Uns hat sicher geholfen, dass wir sehr selbstkritisch sind und uns konstant weiterentwickeln. Zudem pflegen wir einen guten Draht zu den Spielern, den Trainern und den Funktionären.


Ihren Lebensunterhalt verdienen Sie als Gerichtsschreiber am Bundesgericht von Lausanne und als nebenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. Aber auch Ihre Tätigkeit als Schiedsrichter und GC Nachwuchstrainer ist zeitintensiv. Wie gehen Sie mit dieser Dreifachbelastung um?

Es funktioniert nur mit viel Planung und viel Verständnis von Familie, Verein und Arbeitgeber. Ich habe das Glück, dass ich von allen Seiten stark unterstützt werde. Der Verein federt Abwesenheiten meinerseits gut ab und im Job wird meine nebenberufliche Tätigkeit geschätzt.


Sowohl als Richter als auch als Schiedsrichter müssen Sie objektiv und unparteiisch bleiben. Woher kommt dieser Sinn für Gerechtigkeit?


Ich weiss auch nicht, woher der Gerechtigkeitssinn genau kommt, aber ich habe ihn schon von klein auf. Er gehört zu meinem Charakter. Ich war schon immer der Vermittler, egal ob in der Familie oder im Job.

 

Wagen wir zum Schluss einen Blick in die Zukunft: Werden Sie an den Olympischen Spielen 2024 in Paris das Finale pfeifen?

Es wäre vermessen, das anzunehmen. Das hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von der Politik oder den Mannschaften, die gegeneinander antreten. Aber es ist natürlich ein grosser Traum von uns und wir werden ihn weiterverfolgen.

 

Interview/Text: Pamela Schefer