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GC Fussball | 23.10.2015

Fussball: «GC Captain zu sein ist eine grosse Sache»

Ein Königstransfer sei dem Club gelungen, hiess es in den Medien, nachdem GC die Verpflichtung des damals 120-fachen Nationalspielers bekannt gegeben hatte. Diese Meinung hat sich auch nachträglich bestätigt – und wie: Källström ist Teamleader, Vorbild, das neue Gesicht der Mannschaft, die bei Beginn der Saison so positiv aufgetreten ist. «Wir hatten einen sehr guten Saisonstart, besser, als es erwartet wurde. Wir haben hart gearbeitet und Spass-Fussball gespielt. Wir haben die Punkte auch verdient», sagt der 33-Jährige fast bescheiden. 

So dominant Källström als Fussballer ist, so smart ist er neben dem Platz. Er nimmt sich Zeit für Gespräche, beantwortet jede Frage klar und höflich, geht auf das Gegenüber ein. Stilvoll könnte man das wohl nennen. Oder vorbildlich. Und so erstaunt es niemanden, dass rund um den Grasshopper Club Zürich und auch sonst im Schweizer Fussball in höchsten Tönen vom 33-jährigen schwedischen Routinier geschwärmt wird.

«Wir bauen etwas für die Zukunft auf»

Star-Allüren sind bei Kim Källström nicht auszumachen. Er, der in seiner grossartigen Karriere für namhafte Clubs wie Rennes, Olympique Lyon Spartak Moskau und Arsenal gespielt hat, ist nicht nach Zürich gekommen, um einen angenehmen Karriere-Herbst zu erleben, sondern will seine Spuren hinterlassen. «Gewinnen!», antwortet er auf die Frage nach seinen Zielen in Zürich sofort, ehe er nachschiebt: «Ich weiss, dass wir in dieser Saison kaum die Meisterschaft gewinnen werden. Aber wir bauen etwas für die Zukunft auf. Wir wollen eine positive Saison absolvieren und mit unserer Leistung zufrieden sein können.»

Der Aufbau eines neuen und nachhaltigen Fundaments ist beim Rekordmeister ein erklärtes Ziel und Kim Källström dabei eines der wichtigsten Elemente. Er hat seit Jahren den Ruf eines Vorzeige-Profis und demonstriert in Zürich, weshalb dies so ist. Er ist jeweils einer der ersten, die an Trainingstagen auf dem GC/Campus eintreffen. Im Training gibt er immer vollen Einsatz. Und nach der Arbeit widmet er sich intensiv der Körperpflege. An Tagen vor einem Spiel dauert dies meist mehr als 90 Minuten, da lässt er sich massieren, geht in die Sauna und schöpft fast alle Möglichkeiten aus, die sich ihm auf dem Campus bieten. «Wenn man auf einem solchen Campus arbeiten darf, muss man einen Vorteil daraus ziehen und ein paar Minuten länger bleiben», sagt er. «Wo man am Ende der Karriere steht, kann auch davon abhängen.» Diese grosse Präsenz gehöre einfach zu ihm. «Es ist mein Job und ich nehme in ernst. Wir sind nicht viele Stunden täglich beim Club, und mir ist diese Zeit einfach wichtig. Zudem werde ich ja auch älter und muss meinem Körper Sorge tragen. Aber ich war früher auch so. Ich bin nicht das grösste Talent, habe aber immer hart gearbeitet. Und das braucht es auch.»

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Das Wort Arbeit taucht im Gespräch mit Kim Källström immer wieder auf. Auch wenn er von Top-Stars spricht, die er während seiner Karriere erlebt hat. «Viele denken, dass solche Spieler einfach mit viel Talent gesegnet sind, aber sie haben vor allem mehr als viele andere gemacht», erklärt er. So geht nun auch er mit gutem Beispiel voran und zeigt seinen jungen Teamkollegen, was es für eine erfolgreiche Karriere braucht. Diese jungen Spieler in die Zukunft zu führen, ist eine seiner Aufgaben und Herausforderungen, die er annimmt. «Immer wenn man zu einem neuen Club kommt, gibt es Herausforderungen. Aber es macht Spass hier, weil die jungen Spieler gut sind. Wenn sie zu wenig Qualität hätten, wäre der Spassfaktor sicher nicht so gross. Doch sie haben die Anlagen, um gute Karrieren zu machen», erklärt er mit ruhigen, wohl überlegten Worten. «Sie arbeiten im Training hart, bekommen Einsatzzeit, erzielen Tore, auch wichtige Tore, und kommen so Schritt für Schritt vorwärts. Es ist wichtig für junge Spieler zu sehen, dass sich harte Arbeit bezahlt macht.»

Die Verbindung zwischen GC und Kim Källström hat von Anfang an gestimmt. Sportchef Manuel Huber konnte ihm den Club schmackhaft machen, Trainer Pierluigi Tami ihn ebenso überzeugen. «Wir hatten ein offenes, ehrliches Gespräch, auch über das allgemeine Leben und ich hatte das Gefühl, dass er jemand ist, für den ich arbeiten möchte», sagt Källström. «Und das war auch einer der entscheidenden Punkte, denn der Coach ist eine der wichtigsten Personen. Sein Vertrauen und sein Wunsch, mit mir zusammenzuarbeiten haben mir gut getan. Heute kann ich sagen, dass es eine gute Entscheidung war, nach Zürich zu kommen.»

Lebensqualität spielt mit

Ein anderes wichtiges Argument, das verhehlt er nicht, war der offerierte Dreijahresvertrag. Eine solche Dauer ist in seinem Alter nicht selbstverständlich und bietet der Familie Perspektiven. Källström sagt: «Das heisst Stabilität, wir müssen nicht immer umziehen, meine Kinder erhalten so die Gelegenheit, vielleicht während drei Jahren dieselbe Schule zu besuchen – es war ein Wechsel einerseits wegen des Fussballs, andererseits auch wegen der Lebensqualität. Wenn man älter wird, ist das auch wichtig, da spielen andere Dinge mit.»

Was er, seine Frau und die Kinder in der Schweiz angetroffen haben, gefällt ihnen. Die Wege sind kurz, ob ins Training oder in die Schule, gerade im Vergleich zu Moskau. So gesehen ist die Work-Life-Balance besser. Die Schweiz und Russland seien zwei total verschiedene Welten, findet er. Russland sei in vielen Aspekten grossartig gewesen, der Fussball gut, «ich war glücklich». Das generelle Leben sei in der Schweiz aber natürlich einfacher. «Die Kinder sind im Kindergarten und glücklich. Für mich als Familienmensch ist das wichtig. Und der grösste Unterschied ist die Kommunikation. Hier kann ich Englisch und Französisch sprechen, ich verstehe auch Deutsch und werde es noch weiter lernen. Das ist irgendwie befreiend, denn in Russland war das grösste Problem die Kommunikation», sagt Källström, der auch schon sehr gut Deutsch spricht. 

Diese Kommunikation ist auch innerhalb des Teams wichtig, schliesslich wurde Kim Källström nach dem Abgang von Daniel Pavlovic neuer Captain. Er beeindruckt da durch seine natürliche Autorität auf und neben dem Platz und füllt seine Rolle voll und ganz aus. Er empfindet es als grosse Ehre, dass ihm dieses Amt übertragen wurde und sagt: «Captain von GC zu sein, ist eine grosse Sache.» Er habe seit dem ersten Tag eine sehr gute Beziehung mit den Spielern, mit dem Staff und versuche, die Person zu sein, die er sei. «Das ist ohnehin wichtig für jeden: Man darf nicht versuchen, jemand zu sein, der man nicht ist. Nach einer Weile erkennen die Leute, dass da nur ein Loch ist und durchschauen einen.»

Diese Natürlichkeit, diese Leadership und Bodenständigkeit tun dem Team und dem ganzen Club nach der schwierigen letzten Saison gut. Dass die Mannschaft nun vorne mitspielt, ist auch ein grosser Verdienst des neuen Führungsspielers, auch wenn er den Ball flach hält und wie erwartet bescheiden erklärt: «Die Leute waren von der unruhigen Saison gezeichnet, ihr Selbstvertrauen war angeschlagen. Aber es hat nur einen Anstoss gebraucht, um auf den richtigen Weg zu kommen.» Aber er weiss auch ganz genau, das der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg schmal ist und schiebt nach: «Wenn wir aber nicht gewinnen, hilft auf Dauer die beste Atmosphäre der Welt nichts.» 

Andy Maschek