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GC Handball | 23.04.2021

AB 7. MAI – REMAKE EINES THRILLERS

Weil GC Amicitia Zürich das grosse Saisonziel, die Playoff-Qualifikation verpasste, steht nun eine kapitale Serie in den Playouts an – gegen einen altbekannten Gegner. Bereits vor drei Jahren kämpften GC Amicitia und der TV Endingen im Best-of-Five-Modus um den Klassenerhalt. Die Blau-Weissen gewannen in extremis. Bei der Neuauflage dieses Krimis wollen die Hopper Änderungen am Drehbuch vornehmen. Ein Rück- und Ausblick.

Neuverfilmungen von Klassikern sind selten so gut wie das Original. Oder fanden Sie Filme wie etwa «Ghostbusters» von 2016 besser als die «echten» Geisterjäger Bill Murray und Dan Aykroyd 1984? Eben. Einen Vorteil bieten solche Neuauflagen aber: Man kennt das Ende bereits.

Start der Serie am 7. Mai

Ab dem 7. Mai (jeweils live auf www.handballtv.ch) spielt GC Amicitia Zürich im Best-of-five-Modus gegen den TV Endingen. Die Hopper hoffen, dass sich am Resultat des «Remakes» der fast schon legendären Playout-Serie von 2018 nichts ändern wird. Damals drehten die Blau-Weissen einen 0:2-Rückstand in der Serie noch in ein 3:2 und sicherten sich damit den Verbleib in der NLA (heute QHL).

Dabei hätten die GC Amicitia-Verantwortlichen bereits das Drehbuch für eine neue Story gehabt. So will GC Amicitia in den nächsten Jahren den Anschluss an die nationale Spitze schaffen und hat nach der Neubildung des Teams im letzten Sommer nun mit klugen Verstärkungen wie dem ungarischen Internationalen Gábor Császár, Rückkehrer Paul Bar im Tor (ersetzt den abtretenden Routinier Nikola Marinovic) oder dem äusserst talentierten Leihspieler Mehdi Ben Romdhane für die neue Saison einen Schritt in diese Richtung getan. Den Horrorfilm "Abstiegskampf" hätte das bestehende Team indes selber abschalten können: Die Mannschaft erhielt mit Trainer Petr Hrachovec im Januar einen neuen Regisseur, der zuvor mit den Kadetten Schaffhausen nicht nur den heimischen Handball geprägt hatte, sondern auch im «Hollywood» der Champions League immer wieder für Aufsehen sorgte.

Aufwärtstrend reichte (noch) nicht

Ein Aufwärtstrend war seither klar erkennbar, mit Siegen gegen Endingen und Basel hielt man die Hoffnungen auf den achten und letzten Playoff-Platz lange aufrecht. Gegen den Inhaber desselben, den RTV Basel, hätte es zum absoluten Thriller in der letzten Quali-Runde kommen können, hätten die Hoppers zuvor gegen Thun oder Suhr Aarau noch mindestens einen Punkt herausgeholt. Mit zwei Punkten Rückstand auf die Basler hätte man in dieser letzten Partie punktemässig noch ausgleichen können und mit dem besseren Torverhältnis und zwei Siegen in drei Direktduellen in extremis den Platz für die grosse Bühne ergattern können.

Es kam anders, die beiden Partien gingen knapp verloren und so fühlen sich die Hoppers wie im falschen Film, sehen sich erneut mit dem Abstiegskampf konfrontiert. «Mit dem frühen Cup-Aus (Achtelfinal gegen den BSV Bern, d. Red.) und den verpassten Playoffs haben wir die zwei Hauptziele der Saison verfehlt», so Präsident Philip. «Zwar hat unser Team erkennbare Fortschritte gemacht, über die gesamte Saison gesehen hat es sich aber die Playoffs nicht verdient.» Klare Worte. Trotzdem ist der Präsident vom eingeschlagenen Weg überzeugt: «Unsere Strategie werden wir konsequent weiter verfolgen in der Überzeugung, dass wir mit Petr Hrachovec an der Seitenlinie und Sportchef Gábor Vass die richtigen Leute am Ruder sind, um uns nach vorne zu bringen.»

Thriller im 2018 – langweiliges Drehbuch für Remake erwünscht

Wenn es um die anstehenden Duelle mit dem TV Endingen geht, weiss Hohl, wovon er spricht, wenn er sagt: «Endingen ist auf dem Papier zwar schwächer, aber die Surbtaler geben bis zur Schlusssirene nie auf!» So war es beispielsweise vergangenen Herbst, als die Hoppers auswärts zur Pause noch mit neun Toren vorne gelegen waren, das Spiel aber letztlich mit minus 2 noch verloren geben mussten. Auch die Erstausgabe der Playout-Serie im Jahr 2018 war an Spannung kaum zu überbieten. Die Surbtaler holten sich die ersten beiden Spiele deutlich und hatten in der Saalsporthalle die Chance, die Hoppers mit einem glatten 3:0 in der Serie in die NLB zu schicken. Just in dem Moment, in dem Philip Hohl und sein Team den Vorstand der NLA-Abteilung von GC Amicitia Zürich übernommen hatten. Es wäre ein denkbar schlechter Start in das neue Projekt geworden. Der neue Vorstand ging geschlossen zu diesem entscheidenden Spiel, um die Mannschaft zu unterstützen. Wer Hohl kennt, weiss, wie angespannt er an «normalen» Spielen schon ist und seinen Unmut, wenn es schlecht läuft, bisweilen auch laut kundtut. Der Ansporn von der Tribüne schien zu nützen, nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit (10:10) drehten die Hopper auf und entschieden die Partie mit 24:20 für sich. Und noch besser: Fünf Tage später konnten sie die Serie ausgleichen und sich so die «Belle», die alles entscheidende Partie, vor heimischem Publikum erstreiten. Diese fand dann ohne Neo-Präsident Hohl statt: Er weilte anlässlich seines vierzigsten Geburtstags gerade in Hamburg. Das Team von Trainer Norman Kietzmann sicherte sich aber vor knapp 1400 Zuschauern in einer - wohl der Nervosität geschuldeten - von vielen Fehlern auf beiden Seiten geprägten Partie den Klassenerhalt mit 25:22 (12:12).

Papierform spricht für GC Amicitia

Eine Serie zum Fingernägel-Kauen könnte es auch dieses Jahr geben: «Wir haben grössten Respekt vor dieser Aufgabe und keiner hat das Gefühl, dass es leicht werden würde», sagt Sascha Schönholzer, Assistenztrainer und bereits 2018 mit den Hopper mittendrin im Abstiegskampf. Und dies, obwohl GC Amicitia Zürich als besser klassiertes Team mit Heimvorteil in die Serie startet. «Wir haben den breiteren und stärkeren Kader», auch das sagt Schönholzer. Aber die Vorteile auf dem Papier müssen die Hopper erst einmal auf die Platte bringen, denn beim TV Endingen hatte man sich schon lange auf diesen Abstiegskampf eingestellt.

Auch Präsident Philip Hohl will keine Wiederholung des Dramas der Saison 2017/18 sehen und appelliert an die Spieler: «Jeder muss sich dem Team und dem Verein nun unterordnen. Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er alles, was er spielerisch und kämpferisch zu bieten hat in die Waagschale wirft. Die Spieler müssen diese für den Klub elementare Aufgabe mit Herzblut die angehen. Der Klassenerhalt ist Pflicht!»

Leider hat sich im Spiel am letzten Donnerstag Teamstütze Simon Schild eine Verletzung zugezogen. Bei Redaktionsschluss stand die ärztliche Diagnose noch aus. Die Teamkollegen wünschen "Schigi", wie sie ihn rufen, baldige Genesung und hoffen, dass er bald wieder zur Verfügung steht.

Wenn die Neuverfilmung der Serie nicht so spannend verlaufen sollte wie das Original von vor drei Jahren, wird dies keinen GC Amicitia-Verantwortlichen "kratzen" – Hauptsache am Film-Schluss ändert sich nichts. – Kamera läuft – Action!

Lorenz Barazetti

Die Playout-Serie GC Amicitia Zürich – TV Endingen können live auf www.handballtv.ch verfolgt werden. Die Spiele sind angesetzt auf 7. / 9./ 15. / 20. / 22. Mai 2021. Die Anwurfzeiten folgen auf www.gc-amicitia.ch