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GC Beach Soccer | GC Fussball | 24.05.2019

BEACH SOCCER | RAHEL LATTMANN - EINE AUSNAHME-SPORTLERIN

Es gibt viele Sportlerinnen, die eine Mehrfach-Belastung durch Beruf oder Ausbildung, Familie und Sport unter einen Hut bringen und alle Herausforderungen mit grossem Einsatz meistern. Eine davon ist sicher die Beach Soccer-Akteurin des Grasshopper Club Zürich, Rahel Lattmann. Über ihre Leistungen ist in den Medien nichts zu lesen, dort stehen Spieler mit hohen Gehältern im Mittelpunkt. Obwohl gerade solche Sportlerinnen zeigen, dass der Sport noch andere Reize bietet, als nur das grosse Geld und Vorbild für die Amateur-SportlerInnen sind. Sie verdienen kein Geld, dafür grossen Respekt.  

GC Trainerin Cornelia Hug spielte selbst über 20 Jahre im Fussball in den oberen Ligen des Landes und parallel während mehr als 10 Jahre Beachsoccer. Sie kennt Rahel Lattmann aus dem ff und sagt über sie: «Ich habe in all den Jahren einige bemerkenswerte Sportlerinnen und Sportler kennen gelernt. Aber mit den Leistungen, die Rahel sowohl «im Leben» als auch auf Rasen und im Sand vollbracht hat und immer noch vollbringt, nimmt sie eine Ausnahmestellung ein. Deshalb habe ich sie auch für die Saison 2019 mit dem Captain-Amt betraut, damit ihre Vorbildfunktion noch besser zum Tragen kommt.»

Ein Blick zurück

Das GC Beach Soccer Frauen-Team hatte sich 2015 für die Finals in Spiez qualifiziert. Gleichzeitig hat Rahel Lattmann nach 15 Jahren ihre Rasensportkarriere beendet mit dem Ziel, sich ausschliesslich dem Beach Soccer zu widmen. Aber ihre Ambitionen wurden durch ein sich ankündigendes Ereignis jäh unterbunden. Sie erwartete ihr erstes Kind. Am Final wollte sie aber als Zuschauerin ihre Kolleginnen unterstützen. Von der Teamleitung wurde sie überrascht: Sie durfte im Trikot zusammen mit dem Team aufs Feld einlaufen. Dadurch konnte sie ihre Kolleginnen von der Bank aus unterstützen und fühlte sich als Teil des Teams und durfte den unerwarteten Gewinn des ersten Doubles hautnah miterleben.

Aufgrund des Gewinns der Meisterschaft 2015 hatte sich das GC Team für den Euro Winners Cup, das erstmals auch für Frauen ausgetragene Europäische Turnier qualifiziert, was der Champions League im Fussball entspricht. Der Anlass fand im Mai in  Catania (Sizilien) statt. Die Ärzte raten Müttern, mindestens während der ersten beiden Monate nach der Niederkunft keine sportlichen Tätigkeiten auszuüben. Rahel Lattmann gelang es jedoch, einzig durch Kampf und ihren unglaublichen Willen, ins Team zurückzukommen. In der Vorbereitungsphase hat sie gespürt, dass die eigenen Körpersignale mental «besiegt», dh. Schmerzen unterdrückt werden können. Die Teamverantwortlichen Susanne Stutz und Cornelia Hug haben sich für Rahel’s Turnierteilnahme eingesetzt, im Wissen, dass sie trotz reduzierter Vorbereitung eine tragende Rolle im Team übernehmen kann. Zugleich musste jedoch anderen Spielerinnen die Möglichkeit auf die Turnier-Teilnahme verwehrt werden.

Während des Turniers in Cantania konnte Rahel auf die Unterstützung ihrer Mutter zählen, die den kleinen Marvin in Obhut nahm, während Rahel die Spiele ausnahmslos bestritt. Jeweils nach dem Schlusspfiff übernahm Rahel sofort wieder ihre Mutterrolle. Dank ihres unbändigen Willens (sie unterdrückte manche Schmerzen) konnte sie prägend auf die Leistung des Teams einwirken. Der Lohn stellte sich ein: Das GC Frauen Beach Soccer-Team gewann als erstes Frauenteam überhaupt die Champions League auf Sand. Auch Rahel Lattmann war überwältigt vom grossartigen Erfolg. Die Sieges-Feier indessen musste sie ausfallen lassen – setzte sie doch für sich klare Prioritäten – und da stand die Betreuung ihres Söhnchens zuoberst. 

Turnier-Belastung hinterliess Spuren

Rahel Lattmanns Körper war durch die Belastungen des Turniers in Catania aber überfordert und gezeichnet, was zur Folge hatte, dass sie die Saison nicht wie gewollt absolvieren konnte. Sie musste manchen Rückschlag hinnehmen, und war darüber enttäuscht, dass sie die körperlichen Defizite nicht mit ihrem Willen überspielen konnte. Sie musste lernen, mit der Dreifachbelastung Mutter, Sport und Job umzugehen.

Nach dem Rückfall in der vorangegangenen Saison wollte Rahel Lattmann in der Meisterschaft 2017 wieder voll durchstarten. Aber es kam anders. Früher als geplant war Rahel Lattmann zum zweiten Mal schwanger. Die Glücksgefühle überstrahlten aber die Enttäuschung, nicht im Sand wirken zu können. 

Richtige Schlüsse gezogen

Rahel Lattmann hatte aus den gemachten Erfahrungen die richtigen Schlüsse gezogen und entschied sich nach der zweiten Schwangerschaft für einen intensiven körperlichen Aufbau. Durch eine längere und bessere Vorbereitung, welche Rahel im Vorfeld selbst durchführte, konnte sie zum Saisonauftakt 2018 einmal wöchentlich am Team-Training teilnehmen. Sie hat schnell festgestellt, dass der Körper besser auf die Anstrengungen im Sand vorbereitet war. Sie machte konditionell rasch Fortschritte, dennoch war sie überrascht, dass die Saison sehr gut lief. 

Zeit ihres Lebens hatte sie den Sport in den Vordergrund gestellt – bis zur Mutterschaft. Dann gaben die Kinder den Rhythmus vor: Wer hat wann Hunger, wie oft muss sie nachts aufstehen um zu Stillen oder einfach nur da zu sein. Was bekommen die Kinder zum Frühstück, mittags und abends… Wer hütet die Kinder, wenn sie zum Training muss usw... Alles muss organisiert und geplant sein, Vorkochen, Vorbereitungen für Job, Einkaufen, Planung allg. alles bereitstellen für Kindermädchen usw... Und wenn eines der beiden Kinder einmal nicht Mittagsschlaf halten will, dann gerät das Tagesprogramm aus den Fugen. 

Hohe Ziele

Erst bei Ankunft im Training kann sie «abschalten» und für kurze Zeit jeweils wieder ihrem geliebten Sport frönen und Teamkollegin sein. Trotz der enormen Belastung ist Rahel Lattmann beim Anpfiff der Spiele voll fokussiert und top motiviert. Sie schätzt, während des Spiels «Dampf ablassen» zu können. Ihre Leidenschaft beflügelt sie. Sie ist glücklich, in befristeter Zeit den eigenen Bedürfnissen nachgehen zu können. Obwohl sich ihr Körper nicht mehr ganz so präsentiert, wie noch vor ihrer Mutterschaft, möchte sie leistungsmässig an die Saison 2018 anknüpfen. Dazu befähigen soll sie eine möglichst hohe Trainingspräsenz, um ihren Fitness-Level zu erhöhen. Mit dem Captain-Amt betraut worden zu sein, bedeutet für Rahel Lattmann eine grosse Ehre. Sie wird dem Team als Vorbild vorangehen und als grosses Ziel zusammen mit den Kolleginnen aktiv einen nationalen Titel zu holen.

Eugen Desiderato aufgrund von Aufzeichnungen von Cornelia Hug.