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GC Beach Soccer | 23.06.2018

BEACH SOCCER | ZURÜCK ZU ALTER STÄRKE ALS ZIEL

Das GC Damen- und das GC Herren Team setzten in den letzten Jahren Standards im helvetischen Beach Soccer. Während fünf Jahren standen die Herren um Spielertrainer Dejan Stankovic, Weltbester seines Fachs, im Meisterschaftsfinal, das Damen-Team holte vor zwei Jahren das Triple, den Meistertitel, den Cupsieg und den Champions League-Sieg. Letztes Jahr nahmen sich dann beide Teams eine „Auszeit“, wollen aber heuer wieder angreifen. Die Basis dazu wurde in den ersten Spielen gelegt.

Beim Wort „Beach“ denkt man im Sommer, an Sonne und kilometerlangen weissen Sandstrand. Das gibt’s auch hierzulande, allerdings nicht kilometerlang. Einen „Beach“ brauchen auch die Beach Soccer-Spieler, ihnen genügt aber ein Rechteck mit den Ausmassen von max. 37 mal 28 Metern. So schreibt es ihr Verband für den Meisterschaftsbetrieb vor. Solche Courts findet man in Basel, Gümligen, Berneck, Birr, Emmen, Fiesch, Grabs, Ibach, Jona, Kriens, Liestal, Magglingen, Neuchâtel, Spiez, Solothurn, Tenero, Winterthur, Wollerau, Zug und in Zürich. Letztere Anlage in Zürich verbreitet nun nicht gerade das Urlaubsfeeling, sie liegt doch in einer schmucklosen Gegend, neben einer Autobrücke, zwischen zwei Strassen, eine davon ist sehr verkehrsreich und laut. Das alles stört die Spielerinnen und Spieler allerdings nicht, sie spüren den Sand unter ihren Füssen, sie fühlen sich wohl und sind froh, auf dem Juchhof ein Trainings- und Spielgelände benützen zu können. Die Meisterschaftsspiele werden in Events gespielt, der Schweizerische Verband bestimmt die Ausrichter, auch Zürich gehörte schon dazu. 

Spielertrainer Dean Stankovic (32 bringt es auf den Punkt: „Die letzte Saison verlief für uns erfolgsverwöhnten Grasshopper katastrophal“. Dieser temporäre Niedergang hatte verschiedene Gründe. Kurz vor Saisonbeginn stieg der Sponsor, trotz mündlicher Vereinbarung aus, obwohl das gesamte Material und natürlich auch die Trikots bereits mit dessen Logo bedruckt worden waren. Das riss ein Loch in die Kasse, was auch negative Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Kaders hatte, so konnten zum Beispiel nicht alle Leistungsträger bei der Stange gehalten werden. Weil die Nationalspieler Mühe hatten, die Meisterschafts-Events mit den Einsätzen der Nati zu koordinieren und die Schweizer Auswahl Priorität hat, litt das GC Team. Dies hatte Auswirkungen bis in die Halbfinals. Dort dürfen nur Spieler eingesetzt werden, die eine Mindestanzahl von Qualifikationsspielen bestritten haben. Diese Cracks fehlten dann und der Halbfinal ging verloren, schliesslich auch das Spiel um den 3. Rang, weil die „Luft draussen war“, wie es Dejan Stankovic beschreibt.

Und der Spielertrainer selbst hat auch aus diesen Negativ-Erfahrungen seine Schlüsse gezogen: „Ich werde meine Auslands-Engagements in dieser Saison reduzieren und den Fokus wieder voll auf das GC Team legen.“ Der weltbeste Skorer (über 300 Länderspiele, über 1000 Tore) absolvierte in den letzten Saisons auch Einsätze mit europäischen Top-Teams in der Ukraine, in Portugal und Italien. Diese sollen nun reduziert werden. Er will auch mehr mit der Familie unternehmen können: „Meine Tochter wird dieses Jahr eingeschult, da will ich schon näher bei ihr sein. Zudem investierte ich in der Vergangenheit sehr viel in meinen geliebten Sport, was nur möglich war, dass ich einen verständnisvollen Arbeitgeber habe“, sagt Stankovic. Er arbeitet im kaufmännischen Bereich einer Baufirma, arbeitet Offerten aus und erstellt Abrechnungen. Im Sommer kann er seinen 80-Prozent-Job weiter reduzieren und die Ausfallzeit in den Wintermonaten wieder ausgleichen. 

Für diese Saison hat Dejan Stankovic ein Team aus jungen Schweizer Spielern geformt, die von einigen Leistungsträgern und Internationalen wie der Spielertrainer selbst, dem Topskorer Noel Ott und Rückkehrer Sandro Spaccarotella unterstützt werden. Dass Spaccarotella zum GC zurückkam, kommt einem Glücksfall gleich. Mit ihm als Captain waren die GC Sandhopper erfolgreich: 2012 Schweizermeister, in den folgenden zwei Saison holten sie weitere Titel, den Supercup und Schweizer Cup. 

Die diesjährige Saison begann für das GC Team erfolgreich:  Die Chargers Baselland wurden mit 7:3 nach Hause geschickt (Stankovic steuerte drei Treffer bei) und der Aufsteiger BSC Muri hatte keine Chance beim 11:0-Sieg der Hopper. Die nächsten Spiele werden am 1. Juli ausgetragen, dann trifft GC wieder auf den BSC Muri und die Winti Panthers II. Dann werden auch Ott, Spaccarotella und Stankovic von ihren Länderspieleinsätzen (dieses Wochenende) in Baku (Aserbeidschan) am Euro League-Event gegen Ukraine, Italien und Deutschland wieder zurück sein.

Aufbruch auch beim Damen-Team

Die GC Sand-Damen kannten nur den Erfolg und haben eigentlich immer „oben mitgespielt“. Vor zwei Jahren wurden sie Meister, Cupsieger und Champions League-Gewinner. Dann legten sie in der letzten Saison eine „Erfolgspause“ ein, wollen aber jetzt, obwohl einige gewichtige Abgänge (u.a. die Torgarantinnen der letzten Saisons Pascale Küfer Und Liz Easman) kompensiert und das neu formierte Team sich erst finden muss, wieder vorne angreifen: «Vielleicht müssen wir ein Aufbaujahr in Kauf nehmen, weil doch einige neue Spielerinnen integriert werden müssen», so Hug. Unterstützung wird das Team aber sicher von der Rückkehrerin, der erfahrenen Rahel Lattmann bekommen, die vor ihrer Babypause schon etliche Jahre eine wesentliche Rolle im GC Team gespielt hat. Und neu wird das Team von der Trainerin Cornelia Hug, selbst langjährige Fussballerin und Beach-Soccer-Spielerin, geführt. Hug musste nach zwei Knieoperationen (eine dritte steht an), ihre geliebte Aktivkarriere aufgeben. «Die Belastung durch drei, vier Trainings und die Spiele pro Woche gehen nicht spurlos an einem vorüber. In der Jugend steckt man das weg, ignoriert auch Schmerzen, vernachlässigt die Regeneration, was sich dann später aber rächen kann», stellt Cornelia Hug fest, sie, die über Jahre sowohl Fussball und parallel auch Beach Soccer gespielt hat. Zwei Sportarten mit sehr unterschiedlicher Beanspruchung des Körpers. Trotz aller «Breschte» sagt Hug aber auch: «Mir macht Beach Soccer aber noch zu viel Spass, geniesse zu sehr die Teamgemeinschaft, als dass ich mich zum jetzigen Zeitpunkt gänzlich zurückziehen könnte», so die langjährige Nati-Spielerin. Letzte Saison war sie auf dem Platz, aber daneben auch schon als Trainer-Assistentin tätig. «Spielertrainer passt mir nicht, als Team-Verantwortliche muss man das Ganze im Blick haben, was während eines Spiels nur von ausserhalb des Platzes möglich ist. Diese neue Funktion macht mir Spass, ich sehe, dass meine Inputs angenommen werden, dass wir uns als Team entwickelt haben, sowohl spielerisch wie taktisch. In der Organisation werde ich von der Spielerin Susanne Stutz unterstützt. Aber ich kann auch von den Spielerinnen viel profitieren», erzählt Cornelia Hug, die einen 80-Prozent-Job im kaufmännischen Bereich ausübt und wöchentlich während einem Tag in einer Schreinerei ihrem weiteren Hobby, dem Bau von Möbeln nachgeht. «Ich war schon immer gerne kreativ».

Während des Gesprächs vor dem Training musste Cornelia Hug immer wieder zum Handy greifen und versuchen, jemanden des Herren-Teams zu erreichen, der die für das Training nötigen Bälle bringen könnte. Schliesslich hatten die «Jungs» die Arbeitsgeräte nach dem letzten Training mit nach Hause genommen. Hug’s Effort hatte Erfolg, nach dem Einlaufen konnte tatsächlich auch mit dem Ball trainiert werden.

Der Einstieg in die laufende Saison ist dank gewonnener sechs Punkte (Siege gegen BSC Chargers Baselland (3:0) und BSC Sablun Bern 6:4) geglückt und macht Hoffnung für die Zukunft.

Eugen Desiderato