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GC Landhockey | 24.09.2021

«DEN ERSTEN HOCKEYSCHLÄGER BEKAM ICH ZUR GEBURT»

Für Tanja Landtwing gab es immer nur diese eine Leidenschaft: Landhockey. Sie ist gefühlt schon ihr ganzes Leben Clubmitglied und inzwischen auch in der Nationalmannschaft sehr erfolgreich. Was die 19-Jährige in der Zukunft noch vorhat und was ihr an der Rolle als Goalie besonders gefällt, verrät sie im Interview.

GC INSIDER: Tanja, was bedeutet Hockey für dich?

Tanja Landtwing: Hockey bedeutet für mich Leidenschaft, Stolz und Teamgeist.


Trotz deines jungen Alters spielst du schon 15 Jahre Landhockey. Wie ist es dazu gekommen?

Das stimmt. Ich bin seit meinem 4. Geburtstag Mitglied im Club. Mit dem Landhockey bin ich aber sogar noch viel früher in Kontakt gekommen. Das liegt vor allem daran, dass sich meine gesamte Familie dem Hockeysport verschrieben hat. Da war es naheliegend, dass ich zur Geburt bereits meinen ersten Hockey-Schläger geschenkt bekommen habe.


Das heisst, du konntest bereits Hockey spielen noch bevor zu richtig laufen konntest?

Ja, das könnte man fast sagen (lacht). Mein Vater hat lange bei den GC Herren und danach im Senioren-Team gespielt. Ich war, seit ich mich erinnern kann, immer bei den Matchs dabei und bin da sozusagen reingewachsen. Mit vier Jahren durfte ich dann endlich auch selbst auf dem Platz stehen. Dabei ging es aber in erster Linie um den Spass und darum, sich mit dem Schläger in der Hand zu bewegen. Da es zu der Zeit kein Team in meiner Altersklasse gab, durfte ich direkt in der U11 mitspielen. 2008 habe ich meine erste Medaille gewonnen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Mannschaft, welches ich damals gespürt habe, ist mir bis heute geblieben.


Hast du nie mit einer anderen Sportart geliebäugelt?

Nein, es gab tatsächlich nie eine andere Sportart, die ich mit derselben Leidenschaft verfolgt habe. Mit meinen Freunden spiele ich aber auch gerne Unihockey und Fussball und gehe auch gerne mal joggen, was man ab einem gewissen Niveau auch tun muss, um fitnessmässig mithalten zu können.


Den Sport hast Du also nie gewechselt. Hast Du auch immer auf der gleichen Position gespielt?

Angefangen habe ich als Spielerin auf dem Feld. Mit 9 Jahren bin ich zum ersten Mal als Goalie aufgelaufen. Eigentlich wäre ich gerne schon früher ins Goal gegangen, ich war jedoch bis zu diesem Zeitpunkt immer zu klein für die Ausrüstung (lacht). Nach meiner ersten Goalie-Erfahrung wechselte ich kurzzeitig nochmals auf das Feld, denn die Goals selbst zu schiessen, das hat auch seinen Reiz. Als später dann wieder ein Goalie gesucht wurde, ist meine Entscheidung gefallen. Seitdem stehe ich sowohl im Club als auch in der Nati als Goalie im Einsatz.  


Das ist auch eine Verantwortung. Was gefällt Dir daran, Goalie zu sein?

Was mir besonders gefällt, ist der Fakt, dass ich als Goalie sowohl Einzel- als auch Teamsportlerin bin. Ausserdem habe ich von meiner Position aus den Überblick über das gesamte Spielfeld. Ich freue mich immer, wenn der Ball auf mich zukommt, dann bin ich zu 100% präsent.


Um so gut zu werden, braucht es viel Training. Wie oft trainierst du in der Woche?

Ich trainiere so 3 bis 4 mal pro Woche. Am Montag haben wir Training mit der Nationalmannschaft. Am Mittwoch trainiere ich im Club und freitags ist jeweils Goalie-Training. Manchmal trainieren wir auch am Samstag, wenn am Sonntag kein Spiel stattfindet. Dazu kommen Krafttrainings, die ich selbstständig oder mit dem Team absolviere.


Wie läuft ein typisches Training ab?

Das Training beginnt mit der sogenannten «Laufschule». Das ist eigentlich eine Aufwärmrunde, bei der wir verschiedene Laufwege trainieren und uns dehnen. Sobald ich meine Ausrüstung angezogen habe, geht es weiter mit einer Torschussübung. Im Anschluss geht es dann um das Aufbauspiel und verschiedene Spieltaktiken. Zum Ende jedes Trainings gibt es einen kleinen Match. So können wir die neuen Spielzüge direkt im Spiel ausprobieren.


Seit 2015 bist du im Kader der Nationalmannschaft. Anfang August warst du mit der Nationalmannschaft und deinen GC-Kolleginnen Nathanja Verburg und Dorine von Overbeck an der Europameisterschaft in Slowenien. Dort habt ihr die Silbermedaille gewonnen. Gratulation! Was war dein «Magic Moment»?

Es war meine erste EM, die ich als erster Goalie bestreiten durfte. Besonders geblieben ist mir die gute Stimmung im Team. Mein Gänsehaut-Moment war jedoch, als die Sirene im Halbfinale ertönte: Da hatten wir Gewissheit, dass wir eines der zwei Teams sind, die in eine höhere Division aufsteigen. Hinzu kam die Freude, im Finale zu stehen. Für mich war es eine grosse Ehre an der Damen EM im Finale im Tor stehen zu dürfen. Leider haben wir den Turniersieg knapp verpasst. Ich bin aber sehr stolz auf unsere Team-Leistung und freue mich auf die U21-EM, die im Dezember in Olten stattfinden wird.


Das nächste Turnier steht also bereits an. Hast du dir noch andere sportliche Ziele gesteckt, die du unbedingt erreichen möchtest?

Das Club-Highlight haben wir gerade hinter uns. Gemeinsam mit den Männern sind wir nach Paris gereist, um dort an einem Vorbereitungsturnier teilzunehmen. Am meisten freue ich mich jetzt auf den Saisonauftakt. Ich hoffe auf einen guten Saisonverlauf und dass wir im Frühling unter den «Final-Four» um eine Medaille spielen können. Das oberste Ziel bleibt aber, stets mein Bestes für das Team und den Club zu geben.

 

Interview/Text: Viviana Petrone