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GC Eishockey | 22.11.2019

EISHOCKEY | PASCAL HUNGERBÜHLER – UNPARTEIISCH AUS LEIDENSCHAFT

Rund 80 Head-Schiedsrichter und Linesmen sorgen für den reibungslosen Meisterschaftsbetrieb der beiden höchsten Eishockey-Ligen der Schweiz. Einer von ihnen ist Pascal Hungerbühler (34), selber Mitglied bei den Grasshoppern, der es versteht, zwei anforderungsreiche Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen. Denn er ist nicht nur Spitzen-Schiedsrichter, sondern auch Leiter einer juristischen Abteilung eines international tätigen IT-Unternehmens.

Seine Premiere als Head in der National League liegt rund zwei Monate zurück, als er in Rapperswil die Partie gegen Langnau leitete. „Mein Ziel, das Spiel problemlos über die Zeit zu bringen, habe ich erreicht. Heikle Entscheide musste ich in diesem verhältnismässig reibungslos verlaufenden Spiel keine fällen. Am Anfang war mein Fokus auf mich selbst gerichtet - ist es doch ein Unterschied Spiele der obersten Liga zu leiten, allein schon bezüglich des Tempos.“ Der zweite Einsatz in der National League folgte schon drei Tage später und wurde für Pascal Hungerbühler zu einem emotionalen Highlight: „Ich pfiff im Hallenstadion das Spiel der ZSC Lions gegen den EHC Biel, vor rund 10‘000 Zuschauern.“ Pascal Hungerbühler widerstand dem Druck, auch dem Pfeifkonzert der ZSC Fans, als er gegen deren Lieblinge einen Penalty pfiff. „Die Wiederholung der Szene auf dem Videowürfel unter dem Hallendach trug nicht sofort zur Beruhigung bei, aber sie bestätigte die Richtigkeit meines Entscheids. Am Ende konnte ich mit meiner Leistung zufrieden sein“, bilanziert Pascal Hungerbühler. „Es war ein schöner Moment, nach 15 Jahren der Schiedsrichterei ein persönliches Ziel erreicht zu haben. Auf solche Erlebnisse freue ich mich bereits heute.“

Am Anfang war viel Aufwand der Eltern nötig

Pascal Hungerbühler ist in Zürich-Wollishofen aufgewachsen. Als er im Winter 1992 mit seinen Eltern auf dem Dolder Schlittschuhlaufen war, weckten auf dem Nebenfeld Hockey spielende Kids seine Aufmerksamkeit. Seine Eltern bemerkten das Interesse und erkundigten sich, ob nicht auch ihr Sohn einen Mannschaftssport ausüben möchte. Pascal Hungerbühler meldete sich bei GC Eishockey an und wurde ermutigt, sofort zu beginnen. Dieser Entscheid forderte natürlich auch seine Eltern, mussten sie doch von Wollishofen „durch die ganze Stadt“ zum Dolder und später auf die KEK den Transport übernehmen. Aber ihr Einsatz lohnte sich. Pascal Hungerbühler durchlief in der Folge sämtliche GC Junioren-Stufen bis zur Elite B. Machte daneben die Matura und schloss später ein Jura-Studium ab. Er spielte beim SC Küsnacht in der 2. und beim GC in der 3. Liga. Bis heute steht er bei den GC Senioren als Spieler auf dem Eis.

Unparteiischer aus Leidenschaft

Daneben widmete er sich immer der Schiedsrichterei. Schon als 12-Jähriger, als er bei den Bambini erstmals als Schiedsrichter eingesetzt worden war, fand er Gefallen an dieser Tätigkeit. Die Folge war, dass er die verschiedensten Ausbildungen im Schiedsrichterwesen absolvierte und Leistungsstufe um Leistungsstufe aufstieg. „Dabei konzentrierte ich mich lange auf das Hockeyspielen. Das änderte sich erst ca. im 25. Altersjahr. Aus heutiger Sicht schade, dass dies nicht schon früher geschah – wer weiss wo ich heute stünde?“ Dennoch, Pascal Hungerbühler ist Unparteiischer aus Leidenschaft, der hierfür nicht nur viel investiert, sondern auch Entbehrungen in Kauf nimmt. „Für einen Schiri ist sehr wichtig, dass er bei den Einsätzen voll bei der Sache ist und mit dem Druck umgehen kann. Dank acht Fernsehkameras ist die Öffentlichkeit immer dabei, man ist unter ständiger Kontrolle. Das hat aber auch den Vorteil, dass man sich selbst kontrollieren und weiterentwickeln kann, nicht zuletzt im Austausch mit den Kollegen. Uns steht eine Plattform zur Verfügung, auf der die bewegten Bilder aller Leistungssport-Spiele abgerufen, ausgewertet und Szenen zusammengestellt werden können. Ein tolles Tool zur persönlichen Weiterbildung.“

Ein Schiedsrichter der obersten Ligen kann mit durchschnittlich zehn Einsätzen pro Monat rechnen, was einem rund siebzigstündigen Aufwand (Anreise, Vorbereitung, Spiel, administrative Arbeiten etc.) entspricht. Nicht eingeschlossen sind die persönlichen Aufwendungen, zum Beispiel für Video-Studium, Training etc., sowie das obligatorische viertägige Vor-Saison-Trainingslager und Vorbereitungs-Spiele und -Turniere. Auch für die persönliche körperliche Fitness muss er Zeit aufwenden, „schliesslich müssen wir mit den Spielern Schritt halten“, betont Pascal Hungerbühler.

Für eishockey-fremde Hobbys bleibt kaum Raum. Als Mitglied der Ostschweizer Schiedsrichterkommission leitet er die lokale Talenterfassung und beteiligt sich an der Weiterbildung junger Schiri-Kollegen.

All dies mit der beruflichen Tätigkeit in Einklang zu bringen, erfordert einen besonderen Effort. Besonders im Fall von Pascal Hungerbühler, der die 35-köpfige Rechts-Abteilung eines international tätigen Unternehmens mit rund 6‘000 Mitarbeitern führt. Weil er in Vollzeit angestellt ist, muss er Ausfallzeiten abends und an Wochenenden kompensieren. „Dabei muss ich immer genügend Ruhezeiten im Auge behalten.“ Pascal Hungerbühler bringt aber, auch dank eines verständnisvollen Arbeitgebers und tollen Mitarbeitern alles auf die Reihe, auch seine oftmals im Ausland geforderte Präsenz. Er will so lange wie möglich die beiden anspruchsvollen Tätigkeiten hundertprozentig erfüllen, weil sowohl der Hauptberuf als auch die Schiedsrichterei seine Leidenschaft sind.

Eugen Desiderato