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GC Fussball | 29.03.2019

FUSSBALL | AUFBRUCH I

Nach dem überraschenden Rücktritt von Stephan Anliker (er bleibt Ankeraktionär) als Verwaltungsrats-Präsident der Grasshopper Fussball AG hat sich nur drei Tage später sein Nachfolger Dr. Stephan Rietiker vorgestellt. Der vor allem im Bereich Medizinaltechnik erfahrene Unternehmer, Verwaltungsrat und CEO ist seit längeren Jahren Mitglied des GC Donnerstag Club. Er hat den Ligaerhalt als vorrangiges Ziel ausgerufen.

Der designierte Verwaltungsrats-Präsident der Grasshopper Fussball AG, Dr. Stephan Rietiker (62) hat sein Amt sofort angetreten, obwohl er erst noch durch eine ausserordentliche Generalversammlung gewählt werden muss. Das ist allerdings nur Formsache, nachdem er doch von den beiden Hauptaktionären Peter Stüber und Stephan Anliker eingesetzt wurde und die Zusicherung hat, voll auf deren Unterstützung zählen zu können. „Das ist von zentraler Bedeutung, um als Verwaltungsrats-Präsident erfolgreich arbeiten zu können“, hält Stephan Rietiker an seiner ersten Pressekonferenz als „GC Kapitän“ fest. Er führt weiter aus, dass keine Zeit zu verlieren ist, alle Kräfte gebündelt werden müssen und das Ziel, die Sicherung der Ligazugehörigkeit fokussiert angegangen werden muss. Und er spricht als Arzt: „Der Patient GC liegt auf der Intensivstation, ich weiss aber auch, dass die meisten Patienten wieder gesund werden.“ Rietiker arbeitete nach dem Medizinstudium an der Universität Zürich während fünf Jahren im Triemli- und Uni-Spital, bevor er in die Wirtschaft wechselte. 

Auch in der Wirtschaft, vornehmlich im Bereich Medizinaltechnik tätig, hatte Stephan Rietiker mehrfach auch mit „Patienten“ zu tun, hierzulande und auch in den USA. "Ich habe einige Male Unternehmen übernommen, die entweder im Überlebenskampf oder sonst in einer schwierigen Situation steckten und bin dabei durch manches Stahlbad gegangen. Meine dadurch gewonnene Erfahrung zeigt mir aber, dass es praktisch keine Situation gibt, die nicht gemeistert werden kann“, strahlt Rietiker Zuversicht aus und sagt, dass er solche Herausforderungen liebt." Wohl deshalb hat er, seit gut 15 Jahren Mitglied des GC Donnerstag-Club, auch die vor knapp einem Monat an ihn gerichtete Anfrage, die Leitung der Grasshopper Fussball AG zu übernahmen, nach reiflicher Überlegung positiv beantwortet. Und dies in einer nicht einfachen Situation, oder wie es Stephan Rietiker formuliert: „Die Lage ist ernst.“

Rietiker hat sich am Donnerstag im GC/Campus der Mannschaft vorgestellt, mit dem Staff, den Spielern und den Mitarbeitenden Gespräche geführt und alle auf die nächste Zeit eingeschworen: „Alle müssen am selben Strick ziehen, das primäre Ziel zu erreichen.“ Der neue Chef will alle kennenlernen und auch motivieren. Und dann will er auch sofort den Dialog mit den Fans aufnehmen, aus der Überzeugung heraus, dass ein Club wie GC nicht auf engagierte und treue Fans verzichten kann. „Aber wir werden nicht akzeptieren, dass sich Einzelne "vergessen" und bezüglich Gewalt und Ausschreitungen verfolge ich eine Nulltoleranz.“ Er hält aber gleichzeitig fest, dass aus Fankreisen positive Signale vorliegen: "Ich werde mich persönlich ins Zeug legen, dass der Dialog wieder einwandfrei funktioniert“. 

Stephan Rietiker strebt eine klare, professionelle Führung im Bereich Sport und Finanzen an, wird aber für den Moment nicht alles auf den Kopf stellen: "Ich werde nicht aus der Hüfte schiessen, sondern die Situation rasch und sauber analysieren, Schlüsse ziehen und dann Aktionen einleiten.“ 

Baustellen gibt es genügend. Im Hinblick auf die neue Saison muss die Position des CEO wie auch des Sportchefs rasch besetzt werden. „Meiner Führungsphilosophie entspricht, dass der CEO für seine Mannschaft und sein Personal verantwortlich ist.“ Rietiker sagt über sich, kein Fussball-Experte zu sein, weshalb er geeignete Spezialisten an Bord holen wird, die den Grasshopper Club sportlich in die richtige Spur zurückführen können. Ein Team befasst sich bereits mit der Evaluation.

Aktuell aber geht‘s nur um das eine: GC muss in der Super League bleiben. Und Rietiker weiss: „Im Abstiegskampf geht auch vieles über den Kampf. Jeder, ob auf oder neben dem Feld muss sich reinhängen, fighten.“ Stephan Rietiker will voran gehen. Heute Sonntag wird er erstmals als VR-Präsident im Stadion Letzigrund sitzen und die Partie GC gegen FC Lugano verfolgen. Bleibt zu hoffen, dass sich das Team aus der Intensivstation spielt und (nicht nur) ihr neuer VR Präsident das Stadion mit einem besseren Gefühl verlassen kann.

Eugen Desiderato