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GC Fussball | 27.09.2019

FUSSBALL | EINE GC LEGENDE WURDE 75

Ein ganz Grosser des Fussballs feierte am 14. September seinen 75. Geburtstag. Noch einmal hat ihm, den „weissen Pelé“ wie ihn 1972 die Sportzeitung „Corriere dello Sport“ betitelte, die ganze (Fussball-) Welt gehuldigt. Die Medien listeten akribisch seine Erfolge und Eskapaden auf, sie verwiesen auf seine Erfolge auch neben dem Spielfeld als Manager, Geschäftsmann, TV Kommentator usw. In Mönchengladbach, seinem Heimatclub, wurde ihm eine Sonderausstellung gewidmet und in der Schweiz erinnerten sich die Grasshopper-Fans an die „gute alte Zeit“, als noch Stars wie er, Europameister 1972 und Weltmeister 1974, in den Reihen des Rekordmeisters standen und für Fussballspektakel sorgten. Auch wenn er mit den Grasshopper keinen Titel gewann und das Team in jener Saison hartes Brot zu kauen hatte, so hat er doch Spuren hinterlassen.

Nur beim GC ohne Titel

Günter Netzer, der lange Blonde, einer der besten Mittelfeldspieler, prägte mit den langen Pässen viele Spiele seiner Mannschaften. Bei seinem Jugendverein Mönchengladbach spielte er während zehn Jahren. Mit ihm stiegen die „Mönche“ 1965 von der Regional- in die Bundesliga auf, gewannen zwei Meistertitel und einen Cupsieg. Günter Netzer, der erste Fussball-Popstar Deutschlands, wurde in der Folge zweimal zu Deutschlands Fussballer des Jahres gewählt, bevor er 1973 zu Real Madrid wechselte. Auch dort trug er mit seinem Talent, mit seinen Leistungen 1975 und 1976 zum Meistertitel und 1974 und 1975 zum Cupsieg bei. Es folgte 1976 die kleine Sensation: Günter Netzer kam zu einer Zeit auf den Hardturm, da im GC Team (wieder einmal) einmal ein Umbruch anstand. Die Führung wurde dem neuen, mit besten Bundesliga-Referenzen ausgestatteten Trainer Helmuth Johannsen übertragen. Die Mannschaft musste neu aufgebaut werden, nachdem die Titelverwöhnten seit 1971 auf einen weiteren Erfolg warteten und zudem mit Grahn, Barberis und Santrac wertvolle Spieler zu ersetzen waren. Junge Talente wurden eingebaut und da brauchte es, um die Stabilität zu bekommen, auch einige erfahrene Spieler. Eben solche wie Günter Netzer. Karl Oberholzer, der langjährige geschäftsführende Präsident hatte den mit Rücktrittsgedanken schwanger gehenden Netzer in Madrid besucht und ihm ein Angebot unterbreitet. Dass er einem Weltstar überhaupt eine Offerte vorlegen konnte, war dem Umstand geschuldet, dass zu jener Zeit in dessen Umfeld noch genügend Geld locker gemacht wurde, um sich auch den einen und anderen Star leisten zu können. Der schlaue Fuchs Oberholzer machte dem auch als Lebemann (er liebte ein ausgefallenes Outfit, ebenso schnelle Autos, besass schon zu Mönchengladbachs Zeiten eine Discothek usw.) Netzer die Stadt Zürich und deren Vorzüge bekannt. Der „lange Blonde“ biss an: In der Saison 1976/77 trug er das GC Trikot. Sein Debüt gab er im Vorbereitungsspiel am 31. Juli 1976 gegen die Offenbacher Kickers. Dann, zum Saisonbeginn im August gegen YB lockte er 25’000 Zuschauer ins Stadion, zum Leidwesen des GC Kassiers fand dieses Spiel nicht im Zürcher Stadion Hardturm, sondern im Wankdorf statt. Aber die Fussballschweiz war heiss auf den Star, der dann im Verlaufe der Saison wegen verschiedener Verletzungen im Herbst seines Fussballer-Jahres leider nur zu 26 Einsätzen kam, in denen er drei Treffer erzielte. Und die Grasshopper machten in jener Saison der Konsolidierung in der Schlussphase noch bange Zeiten um die Teilnahmeberechtigung bei der Meisterpoule durch. Im mindesten war der sechste Tabellenrang erforderlich, um den GC und Lausanne-Sport wetteiferten. Am Ende waren beide Teams punktgleich, sodass die Tordifferenz entscheiden musste. Dieser Vorteil lag bei den Grasshopper, die schliesslich die Saison auf dem vierten Schlussrang beendeten. Dazu beigetragen haben neben Netzer u.a. so bekannte Spieler wie Berbig, Gross, Th. Niggl, Richi Bauer, Wehrli, Ponte, Bigi Meyer, Sulser.

Erfolgreich auch neben dem Spielfeld

Ein Jahr später gewannen die Grasshopper ihren 17. Meistertitel. Günter Netzer war da aber nicht mehr dabei, er hatte beim GC seine Aktivkarriere beendet und den Managerposten in Hamburg, beim HSV übernommen. Aber Netzer kann für sich in Anspruch nehmen, die seitens der GC Führung in ihn gesetzten Erwartungen ganz und gar erfüllt zu haben. Der Star stellte sich ohne Allüren in den Dienst des Teams, war immer darauf bedacht, die jungen Spieler weiter zu bringen, zu formen. Günter Netzer fühlte sich im Team und neben dem Fussballplatz in Zürich sehr wohl, sodass er Jahre später entschied, an die Limmatstadt zurück zu kehren. Auch heute noch geniesst er zusammen mit seiner Gattin das Leben am Zürichsee. Abgesehen von ein paar Abnützungserscheinungen erfreut er sich guter Gesundheit. Dass dies so bleiben möge, wünscht ihm herzlich zum „runden Geburtstag“, etwas verspätet zwar, aber nicht minder herzlich, die Grasshopper Familie.

Eugen Desiderato