Menu
GC Fussball | 23.10.2020

FUSSBALL | GC DEREINST AM ZÜRCHER FILMFESTIVAL?

Freude und Enttäuschung liegen oft nahe beieinander. So auch beim neuen Direktor des Zürcher Filmfestivals, Christian Jungen. Freude hatte er nach der trotz Corona-Pandemie erfolgreichen Durchführung des Zürcher Filmfestivals. Enttäuscht war er hingegen vom Fall seines Lieblingsclubs GC in die fussballerische Zweitklassigkeit.

Seine "grösste persönliche Niederlage", wie Christian Jungen dem Magazin der "NZZ am Sonntag" verriet, musste er anlässlich des Abstiegs seines Herzensclubs GC in die Challenge League hinnehmen. Dabei hatte er absolut keinen Einfluss auf diese Entwicklung, denn von der Tribüne aus wurden noch selten Siege errungen. Aber Jungens Einschätzung verdeutlicht seine emotionale Bindung zu "seinem Klub". Da bleibt nur zu hoffen, dass der positive Start vom Team weiter geführt und der Wiederaufstieg angestrebt wird.

Das 16. ZFF war angesichts der Pandemie (68'000 Besucher) ein grosser Erfolg, auch dank eines guten Schutzkonzepts. Christian Jungen hat seine Feuertaufe als Festival-Direktor bestanden. Dank seinem Mut zur Durchführung gehören nicht nur die Siegerfilme, sondern eine ganze Branche zu den Gewinnern.

Jungen studierte italienische Sprach- und Literaturwissenschaft, Geschichte und Filmwissenschaft an der Universität Zürich und promovierte 2006 in Filmwissenschaft mit einer Dissertation über das Verhältnis von Hollywood und dem Filmfestival Cannes. Später war Jungen Filmredaktor der NZZ am Sonntag sowie Redaktionsleiter der Filmzeitschrift Frame, war während sechs Jahren Präsident des Schweizerischen Verbandes der Filmjournalisten. Für die Berufung zum Direktor des Zürcher Filmfestivals gab er seine Stelle als Kulturchef der «NZZ am Sonntag» auf.

Es begann bei einem Cupspiel in Winterthur

Seine Liebe zum GC hat Christian Jungen aber nicht aufgegeben. Obwohl Vater Jungen als Sulzer-Fabrikarbeiter von seinem Arbeitgeber jeweils eine Saisonkarte für die Schützenwiese bekam, schlägt das Herz seines Sohnes für die Blau-Weissen. "Anfang der achtziger Jahre habe ich an der Seite meines Vaters auf der Schützi ein Cupspiel gesehen, das GC zwar verloren hat. Weil mir aber die Stimmung und vor allem die blau-weissen Traditionstrikots gefielen, wurde ich GC Fan", blickt Jungen zurück, der sich auch noch bestens an seinen ersten Besuch im Stadion Hardturm erinnert: "Es war 1984, ein Derby gegen den FCZ, das GC gewonnen hat. Es herrschte eine phantastische Stimmung. Heinz Hermann, Kurt Jara und Andy Egli waren die grossen Spieler, kaum einer trug Schienbeinschoner...". In späteren Jahren avancierten Ricardo Cabanas und Richard Nuñez zu seinen Lieblingsspielern. Mit dem Wechsel ins Stadion Letzigrund nahm seine Begeisterung für den Besuch von Heimspielen ab: "Seither gehe ich fast lieber an Auswärtsspiele, die in einem richtigen Fussballstadien stattfinden", stellt Christian Jungen fest. Der "schleichende" und schliesslich definitive Abstieg seines Herzensclub setzte ihm zu, "ich habe gelitten, denn lange Zeit war ich überzeugt, dass mein ehemaliger Schulkollege Uli Forte das Blatt noch wenden könnte. Aber zu viele Köche verdarben den Brei. Nun bin ich aber zuversichtlich, dass wir in dieser Saison den Aufstieg schaffen, allerdings muss sich das Team noch finden und stilsicherer werden. Ich werde, sofern es zeitlich möglich ist, jedenfalls vom Sektor C21 aus das Team bei diesem Unterfangen unterstützen."

Im Investoren-Wechsel sieht Christian Jungen Positives: "Wenn die neuen Investoren Erfolg bringen, sage ich danke, würde mir aber schon wünschen, dass die neuen Besitzer sich dann auch mal zeigen. Der Einladung zum Zürcher Filmfestival, was eine schöne Möglichkeit für einen Auftritt in einem anderen Rampenlicht gewesen wäre, konnten sie wegen der geltenden Einreisebeschränkungen leider nicht Folge leisten."

Christian Jungen würde sich auch wünschen, dass GC Fussball die Tradition mehr betonen und auf Identifikationsfiguren setzen würde, die bei den Fans eine «street credibility» geniessen. "Jedes Jahr eine neue Multikulti-Truppe ohne Bezug zu Zürich zusammenzuwürfeln, schadet uns", hält er fest und fügt seinen Wunsch an, dass der Club in der Stadt Zürich wieder präsenter ist. Auch zu den Fan-Artikeln hat er klare Vorstellungen: "Ich wünschte mir eine klassischere Variante - zum Beispiel mit dem Heugümper und den zwei goldenen Sternen..."

Die Abschlussfrage an "Mister Film" Christian Jungen: Gäbe es dereinst eine Doku über „Aufstieg, Fall und Aufstieg des GC“, würden Sie sie ins Programm des ZFF aufnehmen? "Wenn die Qualität stimmt: auf jeden Fall!"

Eugen Desiderato