Menu
GC Fussball | 23.11.2018

FUSSBALL | "PIPPO" BOWALD FORMT TALENTE

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Grasshopper Fussball AG der Nachwuchsausbildung höchste Priorität beimisst, was sich auch in der Mitarbeiter-Rekrutierung niederschlägt. Im Bereich Goalie-Ausbildung zum Beispiel war der verantwortliche Trainer Christoph Born nicht nur Erstliga-Torhüter, sondern studierte auch Sport an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Und auch sein für die Nachwuchs-Goalies verantwortlicher Mitarbeiter Philipp Bowald stand in der 1. Liga im Tor, erlang den Bachelor in Sportwissenschaften an der Uni Basel und schloss das „Master im Spitzensport“-Studium an der Eidgenössischen Hochschule Magglingen erfolgreich ab. Seit nunmehr drei Saisons ist er für die Ausbildung der GC Nachwuchs-Torhüter zuständig.

Philipp Bowald, genannt Pippo, gehörte nicht zu jener Kategorie Kids, die sich auf dem Fussballfeld ungeschickt anstellten und deshalb von den Kollegen ins Tor beordert wurden. Er war von der Goalietätigkeit schon als Sechsjähriger fasziniert, allerdings hielt er von einer Vereinszugehörigkeit in jenen Jahren nicht viel. Aber bei Schulveranstaltungen stellte er sich sowohl im Fussball als auch im Handball mit Freude ins Tor. Als sich dann eines Tages der Goalie des Fussballteams seines Kollegen verletzte und kein Ersatz vorhanden war, wurde er gebeten, diese Position zu übernehmen. Er liess sich erweichen. Da zählte er acht Lenze. Pippo Bowald blieb in der Folge zwischen den Pfosten, durchlief die Juniorenabteilung des SC Kriens und qualifizierte sich für das Fanionteam, damals in der Challenge League und in der 1. Liga. „Für ganz nach oben reichte es mir nicht“, also legte ich das Schwergewicht auf die Ausbildung“, blickt Philipp Bowald zurück. Nach der Matura 2008 begann er in Basel ein Sportwissenschaften-Studium und war Torhüter beim SC Cham in der 1. Liga. Seinem ursprünglichen Verein blieb er aber insofern treu, als er dort in Teilzeit die Ausbildung der Goalies übernahm, nachdem er schon während des Kanti-Besuchs erste Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hatte. In dieser Phase entwickelte sich auch der Gedanke, sich in der Torhüter-Ausbildung zu etablieren. Er schloss den Master-Studiengang im Spitzensport, Schwerpunkt medizinischer Bereich mit der Arbeit „Physisches Anforderungsprofil für Goalies auf der Stufe U18 in der Schweiz“ ab. Anschliessend wechselte er dann zum FC Luzern als Goalietrainer und absolvierte beim Schweizerischen Fussballverband ein Praktikum. Eigentlich hätten ihn auch weiterführende Studien im sportwissenschaftlichen Bereich interessiert, Pippo Bowald blieb aber in der Praxis hängen. Dem persönlichen Kontakt mit Christoph Born ist es schliesslich zuzuschreiben, dass Philipp Born vor drei Saisons zur Grasshopper Fussball AG wechselte. „Hier hat man eine Vollzeitstelle geschaffen, die mich natürlich sehr interessierte. GC hat ein interessantes Einzugsgebiet und ist ein ambitionierter Fussballverein.“ 

Philipp Bowald könnte mit seinen 30 Lenzen noch heute aktiv im Tor stehen („Manchmal reizt es mich schon...“), widmet sich aber mit Haut und Haar der Nachwuchs-Goalie-Ausbildung. So entstand unter seiner Führung auch ein verfeinertes Scouting-System für Goalies, das auf verschiedenen Elementen basiert. Einem ersten Kontakt mit interessierten Kids dient der Besuch eines zweimal jährlich während der Sommer- bzw. Herbst-Ferien durchgeführten 90-minütigen Sichtungstrainings, oder eines der Kids Camps (dieses Jahr für die Jahrgänge 2005 bis 2012), bei denen spezielle Einheiten für Goalies angeboten werden. Diese Veranstaltungen stehen grundsätzlich allen Interessenten offen, wobei sich von selbst versteht, dass zur Teilnahme eine vom Stammklub unterzeichnete schriftliche Bewilligung zur Teilnahme vorliegen muss. Torhüter, die hervorstechen werden sich zusätzlich während eines Talenttages den verantwortlichen GC Trainern präsentieren können, bevor sie allenfalls in einem weiteren Schritt zu einem Spezial-Training eingeladen, oder auch - nach Absprache mit dem Stammclub - während einer oder zwei Wochen beim Einsatz in einem GC Junioren-Team beobachtet werden. Als weiteres Scouting-Element ist auch eine Keeper School in Vorbereitung. Mit diesen Sichtungen werden verschiedene Ziele verfolgt. So sollen die GC Trainer ein möglichst umfassendes Gesamtbild der Fähigkeiten der Kids, zum Beispiel im technisch-taktischen Bereich, bezüglich Persönlichkeit, dem Auftreten, auch über das Entwicklungspotenzial etc erhalten. Zudem soll erreicht werden, dass später ab dem Alter U11 talentierte Goalies sowohl im Spitzen- als auch im Breiten-Fussball das Niveau in der Gesamtbreite anheben. Dieses Auswahlverfahren mit begleitender partieller Ausbildung kann in jedem Fall für die Interessenten gewinnbringend sein.

Philipp Bowald hat sich als Innerschweizer in der Zwischenzeit in Zürich sehr gut eingelebt. Zusammen mit seiner Gattin und einem Töchterchen wohnt er in Höngg und wird „am 25. November ein „dickes JA“ in der Stadion-Abstimmung in die Urne legen“, Zitat Bowald.

Eugen Desiderato