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GC Fussball | 25.10.2019

FUSSBALL | SPORTLICH ORDENTLICH, ZUKUNFT OFFEN

Fredy Bickel ist seit Anfang Oktober im Amt des Geschäftsführers der GC-Fussballer. Trainer Uli Forte steht mit seiner Mannschaft gut da – allerdings eben nur in der Challenge League. Und Andràs Gurovits, der zurzeit einzige Verwaltungsrat, führt intensiv Gespräche, die für die Zukunft des Klubs noch wichtiger sind als die aktuellen sportlichen Leistungen. In diesen Tagen legten die drei eines Nachmittags im GC/Campus ihre Sicht zur Lage von GC dar.

Fredy Bickel, der Rückkehrer, erhielt von der Mannschaft gleichsam ein Präsent, kaum war er im Amt: Ein paar Tage nach seinem offiziellen Arbeitsbeginn in Niederhasli erhielt er die bisher beste Saisonleistung in der Liga geboten – das 3:0 gegen den FC Wil des Trainers Ciri Sforza. „Erstmals zeigte die Mannschaft ihr Potenzial über 90 Minuten“, sagte Bickel danach. Und er sagt auch ein paar Wochen danach, dass die Grasshopper dieses Herbsts eine Mannschaft „aus Spielern mit viel Potenzial“ sei.

"Es wird sportlich schwierig"

So sieht er es auch heute noch, obwohl der Tabellenführer Lausanne-Sport heisst und die Waadtländer auch aus Sicht Bickels „die beste Mannschaft der Liga“ sind. Es werde also „sportlich sehr schwierig“, schon nach einer Saison in der Challenge League wieder in die Elite zurückzukehren. Der Verein hat es ja schon vor der Saison vermieden, den sofortigen Aufstieg als Ziel ausdrücklich zu formulieren. Aber natürlich sagt Bickel, in verständlicher Zurückhaltung zum Thema Aufstieg: „Er würde schon vieles erleichtern.“ Man darf das sehr wohl so interpretieren: Als Mannschaft aus der Super League wäre GC in jeder Beziehung attraktiver – nicht zuletzt für Geldgeber. Und je länger der Klub zweitklassig ist desto schwieriger dürfte es für ihn werden, die Fussball- und Geschäftswelt von sich zu überzeugen.

Fundament festigen

Bickel selbst fühlt sich allerdings wohl im GC/Campus, den es natürlich noch nicht gab, als er seine ersten Berufsjahre bei GC verbrachte. Er fühlt sich gut empfangen. Auch von da und dort kolportierten, durch die Vergangenheit bedingte Irritationen in der Zusammenarbeit mit Forte sei nichts zu spüren – sagt Bickel, bestätigt der Trainer. Aber das Arbeitsfeld des Geschäftsführers, der auf administrativer, aber – gleichsam als Sportchef – auch auf sportlicher Ebene führen soll, ist weit. Von morgens um acht bis spätabends um elf daure sein Arbeitstag. Er müsse, sagt er, zuerst für die Administration „das Fundament festigen, bevor das Sportliche in den Vordergrund rückt.“ Denn es gab im GC/Campus sehr viele Abgänge, die seien wettzumachen. Und es sei „schon jeder Spieler mal da gewesen“ und habe vorgesprochen in persönlichen Fragen, die zu klären seien. Ob es nun um eine Wohnung ging oder finanzielle Fragen.

Er hat sich auch mit Stefan Anliker, dem einen Aktionär, „schon mehrmals ausgetauscht“. Er hat Peter Stüber, den andern, „kennengelernt.“ Und ein wenig erinnert ihn die Lage an jene, als er vor zwei Jahrzehnten bei den Young Boys in der damaligen Nationalliga B antrat und – schliesslich erfolgreich – durch schwierige Zeiten ging. Bei YB sei das Schlimmste insofern überstanden gewesen, sagt Bickel, weil man das neue Stadion schon wachsen sah. In Zürich ist das, noch immer, nicht der Fall. Man kann es wohl so vergleichen: Zu den Young Boys kam Bickel, als diese schon in der Reha waren; GC aber fand er gleichsam auf der Intensivstation.

Ruhe eingekehrt

Uli Forte, Bickels Partner fürs Sportliche, sagt: „Es ist bei GC schon ruhiger als noch vor einem halben Jahr“ – als die Zukunft des Vereins, wie es Verwaltungsrat Gurovits noch heute sagt, „an einem dünnen Faden hing.“ Mit Forte, der ja schon den FC St. Gallen und vor drei Jahren den FCZ in die Super League zurückführte, ist in erster Linie übers Sportliche zu reden. Mit dessen Entwicklung ist er offensichtlich zufrieden: „Meine Erwartungen wurden sogar übertroffen“, sagt er. „Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach elf Runden Zweiter sind, hätte ich sofort unterschrieben.“ Vielleicht redet er auch so, weil er die Erwartungen nicht weiter schüren will.

Denn wenn es nun um Platz 1, also um den direkten Aufstieg gehe, „kommt es nicht zuletzt auf die Entwicklung von Lausanne an“, sagt Forte. Mit andern Worten: Spielt Lausanne so weiter, nutzt es seine Finanzkraft allenfalls auch noch zu guten Verstärkungen – dann kommt der direkte Aufsteiger aus der Waadt. Natürlich könnte man sich auch bei GC den einen oder andern Wintertransfer überlegen. Aber? „Als Trainer will man das immer“, sagt Forte. Bickel dagegen formuliert es so: „Der Stand heute ist, dass im Winter keine Transfers vorgesehen sind.“

Verschiedene "Baustellen"

Aber eben, wie es für Geschäftsführer und Trainer nur schon in der Winterpause weitergeht, hängt vor allem  davon ab, was in nächster Zeit Gurovits erreicht – genau genommen: bis Anfang März, wenn die Lizenz für die neue Saison eingereicht werden muss. Gurovits sprach an diesem Nachmittag im GC/Campus von „drei Baustellen“. Deren Zustand ist unterschiedlich. Auf der ersten „läufts“, auf dem operativen Sektor, mit der 1. Mannschaft, nach der Verpflichtung Bickels und in der Administration.

„Kein Zustand“ sei dagegen eigentlich, formuliert es Gurovits, wie es bei der zweiten stehe, dem Verwaltungsrat. Auch nach der letzten GV Anfang Oktober ist er der einzige Verwaltungsrat, eine Erweiterung glückte (noch) nicht. „Diese Baustelle ist also offen.“

Verhaltener Optimismus

Und die dritte ist die problematischste, denn da geht es um die Finanzierung der Zukunft, um die Besitzverhältnisse. Garantiert ist der Betrieb bis Ende Saison, mit einem Defizit von sechs bis sechseinhalb Millionen Franken. Was die Zukunft darüber hinaus betrifft, führt Gurovits Gespräche. Am Ende soll die gewählte Lösung die „nachhaltigste“ sein – ob es dann ein Kauf durch Ausländer oder eine, wie er es formuliert, „Zürcher Lösung“ sei. Gurovits redet von Gesprächen auch mit ausländischen Interessenten, die „nachhaltiger“ wirkten als auch schon. Bei einer „Zürcher Lösung“ würde es sich wohl um verschiedene Kandidaten aus dem GC-Umfeld handeln – womöglich in einer Art, wie es ehedem die "Owner“ waren.

„Ich bin optimistisch“, sagt Gurovits. Ihn dünke, als sei bei den jüngsten Verhandlungen „mehr Fleisch am Knochen als auch schon.“ Aber es gebe natürlich auch Zeitdruck: Bis Ende Jahr sollte „ein Lösungsansatz zu sehen sein“ und „definitiv klar“ müsse die Lage sein, wenn die Lizenzeingabe anstehe. Namen von Kandidaten oder andere Details kann und will Gurovits nicht nennen. Aber er sagt doch auch, bei allem Optimismus: „Der Fortbestand von GC steht auf der Kippe.“ Auch wenn der Faden nicht ganz so dünn zu sein scheint wie im vergangenen Frühjahr.

Hansjörg Schifferli