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GC Handball | 24.05.2019

HANDBALL | DAS ALTERSWERK FORTFÜHREN

Arno Ehret hielt die GC-Handballer in der Elite – sein nächstes Ziel sind die Playoffs. Kaum 65 geworden und damit offiziell pensioniert, kehrte Altmeister Arno Ehret im vergangenen Januar als Trainer in die Schweizer Handballhallen zurück. Er tue es, sagte er damals, „weil es mir noch immer Spass macht.“ Irgendwas beweisen musste er ja nicht mehr. Wer sich in der Szene nur ein bisschen auskennt, weiss ja: Das ist der ehemalige deutsche Weltmeisterflügel, der die Schweiz 1993 in Schweden auf den 4. Platz einer WM führte und später, in seiner zweiten Amtszeit, immerhin an drei Europameisterschaften. Seither hat die Schweiz an keiner EM mehr gespielt, erst jetzt sieht’s wieder danach aus.

Die Aufgabe, die Ehret anging, war allerdings nicht einfach, denn es galt einem andern Altmeister, GC Amicitia, den Platz in der Nationalliga A zu halten. Eine halbe Saison lang, eine ganze Qualifikationsrunde mit ihren immerhin 14 Spielen, waren die Handballer von GC Amicitia sieglos geblieben. Nur zwei Punkte für zwei Unentschieden hatten sie auf dem Konto, als es in die Abstiegsrunde ging. Das Wunschziel: nicht nur Fortitudo Gossau, sondern auch den RTV Basel hinter sich lassen, damit den Klassenerhalt vorzeitig schaffen und gar, mit dem HC Kriens Luzern, durch die Hintertür in die Playoffs kommen. Das Problem, Fortitudo hatte zwei, der RTV gar vier Punkte mehr. Zehn Spiele standen zur Verfügung, dieses Handicap wettzumachen; allein, GC musste, als schwächste Mannschaft der Qualifikation, viermal gegen das unangefochtene Kriens Luzern antreten, die beiden andern nur dreimal. Sollte GC Amicitia nicht schaffen, Basler und Gossauer hinter sich zu lassen, musste es in die Playouts – gegen den Punktschwächeren dieses Duos.

Ein Punkt fehlte...

„Bevor ich zusagte“, erzählt Ehret heute, „habe ich mir die Videos von ein paar Spielen der Konkurrenten angeschaut und gesehen: Der Klassenerhalt ist möglich, mit viel Dusel reichts ins Playoff.“ Ein wichtiges Signal, auch fürs Gedeihen der Zusammenarbeit mit der Mannschaft, war dann wohl der erste Match. Der war ein kleiner Coup: Der HC Kriens Luzern des Trainers Goran Perkovac wurde mit einem 30:18 heimgeschickt. Torhüter Nikola Marinovic „war überragend“ (Ehret). Es folgte allerdings eine 24:25-Heimniederlage gegen Fortitudo – und die war, wie man hinterher sagen muss, entscheidend. GC holte zwar elf Punkte aus den zehn Spielen der Abstiegsrunde, der RTV nur sieben, Fortitudo acht – aber es fehlte schliesslich ein Punkt.

Immerhin, diese Bilanz deutete darauf hin, dass GC stark genug sein würde, die Best-of-5-Serie im Playout gegen Fortitudo zu gewinnen. Das glückte dann auch, mit drei Siegen und einer Niederlage. Nach dem 29:24 im zweiten Auswärtsspiel in Gossau feierte die GC Gemeinde ausgelassen den Klassenerhalt – nur einer stand mittendrin und liess kaum eine Regung erkennen, der Trainer. Dabei wars doch auch für ihn „wirklich befriedigend, es geschafft zu haben.“ Mit einer Mannschaft, die eindeutig besser spielte als im Herbst, die – man darf es so sagen – sehr wohl die Wirkung der Arbeit des neuen Chefs erkennen liess. Aber Ehret wusste auch, „dass wir es kaum geschafft hätten, wäre unser Linkshänder verletzt ausgefallen.“ Manuel Frietsch ist der Mann, der aus dem rechten Rückraum Druck macht.

Nächster Schritt: Playoffs

Ehret war mit dem Lauf der Dinge so oder so zufrieden, also verlängerte er – wie Assistent Sascha Schönholzer – seinen Vertrag um ein Jahr, als das Playout noch nicht mal begonnen hatte. Sie hätten sich „relativ schnell“ geeinigt, sagt Ehret. Dem gefeierten Sieg in der Gossauer Buechenwald-Halle soll nun „ein nächster Schritt folgen, in die Playoffs folgen“. Das nennt Ehret als Zielsetzung für die neue Spielzeit. „Wichtig wird sein, dass wir dannzumal kein Verletzungspech haben“. Denn die personellen Reserven werden relativ knapp bleiben.

Mit Mittelmann Sergio Muggli, der zu Suhr Aarau geht, verlieren die Zürcher einen sehr wichtigen Mann. Es sind auch die Kreisläufer Andreas Heyme und Mathias Kasapidis zu ersetzen. Dafür kehren mit den Aufbauern Max Dannmeyer und Simon Schild zwei Langzeit-Verletzte zurück. Und es wurde mit Mikhail Zhyla (26) ein Kreisläufer aus Weissrussland verpflichtet, der allein schon mit seinen über 100 Kilogramm einiges an Gewicht einbringen wird. „An ihm gefällt mir vor allem seine Einstellung“, sagt Ehret. Für zwei Jahre hat der Mann von SKA Minsk unterschrieben. Einen zweiten Kreisläufer brauche er noch, fügt Ehret bei. Und natürlich jemanden, der die Lücke schliessen kann, die Muggli riss. Das könnte Jakub Szymanski sein, zuletzt beim BSV Bern, der mit seinen 36 Jahren neben Wurfkraft vor allem auch sehr viel an Erfahrung mitbringt. 

Was Szymanski auf jeden Fall vorfände: Einen Routinier auch auf der Bank, einen, der sein kleines Alterswerk fortführen will.

Hansjörg Schifferli