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GC Rudern | 26.03.2021

HEINI WIESENDANGER, EIN MULITALENT TRAT ZURÜCK

An der letzten Sektionsversammlung anfangs März wurde der Rücktrittswunsch von Aktuar Heini Wiesendanger offizialisiert. Nach 15-jähriger Vorstandstätigkeit wurde seinem Wunsch entsprochen, ihn von seinen Aufgaben zu entlasten und ihn in seinen „zweiten Ruhestand“ zu entlassen, der allerdings immer noch kein definitiver ist: Er betreut als Treuhänder noch einige langjährige Kunden, „aber ich habe viel mehr Freizeit, die ich mit meiner Frau geniesse und verschiedene Hobbys pflege“. (Zitat Wiesendanger).

Unseren Gesprächstermin haben wir auf Wunsch von Heini Wiesendanger zwischen zwei Fixpunkten in seinem Tagesablauf gelegt. Allmorgendlich um neun Uhr beteiligt er sich am - coronabedingt übers Internet (www.einsingen-um-9.ch) - gut halbstündigen Einsingen und am frühen Nachmittag führt er einen Nachbarshund aus, ein Gewinn für den Besitzer, der gesundheitlich bedingt keine längeren Wege zurücklegen kann, den Hund, der sich über diese Ausflüge jeweils mächtig freut und Heini Wiesendanger, der dadurch zur nötigen körperlichen Bewegung kommt.

Breite berufliche Erfahrung

Er erzählte ausführlich aus seinem sehr abwechslungsreichen Berufsleben und seiner Beziehung zum Rudern in der Rudersektion des Grasshopper Club, die 1958 ihren Anfang nahm. Weil der damalige Amtsvorgänger die Anmeldung aber „verschleppt“ hatte, kam es erst 1959 zum Eintritt, genau am 1. November. Noch heute hütet Heini Wiesendanger den von „Mister GC“, Walter Schoeller ausgestellten Mitglied-Ausweis, der inzwischen reichlich abgegriffen ist aber immer noch in Ehren gehalten wird, „schliesslich gibt es nur noch wenige Kollegen, die einen solchen Ausweis haben“ (Zitat). Der Entscheid, der Rudersektion beizutreten wurde nach einigen Schnupper-Ausfahrten gefällt, allein die Möglichkeiten für regelmässiges Rudern waren sehr begrenzt und das Regattieren unmöglich. Denn Heini Wiesendanger steckte zu jener Zeit in einer Bäckerlehre. „Morgens, wenn die Kollegen aufs Wasser gingen, stand ich in der Backstube. Und auch der frühe Abend konnte nicht zum Rudern herhalten, denn dann musste ich den Sauerteig vorbereiten, der dann morgens verarbeitet wurde“, blickt Wiesendanger zurück. Dass ihm ein 50-Kilo-Mehlsack auf den Rücken fiel, als er in gebückter Haltung stand, bereitete ihm daraufhin ständige Schmerzen - und schränkten seine Rudermöglichkeiten ein, nicht bei der Ruderbewegung selbst, aber beim Ein- und Auswassern des Bootes. Aber die Freude an der Bewegung auf dem Wasser und der Natur war ungebrochen. Er schätzte die gemeinsamen Stunden mit Gleichgesinnten. Heini Wiesendanger erinnert sich: „Mangels Alternativen trafen wir uns jeweils sonntags im Bootshaus, badeten im See oder unternahmen vom Bootshaus aus andere Aktivitäten. Und wenn uns von älteren Mitgliedern das „Du“ angeboten wurde, fühlten wir uns akzeptiert und wohl in der Ruderer-Gemeinschaft.“

Nach der Lehre und ersten Erfahrungen in der Backstube absolvierte Heini Wiesendanger eine Handelsschule und war zum Beispiel im Gummiboothandel tätig und lernte in der Debitoren-Abteilung eines Industriebetriebs die Arbeit mit Lochkarten kennen. Im ständigen Bestreben sich weiter zu entwickeln absolvierte er verschiedene Aus- und Weiterbildungen (legte z.B. als 28-Jähriger die Prüfung zum Verwaltungsangestellten ab) und erkundete neue Arbeitsfelder. Die Befriedigung fand er aber in der Verwaltung. Berufsbegleitend zu Anstellungen als Kanzlist und Substitut legte er schliesslich die Fachprüfung als Gemeindeschreiber ab und arbeitete in verschiedenen Gemeindeverwaltungen. Als 50-Jähriger entschied er sich zur Selbständigkeit. Er hatte die Idee, Gemeindeverwaltungen seine Dienste als Springer, oder wie es neudeutsch heisst, als Trouble Shooter anzubieten. Wenn eine Überbrückung nötig war, stellte sich Wiesendanger zur Verfügung und schuf sich parallel ein zweites Standbein, indem er als Treuhänder arbeitete. Es zeigte sich aber bald einmal, dass Heini Wiesendanger mit seiner „Springer“-Idee eine Marktlücke entdeckt hatte. Die Belastung ging so weit, dass er mit 62 wegen beruflicher Überlastung einen Herzinfarkt erlitt, von dem er sich aber rasch erholte.

Wiesendanger und das Rudern

Wenn es seine knapp bemessene Freizeit zuliess, genoss er den Kontakt mit den Ruderkollegen, vor allem auch des Ziitschig-Clubs. So blieben ihm die Rudertouren nach Kopenhagen, Amsterdam, Berlin, Hamburg oder an den Comersee in bester Erinnerung. „Weil ich in der Regel keinen Alkohol trinke, war ich bei diesen Ausfahrten, die wir meistens im Kleinbus unternahmen, als Fahrer „gesetzt“, was die Kollegen sehr schätzten...“, schmunzelt Heini Wiesendanger. Ebenso gerne erinnert er sich seiner zweimaligen Teilnahme an der „Vogalonga“, einer Regatta über 30 Kilometer um Venedig - und hier besonders an ihr „Absaufen“ vor der dem Canal Grande und dem Abschleppen durch die Polizei in den Fischerhafen, wo‘s dann für die frierenden Ruderer einen Grappa gab“. 2012 beendete er auf ärztlichen Rat das aktive Rudern.

Wiesendanger als Vorstandsmitglied

Vor 15 Jahren beantwortete Heini Wiesendanger eine Anfrage zur Übernahme des Aktuariats der GC Sektion Rudern positiv, war er doch aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit dafür prädestiniert. Er wirkte seither - unter zwei Präsidenten, Dani Hofer und Tobias Fankhauser - als umsichtiges Vorstandsmitglied und hat Spuren hinterlassen, zum Beispiel durch das von ihm aufgebaute Mitgliederverzeichnis, das auch mit dem des Zentralvorstands kompatibel ist und gewissen speziellen Bedürfnissen zum Beispiel der Sponsoren-Clubs etc. berücksichtigt. Immer korrekt waren auch seine Sitzungsprotokolle, die auch der Nachwelt die Möglichkeit bieten, die Geschehnisse in der Rudersektion nachzuzeichnen.

Kein bisschen müde

„Ich hatte eine schöne Zeit im Vorstand, erfreute mich der guten Beziehungen. Aber jetzt schätze ich die durch den Rücktritt gewonnene Freizeit“, sagt Wiesendanger, die er für verschiedenste Aktivitäten einsetzen kann, zum Beispiel als Gast-Tenor in verschiedenen Chören - sofern es Corona zulässt - und als Laienschauspieler... Heini Wiesendanger - das Multitalent, das auch im Alter von 80 kein bisschen müde ist.

Eugen Desiderato