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29.10.2021

LIV OESCHGER: BALANCEAKT ZWISCHEN SCHULE & SPORT

Die 14 Jahre junge GC Nachwuchsspielerin Liv Oeschger leistet Aussergewöhnliches: Auf der nationalen Swiss Tennis-Rankingliste der Girls mit Jahrgang 2007 wird sie als Nummer 9 geführt. Zugleich hält sie sich mit guten Noten im dritten gymnasialen Schuljahr an der Kantonsschule Hohe Promenade Zürich.


An einem Spätsommernachmittag findet Liv zwischen ihrer letzten Schulstunde und einem Training Zeit für ein Gespräch in der Halle der Tennis Couvert Sektion. Fröhlich und aufgestellt erzählt die Jugendliche, wie sie sich als kleines Mädchen zunächst für das Ballett begeistert hatte. Mit fünf Jahren versuchte sie sich erstmals im Tennis und eiferte damit ihrer Mutter nach, die damals schon regelmässig Tennis spielte.


Polysportiv interessiert mit einer klaren Präferenz

Daraufhin suchte die Familie in der Nähe ihres Wohnortes nach Trainingsmöglichkeiten und wurde auf der Lengg in der Tennisschule von Nicole Bain fündig. Liv hatte auf Anhieb sichtlich Freude an der Sportart. Schon bald erkannte auch Nicole Bain den Leistungswillen des Mädchens und fragte sie, ob sie nicht Lust hätte, ein bisschen intensiver zu trainieren. Begeistert nahm Liv das Angebot an.

Zugleich ging sie immer noch regelmässig ins Ballett und im Winter fuhr sie Ski. «Irgendwann muss man sich dann für eine Sportart entscheiden», erklärt Liv. «Ich habe mich für das Tennis entschieden und habe es nie bereut.» Denn von Mannschaftssportarten fühlte sie sich weniger angezogen, obschon sie gelegentlich auch gerne Fussball spielte. Beim Tennis sei sie allein für Sieg oder Niederlage verantwortlich und das gefalle ihr besonders.


Erste Wettkampferfahrungen und GC Mitgliedschaft

Mit neun Jahren wurde Liv Mitglied der GC Tennis Sektion, 2018 der Tennis Couvert Sektion. Während sie ihre ersten Wettkampferfahrungen im Rahmen des Junioren-Interclubs noch in der Mannschaft des Junioren TC Zürich machte, bereicherte sie bereits als 11-Jährige die GC U15 Mannschaft und hat sich dort bis heute erfolgreich gehalten. Den diesjährigen Interclub der Aktiven bestritt die R2-Klassierte im Kreise Gleichaltriger für die RV Tennis Girls vom Regionalverband Zürich. Mit ihrer Mannschaft gelang gar der Aufstieg in die 1. Liga.

Sowohl im Sommer als auch im Winter ist Liv häufig mit ihrer Namensvetterin Liv Drolshammer auf den Plätzen der GC Anlagen anzutreffen. Ein Glücksfall, denn von der 20-jährigen GC Spielerin kann sie noch einiges lernen.


In der Schule und im Sport diszipliniert

Neben dem Gymnasium trainiert Liv gegenwärtig fast täglich ein bis zwei Stunden in der Roshardt Academy. Hierzu gehört das Tennistraining bei Marc Obrist sowie ein Tennis-spezifisches Konditionstraining. Schule und Training in Einklang zu bringen, gelingt nur dank Livs Disziplin, Pflichtbewusstsein und Einsatzwillen sowie der Unterstützung ihrer Eltern. Für ein junges Sporttalent wie Liv ist neben der finanziellen und emotionalen Unterstützung auch die Hilfe der Eltern beim Zeitmanagement enorm wichtig. Livs Mutter fährt ihre Tochter regelmässig von der Schule zum Training. Ausserdem begleitet und unterstützt sie Liv mental an Turnieren. Auch Livs jüngere Schwestern Dana (Jahrgang 2009, R4) und Jil (Jahrgang 2010, R5) haben sportliche Ambitionen, welche es gleichermassen zu unterstützen gilt. Liv schätzt den Einsatz der Eltern für sie und ihre Schwestern und ist sehr dankbar dafür.


Balanceakt zwischen Schule, Sport und Freunden

Schule und Sport auf einem hohen Niveau in Einklang zu bringen, ist sehr schwierig. Vor allem, wenn man keine Sportschule besucht. Neben Sport und Schule ist Liv auch der Kontakt zu ihren Schulkolleginnen und Freundinnen sehr wichtig. Aus diesem Grund entschied sie sich gegen den Besuch eines Sportgymnasiums.

«Viele meiner gleichaltrigen Tenniskonkurrentinnen besuchen Sportschulen, Sportgymnasien oder Sportsekundarschulen. Sie haben die Möglichkeit, öfter und länger zu trainieren und haben nicht denselben schulischen Druck wie ich. Ich spüre vermehrt, dass es beinahe unmöglich ist, weiterhin auf demselben Niveau Tennis zu spielen wie sie. Wenn eine Prüfungsphase am Gymnasium mit den Schweizer Tennismeisterschaften oder einem anderen wichtigen Turnier zusammenfällt, ist es für mich vergleichsweise schwieriger, den Fokus zu finden. Ich musste daher die eine oder andere Niederlage einstecken. Das ist manchmal schon ein ziemlicher Frust. Trotzdem bereue ich meine Entscheidung nicht», erklärt die 14-Jährige bestimmt. «Meine Eltern helfen mir, die Leistungen in die richtige Relation zu bringen bzw. mich mehr auf meine individuelle sportliche Entwicklung und mein Ziel als auf Einzelresultate zu fokussieren.»

Livs Ziel ist es nämlich, nach der Matura in den USA College-Tennis zu spielen. Hierfür sind gute Noten in der Schule sowie eine gute Klassierung Voraussetzung. Der sympathischen zielstrebigen jungen GC Spielerin wird dies bestimmt gelingen.

 

Chantal Coens