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GC Fussball | 28.05.2021

REKORD-NATI-SPIELERIN WIRD MANAGERIN

Der GC Sektion Fussball ist ein echter Coup gelungen: Die Schweizer Rekord-Internationale Lara Dickenmann (35), aktuell Fußballerin des Bundesligisten VfL Wolfsburg, wechselt nach Beendigung ihrer Aktivkarriere zur kommenden Saison vom Spielfeld an den Schreibtisch. Als Managerin wird sie, gleichberechtigt mit Sportchef Johannes Moos, die Frauen-Abteilung leiten.

Die zunehmende Bedeutung des Frauenfussballs international gesehen hat einen Makel: Die Schweiz ist noch im Hintertreffen, weil die Entwicklung im Ausland mit grösserem Engagement vorangetrieben worden ist. Zu diesem Schluss kommt die höchste Frau im Schweizer Fussball, Tatjana Hänni, seit Mitte 2020 Direktorin Frauenfussball im Schweizerischen Fussballverband, wenn sie sagt, dass „andere Länder in kurzer Zeit grössere Fortschritte gemacht haben als wir. Wir holen momentan noch nicht das Optimum heraus, weil die Förderung bei 16-jährigen Knaben und Mädchen nicht gleich ist.“

Neue Führungsstruktur

Hier will die GC Sektion Fussball ansetzen. Sie hat eine neue Führungsstruktur aufgebaut mit der Schweizer Rekord-Internationalen Lara Dickenmann als Managerin und Johannes Moos als Sportchef an der Spitze. Beide können vom jeweiligen Erfahrungsschatz des anderen profitieren. Lara Dickenmann: "Johannes ist bis jetzt mein engster Mitarbeiter. Unser Austausch funktioniert einwandfrei. Ich habe mir keine Gedanken zur Hierarchie gemacht; es geht hier einfach darum, dass jeder seinen Teil zum Projekt beiträgt. Ich kann viel von Johannes lernen, da er schon lange im Geschäft ist und seine Arbeit ausgezeichnet macht. Gleichzeitig kann ich ihm die Welt des Frauenfußballs näherbringen, was ihm bei der einen oder anderen Entscheidung hilfreich sein kann." Die ehemalige Schweizer Internationale hat ein Manager-Studium abgeschlossen und verfügt über grosse Erfahrung als Spielerin und ein nationales und internationales Netzwerk, während Johannes Moos das Scouting von der Pike auf gelernt hat und über reiche Erfahrung in der Organisation innerhalb des Grasshopper Club verfügt.

Vom Projekt überzeugt

"Ich muss noch viel lernen, werde aber meinen Teil dazu beitragen, dass sich die Rahmenbedingungen bei den GC Frauen verbessern und dass die GC Frauen zu einer Top-Adresse im Schweizer Fußball werden", umschreibt Lara Dickenmann ihre persönlichen Ziele. "Die GC Delegation, die mich in Wolfsburg besuchte, hat mich vom GC Projekt überzeugt. Ihre Ambitionen haben mich angesprochen wie auch der Fakt, etwas nachhaltig Positives für den Schweizer Frauenfußball zu tun. Zudem ist GC ist ein toller Verein in einer schönen Stadt mit einem riesigen Netzwerk. Da es ein Projekt ist, gilt für alle Beteiligten, die Aufgaben zu erledigen, die notwendig sind. Das kann also alles beinhalten. Was ich aber sicher nicht sein werde ist Spielerin oder Trainerin. Ich kümmere mich um die Rahmenbedingungen, Budget, Sponsoren, Konzepte, Kaderplanung und muss in ständigem Austausch mit allen Beteiligten sein", so Lara Dickenmann.

Johannes Moos: "Ich bin seit meiner Kindheit GC Fan, das verbindet mich mit Lara Dickenmann. Wir haben denselben Jahrgang und wissen daher noch ganz genau, welche Bedeutung der Grasshopper Club in unserer Kindheit hatte“, erzählt der 35-Jährige. Und Lara Dickenmann ergänzt: "Es waren immer absolute Highlights für meinen Bruder und mich, wenn wir ab und zu ins Stadion Hardturm gefahren sind und Spiele angeschaut haben."

Umfassendes Aufgabengebiet

Johannes Moos war nach eigener Aussage ein „durchschnittlicher Juniorenfussballer“, fand aber schnell Gefallen am Scouting. Angefangen hat alles bei seinem Heimclub Horgen, wo er F-Junioren rekrutierte und auch trainierte. Später packte er die Gelegenheit, die gleiche Aufgabe nebenamtlich beim GC zu übernehmen. Nach einer Vakanz in der Sportabteilung des Grasshopper Club nahm er das Angebot an und arbeitete fortan in der Organisation der Nachwuchsabteilung, betreute auch das Scouting und machte seine Trainerscheine bis zum Trainer B+-Diplom. Während sieben Jahren leitete er die Footeco-Abteilung und übernahm im Januar dieses Jahres die Funktion des Sportchefs GC Frauen. Daneben ist er jetzt auch für das Scouting der GC Profis, des Nachwuchses und der GC Frauen verantwortlich. Bei den Männern arbeitet er mit Talentmanager Marc Hodel zusammen und analysiert die potenziellen Spieler, die als Ergänzung für die benannten Positionen für das Fanionteam in Frage kommen können. Beide rapportieren an den CEO Jimmy Berisha, ad interim auch als Sportchef verantwortlich. Ein gerüttelt Mass an Arbeit, das sich Johannes Moos auferlegt hat. „Ich bin gerne bereit, einen besonderen Effort zum Wohl des Grasshopper Club zu leisten“, gibt er zu Protokoll.

Nachwuchs fördern

Zusammen mit Lara Dickenmann will er mittelfristig die Frauen-Nachwuchsabteilung ausbauen und ein schlagkräftiges GC Frauenteam zusammenstellen. Moos: „Lara verfügt nicht nur über ein grosses Netzwerk, sondern kennt auch alle Entwicklungsstufen einer Spielerin. Sie kennt den Profibetrieb aus dem Effeff spricht die Sprache der Spielerinnen.“

Der Zeitpunkt einer Neu-Ausrichtung der GC Fussball-Abteilung ist auch unter dem Aspekt richtig gewählt, dass der europäische Fussballverband UEFA künftig den Frauenfussball finanziell unterstützen wird. Insgesamt 24 Millionen Euro an Solidaritätszahlungen werden an die Verbände der Women’s Champions League-Starter ausgeschüttet, wovon alle Teams der Wohmen’s Super League, also auch der Grasshopper Club profitieren.

Der Ausbau der Frauen-Nachwuchs-Ausbildung wie auch der Aufbau des Frauen-Fanionteams beim Grasshopper Club soll organisch wachsen. Schnellschüsse sind nicht angesagt. Das zeigen auch der mit Lara Dickenmann vereinbarte Dreijahres-Vertrag und das Commitment der Gönnervereinigung BlueLabel und WhiteLabel zur finanziellen Unterstützung dieses Projekts. Das Ziel ist aber klar – der Rückstand zu den führenden Clubs hierzulande soll wettgemacht werden, damit GC im Frauenfussball dereinst eine bedeutende Rolle spielen wird.

Eugen Desiderato