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GC Tennis | 27.11.2020

TENNIS | KONDITIONSTRAINING – TENNISSPEZIFISCH

Der Tennis- und Konditionstrainer Jan Tavcar, der seit Sommer 2018 Teil des GC Trainer-Teams ist und seit Herbst 2019 das wöchentliche Konditionstraining in der GC Couvert-Halle leitet, erklärt, worauf Tennisspieler und Trainer beim Konditionstraining den Fokus legen sollten.

Mit rund fünf Jahren kam Jan Tavcar in seiner slowenischen Heimat mit dem Tennissport zum ersten Mal in Berührung. Von Beginn an liebte er das spannende Spiel um den gelben Filzball. Er entwickelte sich zu einem erfolgreichen Junior - zunächst auf nationaler, danach auf internationaler Ebene. Jan wurde mehrere Male nationaler Juniorenmeister und gehörte mit 14 Jahren zu den besten Spielern Europas. Auf ITF Junioren-Ebene rangierte er unter den 50 international besten Spielern. Gleichzeitig bestritt er noch als Junior Matches auf professioneller Stufe und konnte einige ATP Punkte für sich sichern. Auf seinem Weg hatte er bereits in jungen Jahren das Glück von weltweit anerkannten Coaches betreut zu werden. Es waren diese Coaches, welche ihn für seine spätere Berufswahl inspirierten.

Tennis- und Konditionstrainer mit Wettkampferfahrung
Aufgrund seines Werdegangs weiss Jan Tavcar, worauf es im Tennis ankommt. Er sei froh zu beobachten, dass immer mehr Konditionstrainer den Fokus auf die Besonderheiten des Tennisspiels setzten, verrät er anlässlich eines Gesprächs in der GC Couvert-Halle. Ein auf Tennis spezialisierter Konditionstrainer müsse das Spiel, insbesondere wie sich ein Spieler auf dem Platz bewegen sollte, sehr genau kennen. Er müsse fähig sein die verschiedenen Tennis-spezifischen Bewegungen, welche Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Kraft und Koordination verlangten, zu analysieren und in das Konditionstraining zu integrieren. Modernes Tennis-Konditionstraining beinhalte neben dem Aufwärmen, Übungen für den Rumpf, Koordinations-Drills, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und solche, welche die Explosivität fördern. Wolle ein Spieler ein konstant hohes Niveau ohne Verletzungen erreichen, sei eine langfristige und nachhaltige Planung des Tennis-spezifischen Konditionstrainings eine wichtige Voraussetzung.

Roger Federer und Stan Wawrinka setzen auf den Meister des Tennis-spezifischen Konditionstrainings

Roger Federer vertraut was die Kondition angeht auf sein Team und seit 2000 vor allem auf Pierre Paganini. Seit 2003 betreut der heute rund 60-Jährige, neben Federer, auch Stan Wawrinka. Als Student im Nationalen Sportzentrum Magglingen wollte Paganini Fussball-Konditionstrainer werden, änderte aber nach einer Stelle im damaligen Nationalen Tennis-Trainingscenter Ecublens seine Absichten. Die individuelle und kreative Sportart Tennis und die Tatsache, dass das Konditionstraining im Dienst des Spielers und des Spiels stand, faszinierte ihn und liess ihn nicht mehr los. Entsprechend spezialisierte er sich auf ein kreatives Konditionstraining, welches Tennis-spezifisch Sinn macht. Auch heute versucht er seine Methoden mit seinen berühmten Spielern individuell abzugleichen und sie mit Übungsvarianten zu überraschen. “Wichtig ist dabei eine Synergie zwischen Kreativität und Struktur. Um effizient zu diesem Ziel zu gelangen, ist die Kommunikation mit dem Spieler enorm wichtig. Ein Konditionstrainer muss spüren wie sich der Spieler fühlt, um sich für die richtige Trainingsvariante entscheiden zu können. Mit neu eingebauten überraschenden Elementen soll der Trainer die Spielfreude des Spielers wecken. Wenn sich ein Spieler während zwei oder drei Sekunden in einer neuen oder variierten Übung zurechtfinden muss, ist er gezwungen die Intensität des Trainings mit der Komplexität der Übung zu verbinden. Dies widerspiegelt die Situation im Wettkampf. Deshalb bedeutet ein richtiges Training nicht unbedingt ein hartes Training, jedenfalls keines, bei welchem man auf allen Vieren aus der Halle kriecht. Gutes Training ist cleveres Training“ (Interview mit Pierre Paganini auf SRF, Sport-Clip, 16.01.2019).

Auch Swiss Tennis empfiehlt Paganini

Auch Swiss Tennis empfiehlt gemäss dem Player Development-Dokument dem Schweizer Tennis-Nachwuchs Pierre Paganinis Trainingsmethode. Demnach ist das physische Ziel jedes Tennisspielers eine möglichst hohe Ausprägung der Ausdauer der Schnellkraft und jener der Schnelligkeit in präziser Bewegungsausführung (Ausdauer der Koordination). Dieses Ziel könne mit Hilfe methodischer Strukturen (generelles, orientiertes, integriertes oder spezifisches Training) erreicht werden. Die Mittel zur Umsetzung der verschiedenen Methoden setzten sich aus den konditionellen Faktoren (Ausdauer/Kraft/Schnelligkeit/Beweglichkeit) und der Bewegungslehre (Koordination/Technik) zusammen. Daraus ergebe sich für jeden Spieler mit seinen individuellen Voraussetzungen (physiologische, biologische, psychologische und soziale Entwicklungsstufe, Stärken, Schwächen, Zielsetzungen, Spielstärke, Trainingsvolumen, Verletzungsanfälligkeit, etc.) eine ebenso individuelle Planung (Linder, Beni: Player Development, Grundlagen Kondition, Hrsg. Swiss Tennis, Spitzensport).

Konditionstraining und Breitensport
Nach diesen Ausführungen erstaunt nicht, dass, neben Roger Federer und Stan Wawrinka, Spieler wie Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Serena Williams, welche seit vielen Jahren auf der internationalen Rangliste zuoberst zu finden sind, auf ihre Individualität abgestimmte Konditionstrainings praktizieren. Es leuchtet ausserdem ein, dass sowohl wettkampfmässig ambitionierte Spieler als auch Hobbyspieler es ihnen – je nach ihren individuellen Möglichkeiten - gleichtun sollten. Junioren und ältere Spieler sollten dabei neben dem Aufwärmen bzw. Auslaufen vor und nach dem Spiel die alters- und körpergerechte Ausübung sowohl des Konditionstrainings als auch des Spiels auf dem Platz im Auge behalten. Konditionsübungen, welche auf den Spieler zugeschnitten sind, dabei insbesondere die körperlichen Schwachpunkte berücksichtigen, vermögen Verletzungen zu verhindern und helfen diesen kreativen und spannenden Sport bis ins hohe Alter praktizieren zu dürfen.

Mit Jan Tavcar konnte die Tennis Couvert Sektion jedenfalls einen kompetenten und engagierten Trainer gewinnen, welcher beim wöchentlichen Konditionstraining in der Couvert-Halle diverse Clubmitglieder zum Tennis-spezifischen Schwitzen bringt.

Chantal Coens