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GC Unihockey | 26.06.2020

UNIHOCKEY | EIN GANZ GROSSER TRAT AB

Der langjährige GC Captain Michael „Züri“ Zürcher, einer der erfolgreichsten und dienstältesten Spieler der NLA hat seine Aktivkarriere beendet, während dieser er die Grasshopper 2016 zum bisher einzigen Meisterschaftstriumph führte. 139 Mal lief er für die Nationalmannschaft auf, sieben Mal nahm er mit ihr an einer WM teil. Darunter auch an den beiden Heim-Turnieren 2004 in Kloten und 2012 in Zürich und Bern. Dass der Rücktritt wegen der Corona-Krise abrupter als vorgesehen erfolgte, stört „Züri“ nicht. Vielmehr freut er sich über die zurückgewonnene Freiheit, über seine Freizeit selbst entscheiden zu können.

Einer ist besonders glücklich über den Rücktritt: Der bald zweijährige Luke kann jetzt viel öfter mit seinem Papi spielen, und Gattin Andrea, dank ihres amerikanischen Passes Teilnehmerin an der letztjährigen WM in der Schweiz im Team der USA, kann auf zwei weitere Unterstützer bei ihren Spielen mit den Kloten-Dietlikon Jets zählen. Michael „Züri“ selbst freut sich darauf, vermehrt anderen Hobbys nachzugehen, zum Beispiel mit Kollegen Badminton zu spielen oder im Winter auf dem Eis zu knebeln.

Von langer Hand vorbereitet - dennoch abruptes Ende

„Züri“ hatte schon zu Beginn der Saison 2019/20 mitgeteilt, seine langjährige Aktivkarriere zum Saisonende beenden zu wollen, ohne Rücksicht darauf, dass er in einem Jahr ein Jubiläum feiern könnte: „10 Jahre mit GC“.  Das Ende kam dann aber doch abrupt. Michael Zürcher: „Das Team sass nach dem Abschlusstraining und der Vorbereitungstheorie für das vierte Viertelfinalspiel zusammen, als die Meldung die Runde machte, die Meisterschaft würde mit sofortiger Wirkung für beendet erklärt.» Präsident Dario Pasquariello: "Mich schmerzt, dass "Züri" wegen dem Corona-bedingten Saisonabbruch leider keinen speziellen Abschied auf dem Spielfeld feiern konnte. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken. Als wir ihn vor neun Jahren transferierten war er eigentlich bereits im Herbst seiner Karriere, es war für uns alle höchst erfreulich zu sehen, dass er selbst im stolzen Spieleralter in jeder Saison ein Gewinn für unsere Sektion war. Nicht nur ein sehr guter und erfolgreicher Spieler, sondern auch eine tolle Persönlichkeit. Wir werden eine passende Würdigung seiner Verdienste zum gegebenen Zeitpunkt nachholen." Und schliesslich wäre nachzutragen, dass aus Führungskreisen verlautet, dass  Michael „Michi“ Zürcher dem GC Unihockey erhalten bleiben wird, und zwar in gehobener Position innerhalb des Sportbetriebs. In diesem Fall kann dennoch gefeiert werden, vielleicht sogar nach dem zweiten Meistertitel?

Traum geplatzt

Michael Zürchers Traum, mit dem Gewinn eines Titels oder Medaille abzutreten, ging wegen äusserer Umstände nicht in Erfüllung. Immerhin bestand für GC in dieser Saison die Möglichkeit für Furore zu sorgen, nachdem bereits gegen Waldkirch-St. Gallen drei Viertelfinal-Playoffspiele gewonnen worden waren. Dennoch schaut "Züri" nicht im Zorn oder Gram zurück. „Ich hatte diese letzte Saison vom ersten Spiel an sehr intensiv genossen, habe mir jeweils immer vor Augen geführt, in dieser Halle wohl zum letzten Mal zu spielen, und, und, und. Ich bin mit mir absolut im Reinen.“ Er hat jetzt auch Zeit, seine Karriere zu reflektieren, sich an Highlights oder aber auch an Enttäuschungen zu erinnern. „Vergessen werde ich sicher nie die WM- Teilnahmen und auch den ersten Meistertitel mit Wiler-Ersigen und vor allem jenen mit GC, den ich unbedingt wollte“, so Zürcher.

Grosse Karriere

Der im „Ewigen Kader“ der Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft mit 139 Länderspiel-Einsätzen auf dem zweiten Platz stehende Michael Zürcher hatte im Teamsport ursprünglich als Junior beim FC Bülach begonnen, bevor er sich dem Unihockey zuwandte und sich dem Club „Kanti Bülach“ anschloss, wie sich später herausstellte, ein richtiger Entscheid.

Nach zwei Spielzeiten in der NLB beim Klub „Kanti Bülach“ spielte er seit 2001/2002 auf höchstem Niveau, fünf Jahre beim HC Rychenberg Winterthur, bevor er sich im Mutterland des Unihockey im hohen Norden, als Aktiver bei IBK Dalen in der Elite-Division weiterbildete, in Umea, rund 700 Kilometer nördlich von Stockholm, am Bottnischen Meerbusen gelegen. Nach seiner Rückkehr schloss er sich SV Wiler-Ersigen an, wo er massgeblichen Anteil an drei Meistertiteln hatte. All seine Erfahrung wollte der Nati-Spieler ab 2011 den jungen Akteuren seines neuen Vereins, dem Grasshopper Club Zürich weitergeben. Dort wurde er bald zum Captain berufen. Als echte Führungspersönlichkeit ("Wenn Du auch nur eine Sekunde lang glaubst, dass Du ein Spiel verlieren könntest, brauchst Du Dich gar nicht zu bemühen, anzufangen.") vermittelte er seinen Teamkollegen, welcher Einsatz und welche Einstellung zum Sport nötig sind, um Erfolge einzufahren. Er ging jederzeit mit gutem Beispiel voran und sagte 2014 anlässlich eines Interviews mit dem GC JAHRBUCH, dass er trotz seines „fortgeschrittenen Alters“ noch sehr ambitioniert sei, nicht nur im GC, sondern auch in der Nati. Er wolle unbedingt mithelfen, erstmals einen Meistertitel in die Limmatstadt zu holen. „Die Einstellung muss stimmen, will man auf höchstem Level etwas erreichen. Wenn wir schon mit vier bis fünf Trainings pro Woche einen grossen Aufwand betreiben, dann soll auch etwas herausspringen“, forderte seinerzeit der in Niederhasli tätige Sportlehrer. „Bei meinem NLA Debüt beim HC Rychenberg sprachen die älteren Teamkollegen immer von Routine. Damals war mir die Bedeutung noch nicht so klar. Bald aber konnte ich den Wert dieser Erfahrung einschätzen und wollte sie auch den jungen Spielern weitergeben“. „Vom Titel zu reden reicht nicht“, stellte er klar. Des Captains Worte wurden gehört. Zwei Cupsiege hatten die Grasshopper zu dieser Zeit schon im Palmarès, ein weiterer folgte 2017. Aber in der Saison 2015/16 wurde das erklärte Ziel erreicht, der Schweizermeister-Titel konnte bejubelt werden. Michael „Züri“ Zürcher war nicht nur dabei, er war mitten drin, als ein sehr wichtiges Puzzle im Teamgefüge.

Eugen Desiderato