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22.09.2017

BEACHSOCCER | NEUE LIEBE GEFUNDEN

Pascale Küffer galt als grosses Torwart-Talent und war auf dem besten Weg zu einer grossen Fussball-Karriere. Doch kurz vor dem Durchbruch wurden ihre Pläne von einer schweren Verletzung durchkreuzt. Im Sand hat sie schliesslich eine neue Liebe gefunden: Für GC Beach Soccer schiesst sie heute als Stürmerin Tor um Tor.

Pascale Küffer ist erst 25-jährig, hat in ihrer Karriere aber schon mehr erlebt als so manche routinierte Spielerin. Ihr Talent als Fussball-Torhüterin wurde früh erkannt und gefördert, doch ihre Karrierepläne mussten schon bald einen harten Rückschlag hinnehmen. Das ist die Geschichte einer jungen Frau, die gelernt hat mit ihrem Schicksal umzugehen.

Das Talent entwickelt sich zur Nationalspielerin

Erst mit 12 Jahren tritt Pascale Küffer ihrem ersten Fussball-Verein bei, dem FC Frick, und spielt damals noch bei den Jungs als Feldspielerin. Schnell wird klar, dass das Mädchen aus dem Nachbarsort Herznach mit besonderem Talent gesegnet ist. Bereits wenig später findet sie sich im nationalen Ausbildungszentrum in Huttwil wieder, als eine der zehn talentiertesten Nachwuchs-Spielerinnen des Jahrgangs. Allerdings nicht als Feldspielerin, sondern als Torhüterin. "Ich schaffte den Cut als Feldspielerin nicht, also versuchte ich es als Goalie. Und das hat es klappt – von da an war ich Torhüterin", blickt Küffer zurück. Das Erstaunliche daran ist, dass sie vor ihrem Eintritt ins Ausbildungszentrum erst wenige Monate als Torhüterin gespielt hat.

In ihren zwei Ausbildungsjahren in Huttwil wohnt sie bei einer Gastfamilie, trainiert hart und bereitet sich auf die kommenden Schritte vor. Bereits mit 15 Jahren debütiert sie beim FC Schlieren in der Nationalliga B, als mit Abstand jüngste Spielerin im Team. In der zweithöchsten Spielklasse reift die Aargauerin schnell zur Junioren-Nationalspielerin, hütet erst das Tor der U17 und wenig später jenes der U19. Für Küffer läuft sportlich alles perfekt. Der Wechsel zum FC Zürich ist der nächste logische Schritt, doch dann kommt ihre Karriere als Sportlerin erstmals leicht ins Stocken: "Ich begann gleichzeitig meine Lehre als Malerin, musste früh am Morgen aufstehen, kam spät nach Hause und hatte viermal in der Woche Training. Diese Umstellung war schwierig, auch weil ich im A-Team nur auf der Bank sass."

Küffer entscheidet sich nach einem halben Jahr zurück zu Schlieren zu wechseln, wo sie sofort wieder in die Spur findet. "Es lief wieder unglaublich gut, ich hatte einen echten Lauf!", sagt sie. Derart gut, dass bald die ersten Aufgebote für die Schweizer A-Nationalmannschaft folgten – und schliesslich das Debüt im Trikot des Nationalteams. "Es war der Wahnsinn, das zu erleben – ich war erst 19 Jahre alt!", erinnert sich Küffer. Ihr steiler Aufstieg bringt ihr einen Vertrag beim Bundesliga-Aufsteiger VfL Sindelfingen ein. Eine lange und erfolgreiche Karriere scheint vorgezeichnet, doch dann kommt der grosse Bruch.

Auf Umwegen zum Beach Soccer

Das Schicksal schlägt an der U20-Weltmeisterschaft in Japan zu. Küffer klagte schon in den Monaten zuvor über leichte Schmerzen im Oberschenkel. Zuhause witzelte sie jeweils, das sei bloss eine harmlose Zerrung, das werde schon wieder. Doch dann kommt jener Morgen, an dem sie nicht mehr aufstehen kann. Das MRI zurück in der Schweiz ergibt: Bandscheibenvorfall. Küffer wird für mehr als ein halbes Jahr krankgeschrieben, darf bei VfL Sindelfingen nicht mehr trainieren. "Ich war in einem neuen Land, kannte niemanden und war verletzt. Für mich war es sehr schwierig, von Montag bis Sonntag alleine zuhause zu sein", sagt Küffer. Und sie hat gar doppelt Pech: Ihr Verein wirtschaftet zu optimistisch, kann die Spielerinnen-Löhne nicht mehr bezahlen. Die junge Aargauerin entscheidet sich für eine Rückkehr in die Schweiz, ins gewohnte Umfeld.

Als Küffer wieder Sport betreiben darf, wechselt sie zum Grasshopper Club Zürich und spielt so oft es geht. Doch ihre Verletzung sollte sie erneut heimsuchen: Gut zwei Jahre nach dem ersten Mal kann Küffer eines Morgens erneut nicht mehr aufstehen. Wieder wird sie lange krankgeschrieben. Danach beginnt sie sich beruflich umzuorientieren, startet eine Umschulung zur technischen Kauffrau. Die gelernte Malerin erhält ein Praktikum beim Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmerverband, wo sie noch heute arbeitet. Auch sportlich bricht für sie in diesen Jahren ein neues Kapitel an: "Mehrere Spielerinnen, die ich aus meiner Zeit aus Schlieren kannte, spielten bei GC Beach Soccer und überzeugten mich, ebenfalls ins Training zu kommen." Auf der weicheren Unterlage fühlt sich Küffer von Beginn weg wohl, hütet zuerst das Tor und versucht sich dann immer öfter auch wieder als Feldspielerin.

Ihren eigenen Weg gefunden

Trotzdem bleiben die Schmerzen, die sie vor allem beim Spiel auf dem Rasen spürt. Im Frühling 2016 entscheidet sich Küffer schliesslich für eine Operation, erhält eine Bandscheibenprothese und muss die ganze Saison pausieren. Der vergangene Sommer war für Pascale Küffer deshalb eine Art Comeback. Obwohl die Saison für das Damen-Team von GC Beach Soccer nicht optimal lief und die Ziele verpasst wurden (GC INSIDER berichtete), war die Saison für die Aargauerin ein Erfolg. Nicht nur, weil sie verletzungsfrei durchspielen konnte, sondern auch, weil sie als Stürmerin Tor um Tor schoss. Insgesamt 21 Mal traf sie ins Schwarze, so oft wie keine andere in ihrem Team – die Hälfte davon per Fallrückzieher. "Mit einem solchen Lauf hätte ich nie gerechnet!", sagt Küffer.

Im Beach Soccer hat die Aargauerin eine neue Liebe gefunden: "Es fägt einfach unglaublich! Würden sich die Saison des Rasenfussballs und des Beach Soccers überschneiden, würde ich nur noch Beach Soccer spielen!" Die 25-Jährige scheint mit dem Fussball im Sand einen neuen Weg gefunden zu haben, um sich sportlich zu verwirklichen. Ihrer verpassten Karriere als Fussballerin trauert sie manchmal trotzdem noch nach: "Natürlich gibt es immer noch Phasen, in denen ich wehmütig bin. Für mich ist damals von heute auf morgen eine Seifenblase geplatzt. Seit ich 12 Jahre alt war, wollte ich Fussball-Profi werden. Heute habe ich mich aber besser damit abgefunden und geniesse die schmerzfreie Zeit."

Auch neben dem Sport hat Küffer ihren Weg gefunden. Demnächst will sie zu neuen Ufern aufbrechen. Im kommenden Jahr will sie mehrere Monate nach Spanien, um endlich die Sprache ihrer Grossmutter zu lernen. Am liebsten in Malaga, aber Hauptsache am Meer. Das heisst, dass GC Beach Soccer im kommenden Jahr nicht mehr auf ihre Tore zählen darf? "Ich schaue natürlich schon, dass sich das nicht mit der Beach Soccer-Saison kreuzt", zwinkert sie.

Christoph Muggler