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GC Rudern | 22.11.2019

RUDERN | ZWEI HOPPER VOR IHRER GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNG

Wenn hierzulande die Weihnachtsdekoration hervorgekramt und die Festvorbereitungen an die Hand genommen werden, werden Dominic Schaub und Florian Ramp, zwei Aktiv-Mitglieder der GC Sektion Rudern in See stechen – nicht auf einem Kreuzfahrtschiff zu einer gemütlichen Fahrt ins neue Jahr, sondern im Zweier-Ruderboot, um sich mit 35 anderen Booten im härtesten Ruder-Rennen der Welt, dem Talisker Whisky Challenge 2019 zu messen. Über eine Million Ruderschläge und 4800 Kilometer weiter werden sie auf Antigua in der Karibik ankommen. Die Grasshopper Familie wird die Leistung der beiden Athleten über Internet verfolgen und beiden die Daumen drücken, dass sie ihr Ziel erreichen und sich vielleicht sogar als das schnellste Zweierboot feiern lassen können.

Hier können Sie die beiden GGC Ruderer bei der Talisker Whisky Challenge 2019 verfolgen.


In Kürze werden die beiden Ruderer, wenn sie am Startort der Talisker Whisky Challenge in La Gomera eintreffen werden, ihr Boot übernehmen, das am 24. Oktober dorthin verschifft worden war. Dann wird es darum gehen, die letzten Vorbereitungen auf das „World’s Toughest Row“ zu erledigen, wie zum Beispiel die Abnahme des Bootes und der vorgeschriebenen Einrichtungen durch die Rennleitung etc. Und dann heisst‘s hoffen, dass, wie vorgesehen, am 12. Dezember das Rennen über den Ozean nach English Harbour auf Antigua gestartet werden kann.

„Ganz einfach wird der Start in La Gomera nicht werden“, wirft Dominic Schaub ein. „Bekanntlich haben vor allem die kleineren Boote wegen der Strömungen und der Winde um die Insel Schwierigkeiten, von den Kanaren weg zu kommen.“ Sein Kollege Florian Ramp ist diesbezüglich aber optimistisch: „Ich habe keine Bedenken, aus diesem Sog zu kommen, wir haben genügend Power...“ Die Rennleitung wird die Situation so oder so gut im Auge behalten und die richtigen Entscheide treffen. Nur wenn die Wettervorhersage für drei Tage gut ist, wird das Rennen planmässig am 12. Dezember gestartet.

Kurze Rückblende

Während rund zehn Jahren ging Florian mit der Idee schwanger, einmal eine grössere Ruderregatta auf dem Meer zu bestreiten. Im letzten Herbst weihte er seinen GC Kollegen Dominic in den Traum ein. Offenbar war auch dieser sofort von der Idee angetan, sodass er ihm am 6. Januar auf die erneute Anfrage ein klares Ja signalisierte. Jetzt begannen die beiden GC Ruderer die akribische Vorbereitung dieses Mega-Vorhabens. Dabei stiessen sie aber auch auf etliche Schwierigkeiten. Zunächst musste die Idee verworfen werden, mit zwei weiteren Kollegen in einem Vierer ins Rennen zu gehen: Alle Interessenten aus dem Kreis der Grasshopper Ruderer haben nach und nach aus den verschiedensten Gründen ihr Interesse zurückgezogen. Schliesslich entschieden sich die beiden Unentwegten, das Rennen zu zweit anzugehen. Die Anmeldung konnten sie gerade noch rechtzeitig abschicken und die Einschreibegebühr überweisen. Wegen des späten Zeitpunkt des Entscheids war dann allerdings kein Occasionsboot mehr zu haben. Es handelt sich dabei um eine speziell konzipierte „Rennmaschine“, die nicht nur schnell zu rudern, sondern auch ozeantauglich und sicher sein muss. Obwohl ein neues Boot die Kosten der Unternehmung doch ordentlich in die Höhe treibt, entschieden sich die beiden Grasshopper für diese Variante. Immerhin werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit dieses nach dem Rennen gut verkaufen können, denn auch in den kommenden Jahren wird die Talisker Whisky Challenge durchgeführt werden...

Physische und mentale Vorbereitung


Ende März haben die beiden Grasshopper das Training unter der Leitung eines erfahrenen Trainers im Ultrabereich aufgenommen. Sie haben ihre Ernährung umgestellt, um sich auf die Herausforderungen, die das Rennen im körperlichen Bereich mit sich bringen wird, einzustellen. Auch im mentalen Bereich haben sie unter Anleitung gearbeitet. Denn sie wissen, dass auf dieser Fahrt einige Extremsituationen, wie auch Hochs und Tiefs zu erwarten sein werden. Als erfahrene Ruderer wissen sie aber auch, dass man stets Wege finden muss, um am Ziel anzukommen. Sie stellen sich auf Konfliktsituationen ein, haben aber Vorkehrungen getroffen, diese zu minimieren. So hat jeder seine Bereiche, in denen er der Chef ist, Florian im Bug des Schiffes, Dominic im Heck. "Die Aufgaben haben wir nach den Stärken beziehungsweise den Vorlieben aufgeteilt. Bestimmte Aufgaben sind klar definiert, auch der Rhythmus." So setzt jeder neben dem Rudern täglich eine halbe Stunde für „allgemeine Arbeiten“ ein, zum Beispiel für die Bootsreinigung und Instandhaltung des Solarpanels, um einer Leistungsminderung entgegen zu wirken. „Wir sind komplett unterschiedliche Typen“, erklärt Dominic Schaub, „Florian handelt eher „aus dem Bauch heraus“, während ich vor einem Entscheid doch hin und her überlege.“ Florian ergänzt: „Würden wir beide gleich ticken, wäre die Gefahr grösser, im selben Augenblick in ein Tief zu fallen. Wichtig ist, dass wir eine gute Grundstimmung auf dem Boot halten.“ Und Dominic betont: „Wir sind zwei stabile Charaktere.“

Professionelle Unterstützung für die Routenwahl

Einen möglichen Konfliktauslöser, die Routenwahl haben die beiden Grasshopper ausgelagert, dh. ein Spezialist, der letztes Jahr zwei Teams der Talisker Whisky Challenge erfolgreich betreut hat, übernimmt diese heikle Aufgabe. Einmal pro Renntag erhalten die Grasshopper von ihm einen Telefonanruf, mit dem er ihnen Infos über die Windbedingungen, die Strömung etc. übermittelt. Daraus ergibt sich dann die Routenwahl, die auch dieser Spezialist vornimmt. Dadurch sollte es keinen Zoff an Bord geben, wenn allfällige Fehlentscheide nicht einem Ruderer angelastet werden können. „Von der Rennleitung erhalten wir zwar bezüglich Wetterbedingungen sporadisch sicherlich gute Informationen, diese werden aber allen Teilnehmern zugänglich gemacht, ungeachtet der Bootsgrösse. Unser Guide liefert aber die speziellen Parameter für unser Boot. Wir gehen davon aus, dass diese Betreuung für uns hilfreich sein wird“, erklärt Dominic Schaub.

Dass sich die beiden GC Ruderer sehr gut vorbereitet haben, ist offenkundig. Das gilt sowohl für die Materialwahl (u.a. modernste Elektronik), als auch alle Aspekte der Sicherheit. Sie haben in England einige Kurse besucht, um für dieses anspruchsvolle Vorhaben gerüstet zu sein. Sie haben zudem Tests auf Schweizer Seen und dann vor allem auf dem offenen Meer absolviert. Und ein besonderes Augenmerk haben sie auf das Boot gelegt. „Wir könnten unseren Familien gegenüber nicht verantworten, dass wir in Bezug auf die Sicherheit Abstriche machen würden“, sagt Florian Ramp. So ist das Boot absolut sicher. Es wird auch nicht sinken, auch wenn die gesamte Kabine geflutet werden sollte, es kann sich so oder so wieder aufrichten. Für alle wichtigen Einrichtungen ist ein Backup vorhanden. Und es wurden einige Anpassungen vorgenommen, z.B. die Spezialanfertigung der Ruder, und Feintuning-Arbeiten, ausgeführt von der GC nahen Bootswerft Stämpfli.

Segeljacht begleitet die Ruderboote

Das Rennen wird von einer Segeljacht begleitet, das bei einem Ernstfall in vernünftiger Zeit beim Boot sein kann. Zudem sind die Boote am Talisker Whisky Challenge Teil der internationalen Schifffahrt, was bedeutet, dass beim Notruf das nächstgelegene Schiff kommen muss. Bei früheren Rennen hat dies immer geklappt, innerhalb von 24 Stunden konnte Hilfe geleistet werden. Zudem werden die äusseren Bedingungen zur Zeit des Rennens nicht schlecht sein, man rechnet mit einer Wassertemperatur am Start von 20 Grad und 29 Grad am Ziel, die Lufttemperatur wird zwischen 24 bis 35 Grad liegen. Dass die beiden Ruderer auf dem Boot jederzeit gesichert sein werden, versteht sich von selbst.

Nicht nur die Liebe geht durch den Magen

Und dann haben Dominic Schaub und Florian Ramp auch bei der Wahl der Verpflegung grösste Sorgfalt walten lassen. Dominic erzählt: „Die meisten Bootsbesatzungen haben sich in der Vergangenheit auf gefriergetrocknete Nahrungsmittel gestützt und werden dies auch beim anstehenden Rennen tun. Wir können damit aber wenig anfangen, weil die Speisen geschmacklich zu ähnlich, zu eintönig sind. Wenn wir schon den ganzen Tag Hochleistungen vollbringen, wollen wir uns auf das Essen freuen können. Also entschieden wir uns für uns bekannte Nahrungsmittel, auf solche, die wir beide mögen. Auf „schnelle Verpflegung werden wir nur in Ausnahmefällen zurückgreifen.“ Das Ernährungskonzept wurde von einem Experten erstellt und die beiden Ruderer haben noch das eine und andere ergänzt, zum Beispiel gehören auch Nusstörtli und Schoki zu den 200 Kilogramm Vorrat, die an Bord verstaut werden. Denn Dominic Schaub und Florian Ramp wissen, dass gutes Essen auch gut für die Psyche ist.

Eugen Desiderato