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18.03.2016

Kolumne: Erinnerungen.

Erinnerung an die Begegnung im August 2011 mit Oscar-Preisträger und Hollywood-Legende Maximilian Schell, dem Weltstar, der seine Jugend mit seiner Familie in Zürich verbrachte und in dieser Zeit als Junior dem Grasshopper Club Zürich beitrat. An der Universität Zürich studierte er Philosophie und begann später eine bemerkenswerte Karriere. Als Schauspieler gewann er 1962 einen Oscar und machte sich auch einen Namen als, Regisseur und Produzent. Mit dem GC fühlte er sich bis zu seinem Tod (2014) verbunden. 

Schell: „Schämen Sie sich...“

Diese Begegnung zählt zweifelsfrei zu meinen eindrücklichsten. Dass Oscar-Preisträger und Hollywood-Legende Maximilian Schell GC Freund war, wurde mir klar, als der Weltenbummler als Abonnent des seinerzeitigen GC MAGAZIN wieder einmal sein Domizil gewechselt und prompt die Adressänderung durchgegeben hatte. Er lechzte förmlich nach GC News, was auch später bei seinem Auftritt im ZDF Sportstudio bestätigt wurde. Für jenen Auftritt stellte ich ein GC Trikot zur Verfügung, das Moderator Michael Steinbrecher auf einem Buchregal mit anderen „Trophäen“ platzierte, die Schell im Laufe seines reichen Schaffens als Schauspieler, Produzent, Regisseur und Pianist erhalten hat. Schell steuerte als erstes auf einen Ball und das GC Trikot zu... Damals erzählte er auch, dass seine Liebe zu GC begann, als er als Heranwachsender mit seiner Familie Zürich lebte. Fussballerisch begann er bei Red Star und trat dann zu den GC B-Junioren über und stieg dann zu den A-Junioren auf, wo er u.a. vom legendären Fredy Bickel (spielte 21 Saisons bei den Hoppers) unter die Fittiche genommen wurde, der ihm das Flanken beibrachte, was er, nach eigener Aussage, nie verlernt habe. Schell brachte es bis in die Schweizer Studenten-Nati. Später spielte er aus beruflichen Gründen jeweils in den Reserveteams von 1860 München und Schwarz-Weiss essen, und dann im legendären Promi-Tteam „FC Schmiere“. Die Verbundenheit zum GC blieb.  Jeweils an den Wochenenden rief er, egal wo er sich gerade aufhielt, den Schweizer Sportresultatdienst 164 an, um das GC Ergebnis in Erfahrung zu bringen. 

Zum Zeitpunkt des ZDF Sportstudio-Auftritts kam der Gedanke bei mir auf, Schell um ein Interview zu bitten. Und als wir 2009 mit dem Hintergrund-Magazin „GC Life“ das passende Gefäss geschaffen hatten, nahm ich mit seinem Management Kontakt auf. Die Bitte wurde auch erhört und signalisiert, dass Maximilian Schell gerne zur Verfügung stehe, allein die Terminfrage konnte nicht gelöst werden, zu sehr war der Meister beschäftigt. Immer wieder insistierten wir. Nach zwei Jahren kam dann überraschend die die Rückmeldung, der Oscar-Gewinner habe zwischen Mitte und Ende August 2011 Zeit... Und tatsächlich, am 16. August bekamen wir die Zusage, dass sich die Hollywood-Legende zwei Tage später (!) auf das Interview freue, auf seiner Alm in Kärnten, acht Kilometer von der Zivilisation, bzw. einem kleinen Dorf entfernt, mitten im Wald gelegen. Dort wo er, wie er später betonte, in der Regel keine Gäste empfing, dort wo auch seine berühmte Schwester Maria bis zu ihrem Tod lebte.

Warten auf den Weltstar

Zusammen mit GC Life Redaktor Tobias Erlemann traf ich rechtzeitig in der Abgeschiedenheit ein, der Fotograf war auch schon anwesend. Allein von Maximilian Schell keine Spur. Und die Haushälterin beschied uns, dass ihr Chef nicht anwesend sei. Super! Hat er uns vergessen? Sind wir umsonst nach Kärnten gereist? Fragen schossen uns durch den Kopf während uns zwei Hunde die Wartezeit verkürzten. Über den Verbleib ihres Herrchen bekamen wir aber auch von ihnen keine Informationen. Aber, eine halbe Stunde später war dann Motorengeräusch zu hören. Ein schwarzer Audi Quattro schoss auf dem Feldweg daher und bog auf den Vorplatz ein. Ein äusserst beweglicher Achtziger schwang sich aus dem Auto und rief uns zu: „Habt ihr einen Ball? Ich will jonglieren.“ Der Weltstar präsentierte sich ganz ohne Allüren und lud zunächst zu einer Nockerlsuppe mit belegten Brötchen. Wir konnten uns ausgiebig unterhalten, auch beim anschliessenden Kaffee mit Süssigkeiten. Ganze zwei Stunden erzählte Maximilian Schell aus seinem Leben und Schaffen. Zum Beispiel auch von seiner Arbeit mit Filmgrössen wie Marlon Brando, Sean Connery oder Marlene Dietrich. Aber Fussball-Details wurden vertieft behandelt. So erinnerte sich z.B. Maximilian Schell an zwei starke Verteidiger namens Steffen und Gyger. Als ich gestand, mich beider nicht zu erinnern, gab er seiner Kommunikationsmitarbeiterin Frau Pfeifer den Auftrag am PC zu recherchieren. Sie kam mit einem Wikipedia-Dokument zurück: „... Steffen und Gyger bildeten während Jahre ein legendäres Verteidiger-Duo der Schweizer Nationalmannschaft....“. Schell triumphierte, lachte, und zu mir gewandt. „Schämen Sie sich...“

"GC hätte Christian Gross nie ziehen lassen dürfen..."

Ich liess mich gerne von einem absolut „normalen“ Weltstar informieren, der bei unserer Begegnung zwischendurch auch etwas von seiner Schauspielkunst preisgab, etwa wenn er philosophisch von seinem Sportlerleben berichtete. Jedoch nie abgehoben, immer offen und zugänglich. Sympathisch, wie er seinen Spass am Gespräch mit den GC Leuten bekundete. Er hielt aber auch nicht mit Kritik zurück: „Einen Trainer wie Christian Gross hätte der Grasshopper Club Zürich nie ziehen lassen dürfen...“ warf er nicht nur einmal in die Runde. Und gegen Ende des Gesprächs konnte auch der Fotograf noch seiner Arbeit nachgehen, nicht ohne „Regie-Anweisungen“ des Stars: „Machen wir die Bilder hinter dem Haus, dort ist das Licht besser...“. Der Profi hat gesprochen... 

Eugen Desiderato

 

MAXIMILIAN SCHELL, geboren: 8. Dezember 1930, Wien, gestorben: 1. Februar 2014, Innsbruck. Er war Schauspieler, Regisseur und Produzent mit österreichischer und schweizerischer Staatsangehörigkeit. Er gewann 1962 den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in Das Urteil von Nürnberg.