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GC Fussball | 27.05.2016

"King Roy" Hodgson und ich

Mit insgesamt 19 Cheftrainern arbeitete ich beim Grasshopper Club Zürich zusammen, chronologisch von Ottmar Hitzfeld bis Michael Skibbe. Darunter waren Marcel Koller und Ciriaco Sforza, mit denen ich schon zu deren Zeit als Spieler engen Kontakt hatte. 19 Cheftrainer, das heisst 19 starke Persönlichkeiten. Anpassung meinerseits war gefordert. Zum Beispiel auch bei Roy Hodgson. Er war genau in der Mitte seiner bisherigen 19 Trainer-Stationen (in Schweden, England, Italien und der Schweiz) als Cheftrainer beim Grasshopper Club tätig. Seit 2012 lebt und arbeitet er wieder in seinem und des Fussballs Mutterland und ist mit seiner Nationalmannschaft erfolgreich, die ohne Punktverlust und neun Punkten Vorsprung vor der zweitplatzierten Schweiz in der EM Qualifikation brillierte.  

Als damaliger Radiojournalist habe ich Roy Hodgson anlässlich seiner Tätigkeit bei Neuchâtel Xamax und dann bei der Schweizer Nati kennen gelernt. Bei der WM 1994 in den USA war er den Journalisten gegenüber sehr zuvorkommend, stand fast immer und überall für ein Gespräch zur Verfügung, auch wenn es von der allgegenwärtigen Security nicht gern gesehen war. So lief er dann schon mal zu uns Wartenden über den grossen Parkplatz vor dem Teamhotel, weil ein Treffen in der Hotellobby aus Sicherheitsgründen vom WM-Veranstalter nicht gestattet und kein offizieller Medientermin angesetzt war. Kapriziöser gab er sich hingegen bei anderen Gelegenheiten. Zum Beispiel erinnere ich mich an ein Auswärtsspiel im August 1995 (EM Quali 2:0 für die Schweiz) auf Island, als er nach dem Abschlusstraining partout kein Statement in die Mikrofone geben wollte und stattdessen anbot, abends nach dem Essen im Mannschaftshotel zur Verfügung zu stehen. So musste das Grüppchen der Radiojournalisten eine halbe Stunde durch Reykjavik fahren, im Spielerhotel angekommen liess er uns warten, bis er in kleiner Runde auch noch den Schlummerbecher genossen hatte. Für die Radioleute wurde es ein langer Abend, so dass das Statement des Nati-Trainers erst am nächsten Tag ausgestrahlt werden konnte...

Die Sache mit SR Delémont

Dennoch war die Freude meinerseits gross, als der Startrainer, der nicht nur in Schweden und Italien erfolgreich gearbeitet, sondern auch die Schweizer Nati an die WM in den USA und die EM in England geführt hatte, zum Grasshopper Club Zürich stiess. Dass sich die Zusammenarbeit nicht immer einfach gestalten würde, musste ich bald einmal feststellen. Stimmten die sportlichen Ergebnisse war’s ein Schoggi-Job, mit und für den Weltmann und Gentleman zu arbeiten. Blieben die Erfolge aus, war hingegen bezüglich Medienarbeit manche Diskussion nötig. Eitel war Roy Hodgson, wenn es darum ging, wie oft er im von mir verantworteten GC MAGAZIN porträtiert wurde. Der Eindruck, dass Staff-Mitglieder oder Spieler eher im Fokus standen, war bei ihm fest verankert. In Gesprächen konnte ich ihn überzeugen, dass dies nicht so war – bis er wieder anderer Meinung war. Aber einmal wurde die Zusammenarbeit echt auf die Probe gestellt. Dazu muss man wissen, dass die Hoppers in den (wenigen) Begegnungen gegen SR Delémont jeweils Mühe bekundeten und keinen Vollerfolg landen konnten. Auch unter Roy Hodgson verlor das Team auswärts, ehe im Rückspiel vor heimischen Publikum endlich der erste Sieg gelang. Als Einleitung zur Pressekonferenz nach dem Spiel gratulierte ich Roy Hodgson zu diesem Erfolg, was der Engländer in den falschen Hals bekam. Er stellte vor versammelter Presse klar, dass er es nicht hinnehme, vom eigenen Pressechef blossgestellt zu werden, bezeichnete mich als zynisch und verliess den Presseraum des altehrwürdigen Stadion Hardturm um umgehend bei der Klubführung meine Absetzung zu verlangen. Einen Tag später, wieder auf „Betriebstemperatur“ angelangt, rückte er aber wieder von seiner Forderung ab. Danach wurde die Zusammenarbeit bis zu seiner Demission wieder in der selben Weise professionell und kollegial weitergeführt. Und auch noch heute macht es Freude, ihn zu treffen. Der Gentleman und Sportsmann wird wissen, dass ich ihm und seinem Team an den EM Spielen die Daumen drücken werde.