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EINE LEIDENSCHAFT, ZWEI JUBILÄEN
Foto: GC

EINE LEIDENSCHAFT, ZWEI JUBILÄEN

Heidi und Pascal Raemy durften gleich auf zwei Jubiläen anstossen: Vom 25. Januar bis 1. Februar 2026 fand die 50. Durchführung des Schoeller-Cups statt, das Ehepaar selbst leitete das Turnier bereits zum 10. Mal. Wie sich das Turnier seit seiner Lancierung verändert hat, was den Cup auszeichnet und wie das Tennis die beiden zusammengeführt hat, verrät das Dreamteam im Interview.

GC INSIDER: Der Schoeller-Cup ist das grösste Senioren-Hallen-Turnier der Schweiz. Was macht ihn so speziell?

Pascal Raemy: Am Schoeller Cup herrscht immer eine sehr familiäre Atmosphäre und eine gemütliche Stimmung in der Halle. Auf dem Platz wird mit Namensschildern angeschrieben, wer gerade spielt, was vor allem für die Zuschauerinnen und Zuschauer von Vorteil ist. Wir spielen seit vielen Jahren im Spielmodus Tableau Avancée, das heisst, besser klassierte Spieler steigen erst später ins Turnier ein, wenn sich die weniger gut klassierten Spieler bereits miteinander gemessen haben.

Heidi Raemy: Zudem stellt die Klinik Hirslanden den Teilnehmern während der ganzen Turnierwoche kostenlose Physiotherapie zur Verfügung. Aus all diesen Gründen können wir auf viele treue Teilnehmer zählen, sogar aus dem Welschland reisen Spieler an. Wir haben jeweils rund 130 Anmeldungen, das sind mehr als an der Schweizermeisterschaft.

Der Schoeller-Cup wurde dieses Jahr zum 50. Mal durchgeführt. Wie habt ihr dieses Jubiläum gefeiert?

Heidi: Wir haben mit 75+ eine neue Kategorie geschaffen und für deren Sieger einen vom Organisationskomitee gestifteten Teller gravieren lassen. Ob wir die Kategorie nun jedes Mal durchführen, wissen wir noch nicht. Zudem haben alle Teilnehmer eine SIGG-Trinkflasche mit Gravur der Sponsoren und dem Schriftzug «50 Jahre Schoeller-Cup» erhalten. Und da der Sport für das Organisationskomitee im Vordergrund steht, wurde anlässlich unseres Jubiläums eine grosse Spende an die Organisation «Right to Play» überreicht, das Kinder auf der ganzen Welt dabei unterstützt, sich spielerisch weiterzuentwickeln.

Was hat sich seit Beginn des Cups verändert?

Pascal: Als der Cup 1975 zum ersten Mal durchgeführt wurde, gab es noch keine Alterskategorien. Die Spieler wurden einander je nach Klassierung zugeteilt. Später wurden die Kategorien 45+, 50+, 55+, 60+ und 65+ eingeführt, und vor ein paar Jahren kam die Kategorie 70+ hinzu. Dadurch stieg die Anzahl der Teilnehmer und somit auch die Länge des Turniers stetig an. Heute dauert es acht Tage.

Heidi: Früher war der Schoeller-Cup ein internationales Turnier (ITF), das viele ausländische Spieler anlockte. Mit der Einführung des Tableau Avancée wurde er aber nicht mehr als internationales Turnier anerkannt. Trotzdem sind uns ein paar internationale Gäste treu geblieben.

Auch ihr persönlich feiert ein Jubiläum: Ihr organisiert das Turnier bereits seit 10 Jahren. Wie kam es dazu, dass ihr dieses Amt übernommen habt?

Pascal: Ich habe damals schon am Cup teilgenommen und Heidi war als Fan immer dabei. Dabei hatten wir einmal erwähnt, dass wir beide Officials von Swisstennis sind, also die Prüfung zur Turnierleitung absolviert haben, und auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken können. Heidi hat beispielsweise 15 Jahre lang im Sportcenter Blue Point Uster Tennisturniere geleitet, in Wetzikon haben wir gemeinsam Turniere mit bis zu 100 Teilnehmenden durchgeführt. Schliesslich wurden wir vom damaligen Präsidenten des Schoeller-Cups sowie dem Präsidenten von GC Tennis Couvert angefragt. Unsere Bedingung war, dass wir die Leitung zu zweit übernehmen können.

Euch verbindet die Leidenschaft zum Tennis. Wie seid ihr zu diesem Sport gekommen?

Pascal: Da ich nur etwa 200 Meter vom Tennisclub Genf entfernt aufgewachsen bin, habe ich dort mit 9 Jahren als Balljunge eines Tennislehrers angefangen. Mit 10 Jahren erhielt ich einen Schläger und begann, all die Tipps, die der Tennislehrer seinen Schülerinnen und Schülern gegeben hatte, selbst umzusetzen. Das grösste Highlight meiner Tenniskarriere war der Vize-Schweizermeistertitel in der Kategorie 45+.

Heidi: Ich kam erst mit etwa 25 Jahren durch Kolleginnen zum Tennis. Als dann mein erstes Kind kam, machte ich eine Pause, stieg später aber dafür umso intensiver ein. Ich spielte Interclub und war auch einmal Captain. Heute spiele ich keine Einzel mehr, nur noch Doppel. Und dieses Jahr spiele ich ein letztes Mal Interclub. Wir beide haben mittlerweile eine neue Leidenschaft: Padel. Das ist ideal, weil man es im Doppel spielt.

Habt ihr euch auch beim Tennis kennengelernt?

Pascal: Ja, ich war Juniorenobmann der Vereinigung Zürich Oberland, Heidi leitete die Junioren des TC Gossau ZH. Wir hatten mehrere gemeinsame Sitzungen, dabei sind wir uns nähergekommen.

Verläuft euer Teamwork am Schoeller-Cup jeweils harmonisch, oder gibt es auch Reibereien?

Heidi: Da wir beide dieselbe Leidenschaft teilen, verstehen wir uns sehr gut. Natürlich gibt es manchmal auch Meinungsverschiedenheiten, aber diese können wir jeweils gut klären.

Wie viel Aufwand bedeutet die Organisation eines solchen Turniers?

Heidi: Wir beginnen jeweils im August mit Sitzungen, Planung und der Ausschreibung auf Swisstennis. Bis zum zweiten Wochenende im Januar können sich die Spieler anmelden und dann beginnt Pascal mit der Auslosung und dem Spielplan.

Pascal: Das ist sehr intensiv und nimmt in der Regel ein ganzes Wochenende in Anspruch. Mein Schatz hat ein super Gedächtnis und kontrolliert die Spielpläne am Schluss. Ich staune immer wieder, was sie alles nebenbei abspeichert, wenn sie beispielsweise einen Blick auf den Plan wirft und meint: «Aber der hier hat am Mittwochnachmittag doch gar keine Zeit.»

Heidi: Am Turnier selbst teilen wir uns auf. Ich übernehme die Leitung tagsüber, Pascal am Abend bis Mitternacht.

Pascal, du nimmst immer noch am Schoeller-Cup teil und hast dieses und letztes Jahr den zweiten Platz in der Kategorie 60+ ergattert. Zudem arbeitest du in der IT-Security. Wie kriegt man all das und die Turnierleitung unter einen Hut?

Pascal: Der Cup ist jedes Jahr ausgebucht, es gibt Wartelisten, was die Organisation natürlich anspruchsvoll macht. Da wir die Organisation aber zu zweit stemmen und relativ flexibel sind, klappt das ganz gut und ermöglicht es mir sogar, selbst teilzunehmen.

Heidi: In der Turnierwoche müssen wir natürlich alle anderen Hobbies wie Padel, Tischtennis, Wandern oder Linedance auf Eis legen und leben ziemlich aneinander vorbei. Dafür haben wir uns dieses Jahr nach dem Turnier ein paar Tage Erholung im Bregenzerwald gegönnt.

Darf der Schoeller Cup weiter auf euch zählen oder denkt ihr schon ans Aufhören?

Heidi: Wir schätzen den Kontakt zu den Teilnehmern, die sich immer wieder für die tolle Organisation bedanken, sehr. Deshalb werden wir die Leitung auch weiterhin gerne übernehmen.

 

Pamela Schefer

  • Anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums des Schoeller-Cups erhielt der Sieger der neuen Kategorie 75+ einen gravierten Teller (links). Foto: GC
  • Der Schoeller-Cup erfreut sich grosser Beliebtheit und lockt jeweils bis zu 130 Spieler an. Foto: GC
  • Dank Namensschildern sehen die Zuschauerinnen und Zuschauer, wer gerade spielt. Foto: GC
  • Die Teilnehmenden und die Gäste schätzen die familiäre Atmosphäre. Foto: GC
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