GC: Andi, du übernimmst das Amt des Zentralpräsidenten von Peter Fanconi. Wie fühlt es sich an, an der Spitze des grössten polysportiven Clubs der Schweiz zu stehen?
Andi Csonka: Es erfüllt mich mit Respekt, Freude und Demut. Meine Geschichte mit dem GC reicht ins Jahr 1980 zurück, als ich als kleiner Knirps in der Rudersektion als Steuermann und Leichtgewichtsruderer begann. Der Club hat mich geprägt – auf dem Wasser und an Land. Dass ich nun, nach acht Jahren Wirken im Zentralvorstand, als Zentralpräsident dieses Zahnrad im Getriebe übernehmen und den Club gemeinsam mit dem Zentralvorstand sowie den Sektionspräsidentinnen und Sektionspräsidenten weitergestalten darf, ist für mich eine echte Herzensangelegenheit.
In deinen Antrittsworten hast du fünf Kernpfeiler formuliert. Einer davon ist die «Subsidiarität». Was heisst das konkret?
Der Grasshopper Club Zürich lebt von seiner Vielfalt mit zwölf starken Sektionen. Für mich ist zentral: Der Zentralvorstand soll unterstützen, Rückhalt geben und verbinden – aber nicht abhängig machen. Die Gestaltungskraft liegt in den Sektionen selbst. Sie sind die treibenden Kräfte unseres Clubs. Sie sollen nachhaltig auf eigenen Beinen stehen und ihren Sport aktiv gestalten. Dass dieses Prinzip über Jahrzehnte funktioniert hat, ist das Verdienst meiner Vorgänger. In diese Fussstapfen trete ich konsequent und mit Überzeugung.
Ein weiterer Pfeiler ist die «selbst entwickelte Spitzenleistung». Ist das eine klare Haltung gegen eingekauften Erfolg?
Absolut. Seit 45 Jahren stehe ich für die Förderung sportlicher Spitzenleistung ein. Spitzenleistung sichert unseren Stellenwert – und bildet die Grundlage für einen starken Breitensport. Aber nachhaltig ist nur selbst entwickelte Spitzenleistung. Der blosse Einkauf von Kernkompetenzen schwächt und erodiert langfristig die Substanz.
In den 1990er-Jahren durfte ich als Elite-Trainer der GC-Ruderer erleben, wie wir Athleten wie Xeno Müller durch konsequente, systematische Nachwuchs- und Trainingsarbeit an die Weltspitze führten. Wer eigene Trainer und Talente entwickelt, bleibt langfristig relevant. Das war – und soll – eine Stärke unseres 140-jährigen Clubs bleiben.
Du bist Miteigentümer und Chief Strategy Officer beim Zürcher HealthTech-Unternehmen Evoleen, davor warst du CEO bei Datasport. Wie fliesst dein geschäftliches Wirken in dein Ehrenamt ein?
Mein Berufsleben war immer davon geprägt, Brücken zu bauen – zwischen Wirtschaft, Technologie, Gesellschaft und Sport. Ob bei der Transformation der saudischen Kapitalmarktaufsicht vor rund 20 Jahren oder bei der Digitalisierung des Ausdauerbreitensports bei Datasport: Es geht darum, Systeme so zu gestalten, dass Leistung und Zukunftsfähigkeit möglich werden. Diese Erfahrungen helfen mir, Komplexität zu meistern und strategische Kontinuität im Club zu sichern. Wir wollen Schnellschüsse vermeiden – damit unsere Relevanz in der Stadt Zürich und im Schweizer Sport über Generationen hinweg erhalten bleibt.
Die «Zürich-DNA» betonst du stark. Spürt man sie noch im Spitzensport?
Sie ist essenziell. Das Amt verlangt nicht nur Sachverstand, sondern auch Liebe und Verständnis für unsere Stadt. Sport spielt eine zentrale Rolle in einer leistungsfähigen Gesellschaft. Unsere seit über 140 Jahren gewachsene Grasshopper-DNA trägt diese Haltung in die Stadt, in die Schweiz und international. Gleichzeitig ist die Stadt Träger unserer Sportinfrastruktur. Zudem bewegen wir mit unserem Angebot die Stadt und den Kanton Zürich auf relevante vielfältige Weise. Diese Fähigkeit und Erfahrung wollen wir bewahren – und wenn möglich noch stärker ausprägen.
Du engagierst dich seit Jahrzehnten ehrenamtlich. Woher nimmst du diese Energie?
Sport ist für mich ein «Meta-Layer» – eine Ebene, die unsere Gesellschaft verbindet und zusammenhält. Er gehört für mich einfach dazu. Ich bin kein Mitschwimmer. Ich will mitgestalten. Das heisst auch, Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen.
Ich hatte das Privileg, so erzogen worden zu sein, dass monetäre Anreize für mein Engagement keinen Wert haben. Mein Lohn ist der Impact – die positive Wirkung, die ich gemeinsam in «Winning Teams» für eine breitere Öffentlichkeit erzielen kann. Ich wünsche mir Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die ähnliche Werte leben. Im GC brauchen wir Menschen, die professionell exzellent arbeiten und gleichzeitig mit Freude ehrenamtlich Verantwortung tragen.
Diese Leidenschaft wird in unseren Sektionen Tag für Tag gelebt. Und genau deshalb wird der Grasshopper Club Zürich auch in den nächsten 140 Jahren eine prägende Kraft für unsere Stadt bleiben.
Grasshopper Club Zürich


