GC INSIDER: Mark, herzliche Gratulation zu deinem Weltmeistertitel! Anfang September hast du in Perth erstmals die Masters-Weltmeisterschaft gewonnen. Wie hast du den Moment erlebt, als du den entscheidenden Punkt gemacht hast?
Mark Woodliffe: Der Sieg war ein unglaublich euphorischer Moment und gleichzeitig ein wenig surreal. Es war der letzte Titel, der mir noch gefehlt hat. Damit ging mein Lebenstraum in Erfüllung. Ich konnte es kaum glauben. Beim Stand von 4:7 im fünften Satz sah es nicht besonders gut für mich aus, aber ich wusste, dass ich weiterkämpfen würde. Zum Glück gelang mir noch ein starker Schlussspurt.
Das Finale gegen Willie Hosey war mit fünf Sätzen hart umkämpft. Was ging dir durch den Kopf, als dein Gegner nach deiner 2:0-Führung wieder ausgleichen konnte?
Der vierte Satz war nicht nach Plan verlaufen! Willie Hosey ist ein grossartiger Champion, und ich wusste, dass er immer bis zum letzten Punkt alles gibt. Zwischen dem vierten und dem fünften Satz versuchte ich, mir bewusst zu machen, dass meine Familie und enge Freunde ihre Wecker auf drei oder vier Uhr morgens gestellt hatten, um das Spiel live zu verfolgen. Obwohl Willie im fünften Satz in Führung ging, dachte ich beim Stand von 5:7 kurz vor meinem Aufschlag wieder an sie alle. Das gab mir enorme Motivation, und irgendwoher fand ich noch einmal neue Energie!
In den vergangenen Jahren hattest du immer wieder mit gesundheitlichen Problemen und Verletzungen zu kämpfen. Wie schwierig war der Weg zurück auf den Court und was bedeutet dir dieser Weltmeistertitel gerade deshalb?
Eine Achillessehnenverletzung vor 30 Jahren führte immer wieder zu Problemen mit meiner linken Wade. Zudem wurde vor dreieinhalb Jahren Muskelrheuma diagnostiziert. Ich stellte meine Ernährung um und passte mein Training an, um mit diesen Herausforderungen umgehen zu können. Trotz Momenten des Zweifels war ich stets entschlossen, alles zu tun, was in meiner Macht stand, um wieder spielen zu können. Es war ein langer Weg, aber meine Frau Patricia und meine vier Kinder unterstützten mich unermüdlich und glaubten immer an mich. Ich verdanke ihnen unglaublich viel, und dadurch war der Sieg umso schöner.
Du bist seit 2003 mit GC Squash verbunden und warst während vieler Jahre als Spielertrainer der ersten Mannschaft tätig. Wie bist du damals zu GC gekommen und woran erinnerst du dich besonders gerne aus deinen Jahren in Zürich?
Mein Freund Dave Morrish, der ebenfalls als Squash-Trainer in der Schweiz tätig war, und Andrew Marshall, ehemaliger Trainer bei GC, informierten mich darüber, dass GC einen neuen Trainer suchte, und stellten den Kontakt zum damaligen Präsidenten Mike Widmer her. Nachdem ich Mike im Sommer 2003 besucht hatte, trat ich Anfang Oktober meine Stelle an – rechtzeitig zum Beginn der neuen Saison.
Von 1991 bis 1996 war ich Trainer im Van der Merwe Centre in Allschwil gewesen, bevor ich für sieben Jahre nach England zurückkehrte. Es war schön, für GC wieder in der Schweiz zu kommen, auch wenn ich mich erst an die Unterschiede zwischen «Baseldüütsch» und «Züridüütsch» gewöhnen musste. Ich fühlte mich aber schnell zu Hause und fand rasch meinen Rhythmus – sowohl beim täglichen Coaching als auch bei den Matches mit der ersten Mannschaft.
Du hast GC Squash über viele Jahre begleitet und mitgeprägt. Wie hat sich die Sektion in dieser Zeit verändert?
Die Squash Sektion ist nach wie vor ein erfolgreicher Mitgliederverein, so wie sie es schon in den Anfangsjahren war. Neben einem lebendigen Clubleben bilden die Nationalliga-Teams und die Juniorenarbeit die beiden weiteren Säulen der Sektion.
Ich habe die letzten Erfolge der beiden A-Teams mit Freude verfolgt, und es ist schön zu sehen, wie die Juniorenabteilung unter der Leitung von Anton Eggmann wächst.
Die wichtigste Entwicklung war der Hallenumbau. Er hat ein solides Fundament geschaffen, auf dem sich der Club in Zukunft weiterentwickeln und wachsen kann.
Als Spielertrainer standest du nicht nur selbst auf dem Court, sondern hast auch andere Spieler begleitet. Was hat dir an dieser Aufgabe besonders gefallen und gibt es Momente oder Erfolge mit der Mannschaft, auf die du besonders stolz bist?
Wer sein Squashspiel verbessern möchte, beginnt bei den technischen Grundlagen, die für alle gleichermassen gelten. Danach liegt für mich als Trainer die Freude und Herausforderung darin, die individuellen Stärken und Schwächen eines Spielers zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten, ohne dabei seine persönliche Spielweise und Kreativität einzuschränken. Diese Herausforderung hat mir auf allen Leistungsstufen immer Freude bereitet – vom Anfänger bis zum Profispieler.
Ich habe viele wunderbare Erinnerungen an die Nationalliga-Spiele mit GC. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir jedoch die beiden Jahre, in denen wir Schweizer Meister wurden: 2011 und 2015.
Du hast während vieler Jahre in Zürich gelebt und bist heute in Hamburg zu Hause. Welche Bedeutung hat GC Squash heute noch für dich?
In den 18 Jahren bei GC sind viele enge Freundschaften entstanden. Mit vielen Freunden stehe ich bis heute regelmässig in Kontakt, und als Familie kehren wir mindestens einmal im Jahr nach Zürich zurück, um sie wiederzusehen. Ein paar Freundschaftsmatches auf dem Court gehören dabei immer dazu.
Mein Vater war beim Militär, und deshalb bin ich es gewohnt, häufig umzuziehen. Bevor ich nach Zürich kam, waren sieben Jahre die längste Zeit, die ich je an einem Ort verbracht hatte. Zürich ist für mich zu einer Heimat geworden, mit der ich mich tief verbunden fühle. Der Grasshopper Club hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt.
Du spielst seit vielen Jahrzehnten Squash und bist mit 65 Jahren noch immer auf höchstem Niveau erfolgreich. Was begeistert dich nach all diesen Jahren weiterhin an diesem Sport und welche Ziele hast du noch?
Squash fasziniert mich nach wie vor. Es ist eine physisch enorm anspruchsvolle Sportart, bei der aber auch Technik, Taktik und vor allem mentale Stärke eine entscheidende Rolle spielen. Diese Kombination ist ziemlich einzigartig, und ich liebe die mentale Herausforderung in hart umkämpften Matches. Solange mein Körper mitmacht, werde ich weiterspielen. Der Squashsport hat mir unglaublich viel gegeben, und ich freue mich darauf, noch viele weitere Matches zu spielen.
Isabel Coret



