Es riecht nach frischer Farbe, der Holzboden erstrahlt in neuem Glanz, die Tische wurden geschliffen, die Bar verkleidet und die Bänke neu gepolstert: Im Restaurant Heugümper weht ein frischer Wind. Nicht nur das Interieur wurde modernisiert, auch das Personal setzt sich neu zusammen: Ende Jahr verabschiedete sich die langjährige Pächterin Pam Angst und übergab das Restaurant ihrem Angestellten Adrian Köhler. Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Astrid Schmid verleiht er dem Heugümper ein Facelift. «Die markanteste Veränderung erfährt wohl das Restaurant im Erdgeschoss», betont er. Im GC Clublokal im Obergeschoss wurde lediglich der Parkettboden aufgefrischt. Einen Grossteil der Arbeit, die die beiden im Januar in den Heugümper gesteckt haben, sieht man nicht auf den ersten Blick: Fenster wurden ausgerichtet, Sanitäranlagen geprüft, Fugen erneuert und Lüftungen gereinigt – viel Aufwand in kürzester Zeit. «Mit den Handwerkern hatten wir grosses Glück», so Köhler. «So fleissige und zuvorkommende Arbeiter findet man selten.» Vielleicht halfen auch die Süssigkeiten, Gipfeli und der gute Kaffee, mit welchen die neuen Pächter die Handwerker regelmässig verwöhnten. «In diesem Haus soll sich jeder wie ein Gast fühlen», betont Köhler.
Verschlungene Wege führten zum Ziel
Den Dienstleistungsgedanken haben Astrid Schmid und Adrian Köhler im Blut. Nach einer Kochlehre absolvierte Adrian auch noch eine Service-Lehre im Baur au Lac und wanderte dann für drei Jahre nach Südafrika aus. Zurück in der Schweiz arbeitete er unter anderem als Geschäftsführer im Chez Fritz und in Strozzi’s Strandhaus, bevor er vor zwei Jahren zum Heugümper stiess. Im Chez Fritz lernte er vor über 20 Jahren die Gastronomiefachassistentin Astrid kennen. Astrid begann ihre Karriere im Hotel Storchen Zürich, zog weiter zum Park Hotel Waldhaus Flims und zum Alten Löwen im Rigiblick, sammelte Erfahrungen im Club zum Rennweg und im Tre Fratelli. Dabei lief sie Adrian immer wieder über den Weg, die beiden arbeiteten mit-, aber auch füreinander. Vor etwa 18 Jahren tauchte bei ihnen erstmals der Wunsch auf, irgendwann gemeinsam ein Restaurant zu betreiben. Vor zwei Jahren wurde der Wunsch konkreter, sie machten sich auf die Suche nach einer Location. Kurz darauf vernahm Adrian, dass sich seine Chefin Pam zurückziehen wollte. «Wir nutzten unsere Chance und sprangen in die Bresche», so der 48-Jährige. Es folgte ein Treffen mit dem Verwaltungsrat der AG Haus zum blauen Täubli, der den neuen Pächtern seinen Segen gab. «Zwischen dem Verwaltungsrat und uns hat es sofort gepasst», freut sich Astrid.
Klassiker und neue Interpretationen
Die beiden sind Pam Angst unendlich dankbar dafür, ein erfolgreiches Restaurant mit einer so beeindruckenden Stammkundschaft übernehmen zu dürfen. «Wir treten in grosse Fussstapfen», weiss Adrian. «Wir freuen uns aber sehr auf die Herausforderung.» Viel wollen sie denn auch nicht umkrempeln. Sie wollen dem Gebäude neues Leben einhauchen und ihre Persönlichkeit einbringen – ohne die Seele des Hauses zu verlieren. Dasselbe gilt für die Speisekarte: Klassiker wie Tatar, Cordon Bleu oder Zürigeschnetzeltes bleiben, anderes wird angepasst. «Wir kochen sehr saisonal und wollen Grossmutters Rezepte neu interpretieren», verrät Adrian. Hinzu kommen wohl auch asiatische Einflüsse – ein Steckenpferd des neuen Chefs de Cuisine Andrin Walter, der bisher als Sous-Chef hinter den Kochtöpfen des Heugümpers stand. Neben Andrin hat Adrian auch den Koch Marvin, der zum Sous-Chef befördert wurde, und den Service-Angestellten Marco aus dem alten Team übernommen. «Unser neues Team setzt sich zusammen aus langjährigen Weggefährten von uns – alles Gastroprofis», schwärmt Astrid.
Von langen Tagen und edlen Tropfen
Astrid und Adrian sind momentan täglich zwölf bis 16 Stunden auf der Baustelle, schliesslich muss bis zur Eröffnung am 2. Februar alles fertig sein. Nicht nur die Partner, auch die Hobbies kommen momentan etwas zu kurz. «Wann immer ich etwas Zeit habe, gehe ich mit dem Hund meiner Eltern spazieren oder flüchte in die Berge», verrät Adrian. Nur dort könne er wirklich abschalten. Astrid findet den Ausgleich eher bei einem spannenden Buch und einem guten Glas Wein. Wein ist ihre grosse Leidenschaft. Das wird sich auch auf der neuen Weinkarte widerspiegeln, die Tropfen aus ganz Europa umfasst. Einen Favoriten hat Astrid aber nicht. «Ich wähle Weine sehr situativ, je nachdem, wie ich mich fühle.»
Teil der GC Familie
Mit der Übernahme des Heugümpers gehören die beiden nun auch zur GC Familie. «Ich kam erst mit GC in Kontakt, als ich vor zwei Jahren im Heugümper begann», erzählt Adrian. Er habe aber schnell gemerkt, dass die zwölf Sektionen sehr interessante Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zu bieten hätten. «Die GC Mitglieder leben den sportlichen Gedanken im eigentlichen Sinn: Sie sind wie eine Familie und schauen zueinander», fügt Astrid hinzu. Sie freue sich darauf, noch viele von ihnen kennenzulernen.
Auf einen grossen Eröffnungsanlass verzichten die beiden. «Dafür hätten wir Einladungen an ausgewählte Personen verschicken müssen, das widerspricht unseren Grundsätzen», erklärt Adrian. «Wir wollen allen dieselbe Aufmerksamkeit schenken. Die Verwaltungsratspräsidentin wird genau gleich behandelt wie der Bauleiter.» Deshalb heissen sie am 2. Februar jede und jeden willkommen, der im hektischen Zürich einen Moment der Ruhe sucht und sich verwöhnen lassen möchte.
Pamela Schefer


