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Ausbildung und Spitzensport – GC Basketballer rüsten sich für die Zukunft

Ausbildung und Spitzensport – GC Basketballer rüsten sich für die Zukunft

Derzeit besuchen sechs GC Basketballspieler im Alter von 16 bis 18 Jahren die Sport Academy Zurich. David, Enes, Tim, Liam, Claudio und Marvin träumen von einer Karriere im Spitzensport, möchten aber auch eine Ausbildung abschliessen. Beides ist möglich – und macht die jungen Spielerinnen und Spieler erfolgreich.

Als Teenager kommen viele Sportlerinnen und Sportler an einen Wendepunkt: Es gibt immer mehr zu tun, und immer weniger Zeit dafür. Mit Beginn einer Ausbildung fehlt für den Sport oft die Flexibilität und Zeit – gerade auf höchstem Niveau, wo die Trainings intensiver werden. Sechs junge GC Basketballtalente möchten ihren Traum einer Spitzenkarriere aber nicht aufgeben. Deshalb besuchen sie die Sport Academy Zürich. Einer davon ist Tim Weder. Er ist 16 Jahre alt und absolviert seit Sommer 2022 eine KV-Lehre an der Sportschule. «Ich kann jedes Morgen- und Abendtraining besuchen und gleichzeitig die KV-Ausbildung absolvieren», so der 16-jährige. Diese Trainingsintensität ist für viele neben einer herkömmlichen Lehre nicht möglich. Dass sie aber Wirkung zeigt, stellt Trainer Luka Beks fest. Tim verbessere sich bei jedem Training und gebe auf dem Platz immer alles. Leicht sei es trotzdem nicht, meint Tim: «Voraussetzungen dafür sind Disziplin, Ehrgeiz und Motivation.» Auch Liam Burgwal besucht die Sport Academy Zurich. Im letzten Jahr war er Captain der GCU16-Mannschaft, aktuell ist er verletzt. «Mein Stundenplan wird an meine Trainingszeiten angepasst, was mir sehr hilft», erklärt Liam das Prinzip.

Weil die Jugendlichen neben ihrer Leidenschaft für den Sport auch ihre Ausbildung weiterverfolgen können, entwickeln sie sich sowohl sportlich als auch beruflich weiter. Das bestätigt Mathias Kasapidis, Ausbildungscoach an der Academy. Im Interview erzählt er, wie die im Sport gesammelten Erfahrungen auf unterschiedliche Art und Weise zu einem Vorteil im späteren Leben werden können.

GC INSIDER: Wie können Athletinnen und Athleten Fähigkeiten, die sie im Sport erlernt haben, auch in anderen Lebensbereichen nutzen?
Mathias Kasapidis: Spitzensportler haben gemeinsam, dass sie eine positive und disziplinierte Einstellung haben, die sie dazu bringt, sich für das, was sie tun, voll einzusetzen. Sie sind es gewohnt hart zu arbeiten, um ein Ziel zu erreichen, und sie wissen, dass sie beständig und intensiv üben müssen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Sie lernen, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen, sich Herausforderungen zu stellen und diese zu überwinden. Diese Eigenschaften kommen ihnen im Sport zugute und werden ihnen garantiert auch im Leben nützlich sein.

Welche Eigenschaften zeichnen sie aus?
Es ist von grundlegender Bedeutung, zu lernen, sich selbstkritisch zu betrachten, seine Stärken zu nutzen und seine Schwächen zu verbessern. Sportlerinnen und Sportler lernen, Fehler als Wachstumsprozess zu akzeptieren, Schwierigkeiten und unvorhergesehene Ereignissen mit einer positiven Einstellung zu begegnen und zu versuchen, aus jeder Situation das Beste herauszuholen. Ein Mannschafts- und Spielsport wie Basketball beispielsweise lehrt Teamarbeit, sich immer wieder an neue Situationen anzupassen und sein Bestes für das Gemeinwohl zu geben. Zweifellos können diese Eigenschaften, die in der Arbeitswelt heute als Soft Skills bezeichnet werden, bei einem Vorstellungsgespräch oder auf dem Lebenslauf ein entscheidender Pluspunkt sein.
Der Erfolg der Sportler hängt also nicht nur von ihnen selbst ab. Es gibt äussere Faktoren, die die sportliche Karriere beeinflussen können: Gesundheit, Familie, Trainer und manchmal auch das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. All dies erfordert natürlich grossen persönlichen Einsatz, Willenskraft und Commitment. Das Ziel als Coach oder Mentor besteht für mich darin, den jungen Talenten Werte zu vermitteln oder zu festigen, die ihnen im Leben und in jeder Situation von Nutzen sein werden.

Viele Sportstudentinnen und -studenten träumen von Amerika. Was würdest du ihnen raten, wenn sie diesen Traum verwirklichen möchten?
Zuallererst müssen sie verstehen, wer sie sind, was sie wirklich wollen und wieviel sie bereit sind, dafür zu geben. Es ist auch wichtig, eine realistische Vorstellung von den Möglichkeiten zu haben. Der Besuch eines Colleges und die Fortsetzung der Sportstudententätigkeit ist gerade im Basketball sicherlich für viele ein Traum, der wiederum von mehreren Faktoren abhängen kann. Einerseits sind die Chancen nicht in allen Sportarten gleich. Beim Basketball zum Beispiel gibt es in Amerika so viele talentierte Spielerinnen und Spieler, dass es viel schwieriger ist, einen Platz zu finden als in anderen Sportarten. Andererseits gibt es auch einen wirtschaftlichen Faktor. Ohne ein Stipendium ist das College finanziell sehr teuer. Weiter gibt es den psychologischen Aspekt. Wir leben in einem sicheren Land, das jungen Menschen sowohl akademisch als auch beruflich viele Möglichkeiten bietet. Nicht jeder möchte das Risiko eingehen, ins Ausland zu ziehen und alles für den Moment zurückzulassen. Trotzdem würde ich mir generell wünschen, dass mehr junge Sportlerinnen und Sportler die Chance ergreifen und ins Ausland ziehen, ihre Komfortzone verlassen und ein gut kalkuliertes Risiko zugunsten ihrer Leidenschaft eingehen.

Interview und Text: Elisabetta Negri

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