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«Eine Basketball-Mannschaft ist wie ein Puzzle»

«Eine Basketball-Mannschaft ist wie ein Puzzle»

Luka Stiplosek, Cheftrainer der ersten Herrenmannschaft von GC-Basketball, hat nach dem Vize-Meistertitel in der Nationalliga B im vergangenen Jahr hohe Erwartungen für die neue Saison.

GC INSIDER: Luka, dies ist Deine vierte Saison als Chefcoach der Basketball-Herrenmannschaft von GC in der Nationalliga B. Letztes Jahr wart ihr Vizemeister. Wollt ihr dieses Jahr wieder um die Meisterschaft mitspielen?
Luka Stiplosek: Ja, das ist unser Ziel. Wir haben fast die gleiche Mannschaft wie letztes Jahr. Mit einigen Spielern arbeite ich schon die vierte Saison zusammen. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber anderen Teams. Wir kennen uns untereinander sehr gut, die Spieler kennen meine Systeme, sie kennen mich als Coach. Natürlich haben wir neue Variationen in den Systemen, aber das Grundgefüge bleibt.

Welche anderen Teams sind diese Saison Eure härtesten Konkurrenten im Kampf um den Meistertitel?
Das erste Saisonspiel gegen Pully haben wir in deren Halle mit drei Punkten verloren. Das ist auf dem Papier das stärkste Team der Liga. Aber es gibt weitere schlagkräftige Mannschaften. Villars und Winterthur beispielsweise beschäftigen ausländische Profispieler. Und Fribourg hat eine starke U23-Mannschaft mit den Spielern der dortigen Akademie, die für die Nationalliga A ausgebildet werden. Die Liga ist spannend und ausgeglichen. Es wird kein Team geben, das alle Spiele gewinnt – genauso wenig wie eines, das alle verliert.

Von welchen Spielern erwartest Du in dieser Saison am meisten?
Ich erwarte von allen Spielern, dass sie sich jeden Tag im Training verbessern. Klar, wir haben Führungsspieler wie Mario Gull oder Nicolas Hulliger. Aber Basketball ist ein Teamsport, und jeder einzelne Spieler muss seinen Teil zum Erfolg beitragen. Eine Basketballmannschaft ist wie ein Puzzle, und jeder Spieler ist ein wichtiges Teil.

Welche Spieler haben sich besonders verbessert gegenüber dem letzten Jahr?
Nikola Mladenovski, unser 2,08 Meter grosser Center, hat in diesem Sommer mit dem nordmazedonischen U20-Nationalteam an der Europameisterschaft gespielt. Ihm möchte ich mehr Chancen geben, um zu zeigen, was er kann. Leider war er zu Beginn der Saison verletzt und nicht bei unseren Vorbereitungsspielen mit dabei. Aber auch andere Spieler haben grosses Potenzial.

In welchen Bereichen könnt Ihr euch als Team noch verbessern?
Wir sind ein junges Team, wir bewegen uns gut auf dem Feld. In der Offensive sind wir stark. Mir als Coach ist die Verteidigung aber noch wichtiger. Hier möchte ich weitere Fortschritte sehen. Letztes Jahr hatten wir die zweitbeste Verteidigung der Liga, wir haben am zweitwenigsten Punkte kassiert. Wir müssen ein Team sein, gegen das es sehr schwer ist, zu punkten. Die Intensität in der Verteidigung ist bereits hoch, aber wir können uns bei der Verteidigung gegen Pick-and-Roll, beim gegenseitigen Aushelfen oder in der Kommunikation noch verbessern. So könnten uns möglicherweise drei, vier Steals pro Spiel mehr gelingen. Das Ausboxen beim Rebound ist auch sehr wichtig, da wir kein allzu grosses Team sind.

Ihr hattet letztes Jahr eine grossartige Saison. Wie geht Ihr mit dem Druck um, dies in diesem Jahr wiederholen zu müssen?
Wir stehen nicht unter Druck. Letztes Jahr war Vevey in der Liga – ein Team, das Profispieler und einen Schweizer Nationalspieler unter Vertrag hatte und unbedingt in die Nationalliga A aufsteigen wollte. Im Prinzip war das eine Nationalliga-A-Mannschaft, die in der Nationalliga B spielte. Ein solches Team steht unter Druck. Wir aber müssen uns nur verbessern, das ist für mich das Entscheidende. Wenn wir uns Spiel für Spiel und Training für Training verbessern, sind wir an der Spitze mit dabei.

Manche Eurer Top-Spieler könnt Ihr aber wohl nur halten, wenn Ihr ihnen eine Perspektive bietet, mit der Mannschaft in die Nationalliga A aufzusteigen…
Ja, das stimmt. Aber da gibt es auch den finanziellen Aspekt. Der Verein muss entscheiden, ob wir genug Sponsoren haben, um einen solchen Schritt zu wagen. Zürich ist eine wirtschaftlich starke Stadt, und ich werde oft gefragt, warum es hier kein Nati-A-Team gibt. Zuerst müssen wir aber die sportlichen Voraussetzungen schaffen, sonst müssen wir darüber gar nicht erst nachdenken. Aufgrund der Erfolge des vergangenen Jahres haben wir nun mehr Trainingszeiten in unserer Halle Im Birch bekommen. Und unser Präsident Ronald Gull kämpft dafür, dass wir noch bessere Trainingsbedingungen erhalten. Mit einer weiteren starken Saison haben wir es selbst in der Hand, dass es hier zusätzliche Fortschritte gibt. Momentan haben wir vier Team-Trainings pro Woche und eine zusätzliche Einheit, in der die Spieler individuell ihre Würfe trainieren.

Welche Rolle spielt die GC Basketballakademie für den langfristigen Erfolg?
Wir haben einige Spieler aus der GC-Akademie im Kader, und aus dem jetzigen U18-Team können es drei oder vier Spieler ebenfalls in die erste Mannschaft schaffen. Die Akademie spielt generell eine sehr wichtige Rolle für den Club. Wir brauchen Nachwuchsspieler für die erste Mannschaft. GC ist eine starke Marke, und wir haben die beste Basketballausbildung in der Region. Es ist wichtig, eine über eine breite Basis an Jugendspielern zu verfügen, und die haben wir.

Wie sieht ein typisches Mannschaftstraining bei Euch aus?
Vor dem Training machen wir Fitness und Verletzungsprophylaxe. Im Training wärmen wir uns auf, stretchen und üben anschliessend technische und taktische Grundlagen. Ausserdem versuche ich immer, reale Spielsituationen ins Training einzubauen. So können wir auf dem Feld üben, wie wir damit umgehen. Wir gehen dabei wirklich ins Detail. Im Spiel 5 gegen 5 unterbrechen wir, wenn Dinge falsch laufen, und sprechen sie an. Die Trainings dauern anderthalb Stunden, und während dieser Zeit müssen die Spieler sehr fokussiert sein und hart an sich arbeiten. Gute Trainings führen zu guten Ergebnissen in den Spielen. Meine Spieler wissen, dass ich ausserhalb der Halle ihr Freund bin, aber in der Halle bin ich ein Teufel.

Was machen die Spieler beruflich?
Die meisten sind Studenten, ein paar arbeiten auch. Das ist hart, aber es funktioniert. Manchmal muss ich jemanden freistellen für die Arbeit oder eine Prüfung, das ist klar. Ich bin aber sehr zufrieden, wie meine Spieler ihre Studien und ihre Arbeit mit den Trainings unter einen Hut bringen.

Wie ist der Teamgeist?
Der ist wirklich toll. Die Chemie im Team ist fantastisch, sehr positiv. Meine Spieler sind auch ausserhalb der Halle gute Freunde und verbringen Zeit miteinander. Einige Male pro Jahr feiern wir auch Geburtstage, gehen alle zusammen aus und haben unseren Spass. Ich selbst hatte früher immer meine besten Freunde im Basketballclub.

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