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«ES WAR EIN PERFEKTES RENNEN»
Foto: GC

«ES WAR EIN PERFEKTES RENNEN»

Anfang September sicherte sich GC Ruderer Constantin Feuerstein gemeinsam mit Ivo Loepfe den U23-Europameistertitel im Doppelzweier. Sein Weg dorthin war unkonventionell: Constantin begann spät mit Leistungssport, kämpfte seit Längerem mit Schmerzen im Arm und am EM-Final ausserdem mit erschwerten Startbedingungen. Im Gespräch verrät der 18-Jährige, wie er trotzdem alle anderen Boote hinter sich liess.

GC INSIDER: Was ging dir im Final durch den Kopf, als ihr die Ziellinie als Erste überquert habt?

Constantin Feuerstein: Ich konnte in diesem Moment gar nicht glauben, dass wir tatsächlich gewonnen hatten. Nachdem wir im Halbfinal nicht sehr gut abgeschnitten hatten, mussten wir auf Bahn 5 starten – das ist von den Windverhältnissen her die zweischlechteste Bahn. Als wir nach 500 Metern noch auf Platz 5 lagen, war uns klar, dass wir Gas geben mussten, wenn wir aufs Podest wollen. Nach 1000 Metern waren nur noch Frankreich und Deutschland vor uns. Irgendwo zwischen 1250 und 1300 Metern hörte ich Ivo sagen: «Wir gewinnen das!» Und schliesslich sind wir mit etwa zwei Metern Vorsprung ins Ziel geflogen. Es war ein perfektes Rennen. Auch die anderen Boote konnten kaum glauben, was geschehen war.

Ein Doppelzweier funktioniert nur, wenn zwei Ruderer sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Was macht dich und Ivo zu einem guten Team?

Wir sind eigentlich total gegensätzlich, Ivo ist eher klein, ich bin bestimmt etwa 8 cm grösser, habe längere Arme und Beine. Zudem sind wir beide nicht besonders stark, die Italiener sind beispielsweise viel muskulöser als wir. Was uns aber auszeichnet, ist, dass wir vom Catch bis zum Finish sehr synchron sind, also vom Moment an, wenn die Ruder ins Wasser eintauchen, bis sie wieder aus dem Wasser genommen werden.

Seit wann rudert ihr zusammen?

Ivo und ich sassen im Juni dieses Jahres zum ersten Mal zusammen in einem Boot, als wir damit begonnen haben, im Doppelvierer zu trainieren. Der Doppelvierer wurde dann aufgeteilt, weil ein Ruderer aufgrund von Prüfungen ausfiel. Anfang August, also gut einen Monat vor der EM, starteten wir beide im Doppelzweier. Ich bin ja erst frisch in der U23, Ivo ist bereits die dritte und letzte Saison in dieser Kategorie.

Ist das üblich, dass man erst so kurz vor dem Wettkampf zusammen zu trainieren beginnt und dann auch noch den Europameistertitel gewinnt?

Nein, das ist nicht normal. Um in so kurzer Zeit so weit zu kommen, braucht es dieselbe Idee, und man muss in jeder Session 100 Prozent geben, sonst hat man keine Chance.

Hast du nach einem solchen Erfolg überhaupt Zeit, ihn zu geniessen, oder geht der Blick sofort wieder auf das nächste Ziel?

Man konzentriert sich tatsächlich gleich auf das nächste Ziel. Ich musste zudem nach der EM meinen Unterarm operieren, weil meine Faszien zu eng für den Muskel sind. Das hat mir bei längeren Trainings immer zu schaffen gemacht und nach zwei Jahren Physiotherapie und Massagen war es die letzte Möglichkeit, das Problem in den Griff zu kriegen. So wie es jetzt aussieht, ist die OP geglückt, es verheilt gut. Eine Woche nach dem Eingriff bin ich wieder auf das Indoor-Fahrrad gestiegen und ging Laufen, seit Ende September mache ich auch wieder Krafttraining.

Das war deine dritte Europameisterschaft im polnischen Kruszwica, jedes Mal hast du eine Medaille geholt: 2024 war es noch Bronze im U19-Doppelvierer, 2025 Silber im U19-Doppelvierer und jetzt Gold im U23-Doppelzweier. Was kommt nächstes Jahr?

Es wäre schön, wenn die EM nächstes Jahr an einem anderen Ort wäre, Polen kenne ich nun langsam. Anders als dieses Jahr findet die EM 2027 zudem vor der WM statt, das heisst, dass voraussichtlich mehr Teams antreten, die Konkurrenz noch grösser ist. Wir wollen aber nicht nur an der EM, sondern auch an der WM eine Medaille holen. Zudem hoffe ich, dass ich 2028 ins Elite-Kader aufgenommen werde, auch dafür muss ich mich vorbereiten. Schliesslich steht Olympia auf dem Programm.

Wie gut lässt sich dieser Sport mit der Schule vereinbaren?

Ich besuche das Online-Gymnasium, damit ich Unterricht und Lernen selbst einteilen kann.  2027 werde ich die Maturitätsprüfungen ablegen. Diesen Herbst starte ich aber noch die Spitzensport-Rekrutenschule, die bis im kommenden Frühling dauert.

Viele Ruderer kommen über Familienangehörige zu diesem Sport. Bei dir lief das anders…

Ja, ich habe meine Leidenschaft in einem Fischerboot in Arosa entdeckt. Da meine Familie früher eine Wohnung in Arosa hatte, verbrachte ich da häufig auch meine Sommerferien. Dort mieteten wir hin und wieder auch Pedalos oder Fischerboote auf dem Obersee. Als etwa Siebenjähriger fragte ich mich damals, ob es nicht auch eine Möglichkeit gibt, Rudern als Sport auszuüben. Ich habe es dann aber wieder vergessen und mit Fussball begonnen, was mir aber nie den Ärmel reingezogen hat. Mit etwa zehn Jahren kam ich dann doch zum Rudern, aber erst vor vier Jahren habe ich mit Leistungssport gestartet. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich so schnell so grosse Fortschritte machen und sogar den Europameistertitel holen werde, hätte ich ihm das wohl nicht geglaubt.

Pamela Schefer

  • Trotz erschwerten Startbedingungen überholten Constantin Feuerstein (vorne) und Ivo Loepfe ihre Konkurrenten und sicherten sich so EM-Gold. Foto: GC
  • GC Talent Constantin (l.) und Ivo zeichnet eine hohe Synchronität beim Rudern aus. Foto: GC
  • Constantin (l.) hat seine Leidenschaft für das Rudern in einem Fischerboot in Arosa entdeckt. Foto: GC