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FABIO DORNBIERER: SCHIEDSRICHTER MIT LEIDENSCHAFT

FABIO DORNBIERER: SCHIEDSRICHTER MIT LEIDENSCHAFT

Vor rund vier Jahren hat Fabio Dornbierer seinen Hockeyschläger gegen eine Pfeife eingetauscht: Als Schiedsrichter geniesst er es heute, Landhockeyspiele auf höchstem Niveau aus nächster Nähe mitzuverfolgen. Dass es aufgrund seiner Entscheidungen zu hitzigen Diskussionen kommt, erlebt er selten. Und in Ausnahmesituationen überzeugt er seine Kritiker mit Ruhe, einer klaren Linie – und Bier.

Vor rund vier Jahren hat Fabio Dornbierer seinen Hockeyschläger gegen eine Pfeife eingetauscht: Als Schiedsrichter geniesst er es heute, Landhockeyspiele auf höchstem Niveau aus nächster Nähe mitzuverfolgen. Dass es aufgrund seiner Entscheidungen zu hitzigen Diskussionen kommt, erlebt er selten. Und in Ausnahmesituationen überzeugt er seine Kritiker mit Ruhe, einer klaren Linie – und Bier.

Beeindruckende 26 Jahre lang hat Fabio Dornbierer Landhockey gespielt, bis er mit 32 Jahren den Hockeyschläger wegen einer Hüftarthrose an den Nagel hängen musste. Doch für ihn stand fest, dass er dem Landhockey trotzdem treu bleiben will. «Trainer gibt es bereits genug», so Dornbierer. «Also wurde ich Schiedsrichter.» Beim akuten Schiedsrichtermangel, der auch im Landhockey herrscht, war dies eine weise Entscheidung. «Ohne Schiedsrichter keine Spiele», weiss Dornbierer. Zudem habe er auch als Spieler immer grossen Respekt vor den Schiedsrichtern gehabt. Bereits in seiner ersten Saison als Schiedsrichter durfte der heute 36-Jährige ein Finalspiel der Nationalliga A pfeifen. «2019 fand das Final der Damen in Genf statt», erinnert er sich. «Zu Beginn war ich sehr aufgeregt, doch nach zehn Minuten war die Nervosität verflogen.» Bei den ersten Spielen stand ihm jeweils ein erfahrener Kollege zur Seite, doch eine spezielle Ausbildung zum Schiedsrichter gibt es im Landhockey nicht. «In der Schweiz gibt es einen Schiedsrichterkurs pro Jahr, das muss reichen», so Dornbierer. Es gebe aber mehrere Auswertungen pro Jahr, bei welchen die Arbeit der einzelnen Schiedsrichter bewertet werde. Das helfe, sich zu verbessern.

Verständnis der Spieler ist das A und O

Auf was Fabio Dornbierer von Anfang an zählen konnte, ist die Akzeptanz der Spielerinnen und Spieler. «Es hilft bestimmt, dass ich selbst lange als Spieler im Einsatz stand», ist er sich sicher. Denn wenn man verstehe, was in den Spielern vorgehe, könne man besser auf deren Emotionen reagieren. Neben viel Verständnis seien aber auch Durchsetzungsvermögen, eine klare Linie und Objektivität Eigenschaften, die ein Schiedsrichter mitbringen müsse. Und man müsse Freude an dieser Aufgabe haben. Dornbierer selbst liebt das Amt als Schiedsrichter. «Einerseits ist es spannend, den Sport einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, andererseits trifft man dabei immer wieder auf gute Freunde und Kollegen.» Sowohl mit vielen der Spielerinnen und Spielern als auch mit den anderen Schiedsrichtern pflegt er eine gute Beziehung. «Und seien wir ehrlich: Was gibt es besseres, als Landhockey auf hohem Niveau aus nächster Nähe mitzuerleben?», schmunzelt der Stadtzürcher.

Von Schattenseiten und Nachwuchsförderung

Dass man als Schiedsrichter auch ins Kreuzfeuer geraten kann, hat Fabio Dornbierer aber auch schon erlebt. Er erinnert sich an ein GC Spiel, bei dem einige wenige seiner eigenen Spieler seine Entscheidungen nicht verstehen wollten und ihn während des Spiels verbal angriffen. Das komme zum Glück sehr selten vor. Auch dass es nach dem Spiel zu Diskussionen komme, erlebe er nicht oft. «Bei einem Bier lassen sich solche Meinungsverschiedenheiten meistens aus der Welt schaffen», verrät Dornbierer. Schliesslich habe es in seiner bisherigen «Schirikarriere» vielmehr Highlights gegeben als Diskussionen. So erinnert er sich nicht nur gerne zurück an das erste NLA-Final der Damen in Genf, das er pfeifen konnte. Er stand auch an vielen Halbfinalen im Einsatz, die er genauso spannend findet. «Auch hier geht es um alles, das spürt man auf dem Spielfeld.»
Fabio Dornbierer hofft, dass sich auch viele weitere Spieler oder ehemalige Spieler dazu entscheiden, sich als Schiedsrichter zu engagieren. «Im Landhockey gibt es ohnehin nicht so viele Spielerinnen und Spieler, weshalb viele von ihnen länger aktiv bleiben», weiss er. Seiner Meinung nach müsse man aber schon bei den Juniorinnen und Junioren damit beginnen, sie Spiele pfeifen zu lassen. So beginne man bereits früh mit deren Ausbildung. «Ich bin mir sicher, dass so der eine oder andere sein Talent als Schiedsrichter entdecken würde.»

Grosse Ziele und Leidenschaften

Fabio Dornbierer selbst hat grosse Ambitionen: «Ein Herrenfinal habe ich bisher noch nie gepfiffen, das steht noch auf meiner Wunschliste.» Zudem möchte er irgendwann auch internationale Spiele leiten. Da brauche er aber noch etwas mehr Erfahrung. Um sich weiter zu verbessern, nimmt er jede Gelegenheit wahr: Dornbierer, der als Leiter Administration bei einem Unternehmen für Kälte-, Heizungs- und Lüftungstechnik tätig ist, steht während der Saison fast jedes Wochenende als Schiedsrichter im Einsatz. «Nach meiner Hüftoperation im letzten April war es etwas weniger», verrät er. Zudem müsse er je nach Spielort in der Regel nur zwei bis drei Stunden pro Wochenende aufwenden. So habe er auch Zeit für weitere Hobbys. Sofern seine Hüfte es ihm erlaubt, spielt er unter anderem Tennis, Unihockey, Pingpong oder ist mit seiner Frau auf dem Velo unterwegs. «Und natürlich treffe ich mich gerne mit Freunden, doch da komme ich ja auch während und nach den Spielen auf meine Kosten.»
 

Pamela Schefer

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