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«GC IST MIR ANS HERZ GEWACHSEN»
Foto: zVg

«GC IST MIR ANS HERZ GEWACHSEN»

13 Jahre, unzählige Begegnungen und jede Menge Erinnerungen: Für Walter Schäfer, von allen Walti genannt, war seine Arbeit als Platzwart bei GC Tennis Ouvert weit mehr als nur ein Job. Mit viel Herzblut und Humor wurde er zu einem festen Bestandteil des Vereinslebens. Nun verabschiedet er sich in die Pension und blickt auf eine Zeit voller besonderer Erlebnisse, Freundschaften und unvergesslicher Momente zurück.

GC INSIDER: Walti, wie hat dich dein Weg vor 13 Jahren zu GC Tennis Ouvert geführt?

Walter Schäfer: Als junger Mann war ich beim Sportamt der Stadt Zürich tätig und arbeitete gelegentlich auf der Tennisanlage in der Lengg. Als ich viele Jahre später das Stelleninserat von GC Tennis Ouvert entdeckte, dachte ich mir: Warum eigentlich nicht? Diese grüne Oase mitten in Zürich hatte mich schon immer fasziniert. Heute weiss ich, dass es vor allem die Menschen sind, die diesen Ort so besonders machen.

Dein Vorgänger war fast 38 Jahre lang für GC Tennis Ouvert tätig. Waren das nicht ziemlich grosse Fussstapfen, in die du treten musstest?

Auf jeden Fall! Er war eine richtige Legende, und die Messlatte lag entsprechend hoch. Da fragte ich mich schon, ob ich diesen Erwartungen gerecht werden konnte.

Auch das Bewerbungsverfahren hatte es in sich. Mehrere Vorstellungsgespräche, Betreibungs- und Strafregisterauszüge und sogar ein grafologisches Gutachten. Zwischendurch fragte ich mich, ob ich mich versehentlich für eine hohe Kaderposition bei einer Bank beworben hatte! Im Nachhinein verstand ich aber, weshalb das Verfahren so gründlich war. Vertrauen und Diskretion haben bei GC einen hohen Stellenwert.

Was hat die Zeit bei GC für dich so besonders gemacht?

Ganz klar die Menschen und die familiäre Atmosphäre. Anfangs hatte ich noch eine gewisse Scheu, doch die Mitglieder begegneten mir von Beginn an offen und auf Augenhöhe. Viele boten mir sofort das Du an. Besonders geschätzt habe ich die kleinen Gesten im Alltag: Man begrüsste und verabschiedete sich, und man spürte, dass sich alle wohlfühlten. Auch der Humor kam nie zu kurz. Mit der Zeit kannte ich die Leute besser, und meine kleinen Sprüche und Scherze gehörten bald dazu.

Welche Momente aus den vergangenen 13 Jahren sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Ein Highlight war jedes Jahr der Saisonstart. Nach monatelanger Vorbereitung war es die schönste Belohnung, wenn die Mitglieder auf den frisch hergerichteten Plätzen spielten und sich bei uns bedankten.

Besonders gerne erinnere ich mich auch an die NLA-Meisterschaften. Unsere Plätze hatten einen hervorragenden Ruf und wir wollten den Spielerinnen und Spielern stets perfekte Bedingungen bieten. Aber auch neben dem Platz war einiges los. Unsere junge NLA-Truppe hat unglaublich viel Energie und Humor. Ich habe die Spielerinnen und Spieler unterstützt, wo ich konnte: Wäsche waschen, Autos beladen, anfeuern und Motivationsplakate aufhängen – das gehörte für mich einfach dazu. Einmal hatte ich vergessen, für die Girls ein Plakat an der Garderobe anzubringen. Da wurde ich prompt darauf aufmerksam gemacht, dass das ja überhaupt nicht gehe!

Einige der jungen Talente schafften später den Sprung auf die internationale Tennisbühne. Zu manchen entwickelte sich über die Jahre eine richtige Freundschaft. Da merkt man, dass es um viel mehr geht als nur um Tennis.

Auch Roger Federer war in deinen Anfangsjahren auf der Anlage anzutreffen. Wie hast du das erlebt?

Am Anfang war das natürlich speziell, irgendwann wurde es aber fast normal. Es kamen immer wieder bekannte Persönlichkeiten auf die Anlage. Wenn ich ein Autogrammjäger gewesen wäre, hätte ich heute vermutlich ein ganzes Heft voll! Mir war aber immer wichtig, dass sich alle ungestört bewegen konnten. Diskretion war für mich selbstverständlich. Wenn sich jemand im Voraus meldete, behielt ich das für mich. Sonst wäre die Anlage plötzlich voll gewesen.

Gab es neben all den schönen Erlebnissen auch schwierige Zeiten?

Natürlich. Besonders die Corona-Zeit war eine grosse Herausforderung. Die Vorgaben änderten sich ständig und es herrschte viel Unsicherheit. Doch gerade damals zeigte sich der starke Zusammenhalt bei GC. Wir sind wie eine Familie, in der niemand im Stich gelassen wurde. Auch mein Chef Norbert war in dieser Zeit eine wichtige Stütze. Er ist streng, aber immer fair. Ich habe viel von ihm gelernt und konnte jederzeit auf seine Unterstützung zählen. Das werde ich nie vergessen.

Ende September wurde deine Pensionierung mit über 100 Gästen und einem Ballonflug als Überraschung gefeiert. Wie hast du diesen besonderen Abschied erlebt?

Das Fest war wunderschön und hat mich wirklich berührt. Wenn man 13 Jahre lang so viel Herzblut in seine Arbeit steckt und dann auf diese Weise verabschiedet wird, ist das eine riesige Anerkennung. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt. Dieser Abschied hat mir nochmals gezeigt, dass die gemeinsame Zeit nicht nur für mich etwas Besonderes war. Die vielen Erinnerungen und Menschen werde ich ganz sicher in meinem Herzen behalten.

Nun beginnt für dich ein neuer Lebensabschnitt. Worauf freust du dich besonders?

Vor allem darauf, wieder mehr Zeit für meine Leidenschaften zu haben! Ich bin begeisterter Bergläufer, Marathonläufer und Ultraläufer, musste den Sport während meiner Zeit beim GC aber oft zurückstellen. Mein grosses Ziel ist es, irgendwann 100 Marathons absolviert zu haben.

Daneben werde ich bestimmt noch etwas arbeiten. Und meine Frau freut sich vermutlich besonders darüber, dass sie künftig einen Hausmann zu Hause hat! Ich koche nämlich sehr gerne. Vielleicht beginne ich auch wieder mit dem Zeichnen. Und als gelernter Schreiner werde ich bestimmt weiterhin werkeln und basteln. Langweilig wird mir also sicher nicht!

Zum Abschluss: Was möchtest du dem GC und seinen Mitgliedern mit auf den Weg geben?

Ganz einfach: Danke! Danke für die 13 Jahre, für das Vertrauen, die vielen Begegnungen, die Freundschaften und die gemeinsamen Erlebnisse. Ich durfte Teil eines Vereins sein, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ich habe viel gegeben, aber mindestens genauso viel zurückbekommen.

Und wer weiss: Ganz verschwinden werde ich ja nicht von der Bildfläche. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf das, was kommt.

Simone Schmid

  • Besonders die familiäre Atmosphäre bei GC schätzte Walti sehr. Foto: zVg
  • Der Saisonstart war für Walti jedes Jahr ein Highlight. Foto: zVg
  • Das Abschiedsfest mit über 100 Gästen war für Walti ein unvergesslicher Moment. Foto: zVg
  • Ein Ballonflug sorgte beim Abschiedsfest für eine besondere Überraschung. Foto: zVg