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HANSUELI BLASS GREIFT NACH DEM 30. SCHWEIZERMEISTERTITEL

HANSUELI BLASS GREIFT NACH DEM 30. SCHWEIZERMEISTERTITEL

Hansueli Blass hat für die Senioren im Schweizer Tennis viel bewegt: Als Mitgründer der Vereinigung «Senior Tennis Swiss» setzte er sich unter anderem erfolgreich für bessere Rahmenbedingungen zugunsten älterer Spielerinnen und Spieler ein. Auch auf dem Spielfeld zahlt sich seine Beharrlichkeit aus: Mit 79 Jahren hat Hansueli Blass im vergangenen Frühling seinen 29. Schweizermeistertitel geholt. Der nächste könnte bald folgen.

«Im Tennis war ich ein Spätzünder», verrät Hansueli Blass. Als Kind spielte er bei GC Fussball und konnte sich davon auch nicht trennen, als er mit etwa 12 Jahren dem Beispiel seines Vaters folgte und mit Tennis-Stunden begann. «Ich spielte damals beim Club Baur au Lac – wo sich später Parkplätze des Hotels befanden, gab es früher vier Tennisplätze», so der 79-Jährige. Zu GC kam er 1964, mit knapp 20 Jahren. Dass er den Fussball schliesslich aufgab und alles auf eine Karte setzte, zahlte sich bald aus: Er spielte sich schnell unter die Top 4, wurde Schweizer Hallencup-Sieger und kam an internationalen Turnieren und diversen Länderspielen zum Einsatz. Im Einzel, im Doppel und an Interclub-Spielen holte er einen Schweizermeistertitel nach dem anderen – darunter vier Meistertitel mit GC zwischen 1966 und 1977 bei den aktiven Herren NLA mit Partnern wie Tim Sturdza, Jan Coebergh oder Urs Frölicher. Mit nur 24 Jahren organisierte der damalige Captain der aktiven GC Herren zudem erstmals die Internationalen Zürcher Hallen-Meisterschaften in der GC Tennishalle. «In den folgenden zehn Jahren holte ich viele führende Cracks aus ganz Europa nach Zürich», erinnert sich Hansueli Blass. «So als spezielle Trouvaille auch den 14-Jährigen Yannick Noah, der zwei Jahre später bereits in der Weltrangliste zu finden war und 1983 den Grand Slam von Paris Roland Garros gewann.»

Die Konkurrenz schläft nicht
2014 wurde sein erfolgreichstes Jahr: Mit 70 Jahren erzielte Blass den Einzel-Schweizermeistertitel bei den Veteranen 70+ im Winter und im Sommer, holte sich den Interclub-Schweizermeistertitel und schliesslich sogar den Europameistertitel mit den GC Senioren 65+. «Immer wenn ich eine Altersklasse höher klettere, habe ich ein Jahr lang sehr gute Chancen auf den Meister-Titel», schmunzelt Hansueli Blass. «Allerdings sitzt mir Petr Kolacek im Nacken. Er ist ein Jahr jünger und besser als ich. Sobald er in dieselbe Altersklasse kommt, wird es schwierig für mich.» Gefährlich werde jeweils auch der zwei Jahre jüngere René Bortolani.
Dies war auch der Grund, weshalb Hansueli Blass im März 2023 nicht mit einem Schweizermeistertitel rechnete. «Mit 79 Jahren in der Altersklasse 75+ zu spielen, ist ohnehin schon schwierig, auch ohne diese beiden Konkurrenten», gibt er zu bedenken. Kolacek aber spielte schliesslich nicht mit und Bortolani schied vorzeitig im Halbfinal aus. Das ebnete den Weg zu einem weiteren Meistertitel – und tatsächlich konnte Blass im Frühling dieses Jahres seinen 29. Schweizermeistertitel mit nach Hause nehmen. Nun liebäugelt er bereits mit dem 30. Schweizermeistertitel: «Nächstes Jahr komme ich in die Altersklasse 80+ und werde dort hoffentlich meine Chance nutzen, bevor meine härtesten Konkurrenten nachrücken.»

Sprachrohr für die Senioren
Hansueli Blass, der vor seiner Pensionierung 18 Jahre lang als Verkaufsleiter beim Medienunternehmen media swiss ag tätig war, engagierte sich auch anderweitig für GC. 1993 übernahm er die Organisation des Schoeller-Cups, einem internationalen Hallen-Turnier für Senioren, das damals kurz vor dem Aus stand. Blass aktivierte das Sponsoring und mobilisierte seine internationalen Spieler-Kollegen, so dass der Cup wieder zu einem namhaften Turnier mit bis zu 100 Anmeldungen anwuchs. Vor rund 25 Jahren rief er mit zwei Gleichgesinnten zudem die Vereinigung «Senior Tennis Swiss» ins Leben. Als Präsident setzte er sich dort für die Interessen der Tennis Senioren und Veteranen ein. «Beim Verband Swiss Tennis und den Veranstaltern zählen vor allem die jungen Aktiven. Damit die älteren Spieler Gehör finden, brauchen sie ein Sprachrohr», erklärt er. Über die Jahre konnte er mit der Vereinigung einiges bewegen: «Wir haben uns zum Beispiel dafür eingesetzt, dass die Veteranen an Turnieren nicht mehr die vollen drei Sätze spielen müssen, sondern bei Satzgleichstand mit einem Match-Tie-Break entscheiden dürfen.» Nach etwa drei Jahren Bemühungen habe sich ihr Engagement ausgezahlt. «Entscheide wie dieser sind für Senioren und Veteranen von grosser Bedeutung, damit sie ihren Sport weiter ausüben können, ohne ihre Gesundheit zu gefährden», betont Blass.

Zu gut für altersgerechte Turniere
Weiter war Hansueli Blass 20 Jahre lang Vize-Präsident des «International Tennis Club of Switzerland». «Diesen Club gibt es in vielen Ländern, er ist offen für ehemalige Spielerinnen und Spieler, die national und international in Erscheinung getreten sind», so Blass. In diesem Amt engagierte er sich als Organisator, Captain und Spieler bei Länderspielevents unter anderem gegen Deutschland, Österreich, Ungarn und Tschechien. «Auch Roger Federer, Martina Hingis und René Stammbach gehören zu den Mitgliedern.» Vor Kurzem hat Blass jedoch seinen Rücktritt als Vorstandsmitglied gegeben, um den Jüngeren Platz zu machen. Dass er mit den Jüngeren aber durchaus noch mithalten kann, beweist er immer wieder. «Für Senioren ist es in der Schweiz schwierig, gegen Gleichaltrige anzutreten», weiss er. Je älter man werde, desto weniger Spieler gebe es in derselben Altersklasse, die einem auf Augenhöhe begegnen können. Hinzu komme, dass die besten Spieler an vielen Turnieren nicht in ihrer Altersklasse antreten dürfen. «Die Veranstalter sind um möglichst viele Anmeldungen bestrebt. Sobald sich aber die gut klassierten Spieler anmelden, schreckt das viele Schwächere davon ab, ebenfalls teilzunehmen. Wenn die gut klassierten Spieler trotzdem teilnehmen wollen, müssen sie also in einer jüngeren Altersklasse antreten», ärgert sich Blass. So misst er sich bei GC häufig auch mit jüngeren Spielern. Auch mit seiner Tochter Julia, die vor Jahren mehrfache Jugendmeisterin der Stadt Zürich wurde, steht er ab und zu auf dem Platz. Das halte körperlich und geistig fit, findet er. Zudem erhöhen gute Trainingspartner die Chance, dass Hansueli Blass im März 2024 seinen 30. Schweizermeistertitel holt. «Für einen Sieg braucht es aber auch immer eine gute Tagesverfassung», gibt Blass zu bedenken und fügt hinzu: «Und eine Portion Glück.»


Pamela Schefer

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