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«INSPIRE&WIN»: COACHING AN DER WELTSPITZE
Foto: GC

«INSPIRE&WIN»: COACHING AN DER WELTSPITZE

Was haben Curling, Rudern und die übrigen Sportarten des Grasshopper Club Zürich gemeinsam? Spätestens wenn die Luft an der Weltspitze dünn wird, braucht es Trainerinnen und Trainer, die Ruhe bewahren, Vertrauen schaffen und im richtigen Moment handeln – oder bewusst nichts tun. Beim zweiten «Inspire & Win» zeigte sich: Die Sportarten mögen verschieden sein, die Herausforderungen der Coaches sind erstaunlich ähnlich. Umso wertvoller ist der Austausch unter Gleichgesinnten.

Bei spätsommerlichem Wetter trafen sich knapp 20 Coaches aus verschiedenen GC Sektionen auf dem Areal der Schaub Malerei in Zürich. Gastgeber Theo Schaub – ehemaliger GC Leistungsruderer und Schweizermeister, der sich seit vielen Jahren auch um die Bootshäuser des Grasshopper Club am Mythenquai und in Maur kümmert – hiess die Trainerinnen und Trainer herzlich willkommen zum zweiten «Inspire & Win». Das Event soll jene zusammenbringen, die die GC Leistungskultur prägen und weiterentwickeln. Daran erinnerte Zentralpräsident Andi Csonka, selbst ehemaliger Elite-Coach der GC Ruderer. Ziel ist es, Wissen und Erfahrungen über Sektions- und Sportartengrenzen hinweg auszutauschen – unkompliziert, persönlich und nah an der Praxis.

Drei A und die dünne Luft an der Spitze

Bevor die perfekt grillierten Würste, Salate und Bürli auf den Tisch kamen, stand der «Triple A Talk» auf dem Programm. Die drei A – Andreas Schwaller, Andrin Gulich und Andi Csonka als Gesprächsleiter – widmeten sich der Frage: Was macht Exzellenz im Coaching aus?

Die Gesprächspartner hätten dafür kaum unterschiedlicher und gleichzeitig passender sein können: Andreas Schwaller, Olympia-Bronzemedaillengewinner im Curling von Salt Lake City 2002 und heute Coach der GC Curling-Weltmeisterinnen, sowie Andrin Gulich, Ruder-Weltmeister 2023 und Olympia-Bronzemedaillengewinner von Paris 2024 im Zweier ohne Steuermann. Der eine brachte die Perspektive des Coaches ein, der andere jene des Athleten auf höchstem internationalem Niveau.

Im Gespräch ging es bewusst nicht um Trainingspläne, Technik oder Resultate. Im Zentrum stand vielmehr eine Frage, die Coaches aller Sportarten beschäftigt: Was braucht es, damit Athletinnen und Athleten unter Druck ihr Potenzial abrufen können – und wie gelingt es dem Trainer selbst, mit diesem Druck umzugehen und gleichzeitig Ruhe und Orientierung auszustrahlen?

Glaubwürdigkeit, Eigenverantwortung und Schutz – die Kunst liegt im Detail

Eine zentrale Erkenntnis: Gute Coaches müssen nicht alles erklären und kontrollieren. Andreas Schwaller beschrieb die Kunst, Impulse so zu setzen, dass Athletinnen und Athleten selbst Lösungen entwickeln. Coaching bedeutet damit nicht permanente Anleitung, sondern ebenso Vertrauen, Freiraum und die Fähigkeit, im richtigen Moment bewusst nichts zu tun.

Ebenso wichtig ist der Schutz des Teams. Gerade an Grossanlässen entstehen Ablenkungen, Erwartungen und öffentlicher Druck, heute zusätzlich verstärkt durch Social Media. Ein Coach schafft hier Ruhe, hält störende Einflüsse möglichst fern und ermöglicht damit ein Umfeld, in dem Spitzenleistung entstehen kann.

Dabei muss ein Trainer keineswegs Unverwundbarkeit vorspielen. Glaubwürdigkeit kann gerade auch darin liegen, eigene Nervosität oder Unsicherheit zuzulassen und dennoch Orientierung zu geben. Spitzen-Coaching ist deshalb nicht nur Wissenschaft. Es ist Handwerk mit grossem Fokus auf Details, Erfahrung – und immer auch ein grosses Stück Kunst.

Den Coach für einmal nicht allein lassen

Besonders spannend war der Blick über die einzelnen Sportarten hinweg, der auch durch die Fragen der teilnehmenden GC Coaches entstand. Ob Curling, Rudern oder eine der anderen GC Disziplinen: Vertrauen, Kommunikation, Resilienz, Selbstverantwortung und der Umgang mit Druck sind erstaunlich universelle Themen.

Genau darin liegt die Idee von «Inspire & Win»: Auch Coaches brauchen Sparringpartner. Hier können sie voneinander lernen, Erfahrungen über Sektions- und Sportartengrenzen hinweg teilen – und damit das Coaching innerhalb des Grasshopper Club Zürich gemeinsam weiterentwickeln. «Auch wenn man mit seinem Team bereits die Besten der Welt schlägt, bleibt das Lernen von anderen Coaches unerlässlich. Nur so kann man sich weiterentwickeln und selbst immer wieder besser werden», weiss auch Andreas Schwaller.

Wurst, Bürli und die nächste Runde

Danach durfte natürlich auch der gemütliche Teil nicht fehlen. Bei Wurst, Salat und Getränken wurde weiterdiskutiert – genau so, wie es «Inspire & Win» beabsichtigt: unter Coaches, über Sportarten hinweg und ohne Distanz.

Dieser inspirierende Abend hat Lust auf mehr gemacht. Wir sind gespannt auf «Inspire & Win #3».

  • Die Hauptpersonen des Abends – von links Andrin Gulich, Gastgeber Theo Schaub und Andreas Schwaller. Foto: GC
  • Zwei Olympia-Bronzemedaillengewinner hören genau hin: Andrin Gulich und Andreas Schwaller im «Triple A Talk» mit Gesprächsleiter und Zentralpräsident Andi Csonka. Foto: GC