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MARCO VALPIANI: TROUBLESHOOTER MIT LANGEM ATEM

MARCO VALPIANI: TROUBLESHOOTER MIT LANGEM ATEM

Squash muss noch populärer werden, findet Marco Valpiani, Gründer und Team Manager der neuen NLA-Mannschaft von Grasshopper Squash. Dass er seine Ziele konsequent verfolgt und nicht so schnell aufgibt, beweist er auch auf dem Court: Vergangenes Jahr hat er mit 58 Jahren seinen ersten Schweizermeistertitel im Einzel bei den Senioren ü55 geholt.

Bevor Marco Valpiani zum Squash kam, setzte er auf Tennis. Mit 15 Jahren trat er im Final eines Juniorenturniers gegen Tennisass Jakob Hlasek an, der später auf die Nummer 7 der Weltrangliste kletterte. Valpiani verlor das Spiel zwar, trotzdem gehört es zu den Highlights seiner sportlichen Karriere. «Während ich damals nur mit Tennisschläger und Tüechli antrat, hatte Hlasek bereits seinen Trainerstab und eine breite Unterstützung im Rücken», erinnert sich der 59-Jährige mit italienischen und griechischen Wurzeln. «Hätte ich auf eine ähnliche Förderung zählen können, wäre ich wohl beim Tennis geblieben», vermutet er. Doch im Gymnasium schwärmte einer seiner Mitschüler vom Squash, weshalb Valpiani ihn einmal zum Training begleitete. «Seither gehört mein Herz dem Squash», so Valpiani. Der Sport sei unkompliziert. Hier spiele man das ganze Jahr hindurch in derselben Halle und ein kurzes Match sei – im Gegensatz zum Tennis – sogar in der Mittagspause möglich.

Neues NLA-Team, neuer Ansatz
Nachdem er im Vitis in Schlieren mit Squash begonnen hatte, wechselte er zu Zimmerberg und später zu Swissair. 1996 kam er zu GC und blieb dem Club bis heute treu. Zu Beginn stand Marco Valpiani mehrmals im Aufgebot des NLA-Teams, welches in der Saison 1998/99 gar den Schweizer Mannschaftsmeistertitel holte. Ab 2019 verzichtete GC aus Kostengründen auf eine Mannschaft in der NLA – bis Valpiani 2021 ein neues Team zusammenstellte. «Früher war es gang und gäbe, dass ein Verein ausländische Spieler für einzelne NLA-Einsätze einkaufte», erinnert sich Valpiani. «So liessen auch wir damals Spieler einfliegen, die ansonsten nichts mit dem Verein zu tun hatten.» Als Team Manager verfolgt er nun einen anderen Ansatz: Er holte junge Schweizer Talente wie Dimitri Steinmann oder Yannick Wilhelmi zu GC. «Diese Spieler identifizieren sich mit dem Club und wirken deshalb auch nach aussen authentisch. Zudem übernehmen sie eine Vorbildfunktion für den GC Nachwuchs, sie sind Idole zum Anfassen.»

Teamspirit steht über allem
Mit dem Aufbau dieser Mannschaft und in seiner Rolle als Team Manager möchte Marco Valpiani dem Sport etwas zurückgeben und diesen jungen Talenten das ermöglichen, was ihm selbst früher gefehlt hat: Unterstützung. «Ich übernehme eine Art Vaterfunktion, die Spieler sind schliesslich auch im Alter meines Sohnes», schmunzelt er. «Ich motiviere sie und stehe vor dem Vorstand für sie ein, wenn sie einmal einen Seich gemacht haben.» In technischen Belangen kann er den Jungen nichts mehr beibringen, vielmehr hilft er der Mannschaft als Mentor auf taktischer und psychischer Ebene. Der Teamspirit steht für ihn über allem. Deshalb begleitet er seine Schützlinge nicht nur zu den Spielen, sondern gerne auch mal zum Dinner und ins Zürcher Nachtleben.

Das Zünglein an der Waage
«Ohne unsere Gönner und Sponsoren ginge allerdings gar nichts», unterstreicht Valpiani. Er ist den Financiers im Hintergrund extrem dankbar. Das Engagement hat sich bereits in der ersten Saison ausgezahlt: 2021/22 wurde GC Squash Vize-Schweizermeister. Auch dieses Jahr qualifizierte sich das Team für die Playoffs und verlor im Halbfinal nur knapp mit einem sogenannten «losing draw», einem verlorenen Unentschieden. «Wir haben nun zwei Mal am Titel geschnuppert, in der kommenden dritten Saison hätten wir gerne unseren Namen auf dem Meisterpokal eingraviert», zeigt sich Valpiani zuversichtlich. Er wünscht sich für seine Mannschaft auch von der Zuschauertribüne etwas mehr Unterstützung. Zwar vermag das Fanionteam die Ränge bei Heimspielen bereits zu füllen, doch bei Auswärtsspielen und vor allem in den Playoffs wäre eine grössere Fanbase durchaus hilfreich. «Sie kann im entscheidenden Moment das Zünglein an der Waage sein», weiss Valpiani und betont, dass sich der Besuch einer NLA-Begegnung aus mehreren Gründen lohne. «Squash ist ein schneller Sport, da wird keinem langweilig», ist er überzeugt. «Zudem ist die Zuschauertribüne bei unseren Heimspielen für alle offen, der Eintritt ist gratis und wenn man nicht zu spät kommt, kriegt man auch noch ein paar Häppchen vom reichhaltigen Apéro-Buffet.»

Ambitiös und krisenerprobt
Marco Valpiani kämpft für sein Team. Und er gibt nicht so schnell auf, das beweist er auch als aktives GC Squash-Mitglied: Nachdem er den Sieg in den vergangenen Jahren im Finalspiel regelmässig seinem Widersacher Giorgio Sorio vom Squash Club Royal Cham überlassen musste, bezwang er 2022 seinen Erzrivalen und sicherte sich mit 58 Jahren den ersten Schweizermeistertitel im Einzel der Senioren. Durchhaltewillen braucht Valpiani auch in seinem Beruf: Als Produzent und Autor von Werbespots, Unternehmens-, Dokumentar- und Spielfilmen sind seine Erfahrung und seine innere Ruhe Gold wert. «Als Produzent eines Spielfilms ist man gut und gerne drei Jahre oder mehr mit dem Projekt ‹verheiratet›», so Valpiani. «Die Bezeichnung Filmproduzent tönt verlockender als es der Beruf tatsächlich ist. Während einem grossen Projekt wird alles von einem abverlangt. Es bleibt kaum Zeit für die Familie, Freundschaften kommen zu kurz und die menschlichen Qualitäten werden nonstop getestet.»

Neue Herausforderungen
Heute realisiert Valpiani alle Projekte selbständig über seine Produktionsgesellschaft Sehfeld Film. Zudem ist er am Startup PRODUCER beteiligt, das eine Software entwickelt hat, die es Filmemachern vereinfacht, ihre Projekte zu bearbeiten und mit anderen zu teilen. Doch damit nicht genug: Marco Valpiani hat vor, ins Musikbusiness einzusteigen. Dazu hat er vergangenes Jahr ein CAS in Music Production begonnen. «Solche Herausforderungen halten mich jung», ist er überzeugt. Genau wie das Squash-Spielen. So plant er bereits seine eigene Teilnahme an der Europameisterschaft der Senioren im Herbst. «Im September darf ich in Hamburg erstmals in der Kategorie ü60 antreten. Mal sehen, wie gut meine Chancen dann stehen», schmunzelt er.

Pamela Schefer

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