Während andere Schweizer Spitzenclubs mit Millionenbudgets um den Meistertitel kämpfen, geht GC Amicitia Zürich einen anderen Weg. Statt auf erfahrene Stars setzt der Stadtzürcher Club auf eigene junge Talente, die sich gemeinsam entwickeln und in den kommenden Jahren zu einer schlagkräftigen Mannschaft zusammenwachsen sollen. Was heute auf dem Spielfeld zu sehen ist, nahm vor rund eineinhalb Jahren seinen Anfang.
Aus dem Umbruch entsteht eine neue Strategie
Nach einem strukturellen Umbruch stand GC Amicitia Zürich vor einer grundlegenden Frage: Wie soll es mit der ersten Mannschaft weitergehen? Die Antwort fand der Club im eigenen Nachwuchs. Im Sommer 2025 bot sich die Gelegenheit, gleich neun vielversprechende Spieler aus der zweiten Mannschaft in die NLA zu übernehmen. Damit war der Grundstein für einen neuen Weg gelegt. «Wir wollen junge Spieler fördern, ihnen Spielpraxis ermöglichen und sie über die nächsten Jahre gezielt weiterentwickeln. Dabei geht es nicht darum, sofort Schweizer Meister zu werden, sondern langfristig etwas aufzubauen», so Philip.
Eine Mannschaft, viele Talente
Heute umfasst das Kader 18 Spieler. Der jüngste ist gerade einmal 17, der älteste 30 Jahre alt. Acht Spieler stammen aus dem eigenen Nachwuchs, sechs weitere wurden bei anderen Schweizer Nachwuchsorganisationen ausgebildet. Hinzu kommen unter anderem zwei ausländische Linkshänder.
Was dem jungen Team noch an Erfahrung fehlt, macht es mit Tempo, Ehrgeiz und Begeisterung wett. GC setzt auf einen schnellen Handball mit raschem Umschalten von der Verteidigung in den Angriff. Die hohe Ausdauer der jungen Spieler kommt diesem Spielstil entgegen. «Die Möglichkeit, bereits in jungen Jahren auf höchstem Schweizer Niveau Verantwortung zu übernehmen, sorgt für grosse Begeisterung. Viele Spieler wissen diese Chance zu schätzen und bringen entsprechend viel Ehrgeiz und Einsatzbereitschaft mit.»
Doch der eingeschlagene Weg bringt auch Herausforderungen mit sich. Gerade in engen Spielsituationen fehlt den jungen Spielern noch die nötige Routine. Auch Leistungsschwankungen gehören dazu. «Es fehlt manchmal noch die Erfahrung, in wichtigen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber wir sehen bereits, dass die Mannschaft konstanter geworden ist», erklärt Philip. Das zeigte sich auch schon in der vergangenen Saison, als GC mit der jungen Mannschaft die Playoffs erreichte.
Nachwuchsförderung als gelebte Philosophie
Die Förderung junger Talente prägt auch die Kaderplanung. Statt kurzfristig erfahrene Verstärkungen zu verpflichten, setzt GC bewusst auf den eigenen Nachwuchs. «Natürlich ist es verlockend, einen erfahrenen Spieler zu verpflichten. Aber wenn wir wissen, dass auf dieser Position ein talentierter Spieler aus unserer U19 nachrücken kann, warten wir lieber auf ihn», erzählt Philip.
Diese Philosophie macht GC auch für junge Spieler aus anderen Nachwuchsorganisationen attraktiv. «Wir haben viele Anfragen von jungen Handballern erhalten, die bei uns spielen möchten. Sie wissen, dass sie bei GC eine Chance bekommen, tatsächlich auf dem Feld zu stehen, statt bei einem anderen Club hauptsächlich auf der Bank zu sitzen», sagt Philip.
Grosse Ziele, aber ohne kurzfristigen Erfolgsdruck
In den ersten Spielen der neuen Saison hat GC bereits gezeigt, dass die junge Mannschaft auch mit den Spitzenteams der Liga mithalten kann. Die Tabelle ist eng, und in den kommenden Wochen stehen wichtige Direktduelle an.
Zusätzliche Spannung bringt der neue Meisterschaftsmodus. Nach der Hin- und Rückrunde bis Weihnachten qualifizieren sich die sechs besten Teams für die Finalrunde, während die übrigen vier Mannschaften in der Abstiegsrunde antreten. Für GC steht zunächst der möglichst frühzeitige Ligaerhalt im Vordergrund. Gleichzeitig hat die junge Mannschaft auch die Finalrunde im Visier. «Wir liebäugeln natürlich mit dem sechsten Platz. Das wird nicht einfach, aber in dieser ausgeglichenen Liga ist vieles möglich», erklärt Philip.
Bis Weihnachten gilt es deshalb, möglichst viele Punkte zu sammeln und sich eine gute Ausgangslage für die zweite Saisonhälfte zu schaffen.
Eine klare Vision für die Zukunft
«Unser Ziel ist es, in den nächsten zwei bis drei Jahren die jungen Spieler zusammenzuhalten, das Team gezielt verstärken und gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Wenn uns das gelingt, bin ich überzeugt, dass wir in einigen Jahren mit überwiegend Schweizer Spielern wieder ganz vorne mitspielen und uns für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren können», blickt Philip optimistisch in die Zukunft.
Die Richtung ist damit klar: GC Amicitia Zürich will mit einer jungen, ambitionierten Mannschaft Schritt für Schritt zurück an die Spitze.
Simone Schmid



