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«WIR MÜSSEN UNSERE ANSPRÜCHE HOCHSCHRAUBEN»
Foto: zVg

«WIR MÜSSEN UNSERE ANSPRÜCHE HOCHSCHRAUBEN»

Seit rund sechs Wochen ist Richard Feuz CEO des Grasshopper Club Zürich. Im Interview spricht er über seine ersten Eindrücke, höhere Ansprüche und die nächsten Schritte auf dem Weg zu einem stärkeren GC.

GC INSIDER: Richard, Du bist seit wenigen Wochen beim GC. Wie hast Du diese erste Zeit erlebt?

Richard Feuz: Sehr intensiv. Ich bin mitten im Transferfenster dazugekommen, als wir die Mannschaft für die neue Saison zusammenstellen mussten. Das war herausfordernd, aber auch spannend.

Neben diesen täglichen Herausforderungen müssen wir gleichzeitig unsere Strategie im Club einbringen, um GC auch langfristig voranzubringen. Dafür ist es wichtig, nicht blind zu agieren, sondern zuerst zuzuhören und den Club kennenzulernen. Ich spreche mit allen unseren Mitarbeitenden und will verstehen, was GC für sie bedeutet und wie sie arbeiten. Erst dann kann man die Organisation weiterentwickeln. Dabei geht es nicht darum, einfach alles zu verändern. Zuerst müssen wir verstehen, wo wir die Rahmenbedingungen verbessern können. Dafür braucht es klare Aufgaben, Ziele und Verantwortlichkeiten.

GC hat enormes Potenzial. Wir sind hier, um den Club besser zu machen und eine neue Dynamik auszulösen.

Du sprichst es an: Du willst GC langfristig entwickeln, aber das Tagesgeschäft nimmt darauf keine Rücksicht. Wie schaffst Du diesen Spagat?

Es ist ein ständiges Jonglieren. Wir müssen langfristig denken, aber der Fussball wartet nicht. Jedes Wochenende geht es um Punkte. Trotzdem dürfen wir nicht nur an das nächste Spiel denken. Ein langfristiges Projekt soll nie als Ausrede für fehlende Resultate dienen.

Am Ende ist aber klar: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Der ganze Club muss dafür arbeiten, den Spielern die bestmöglichen Voraussetzungen zu geben, um erfolgreich zu sein. Dafür müssen wir unsere Ansprüche hochschrauben und mehr leisten.

Was bedeutet es, die Ansprüche hochzuschrauben? Wo siehst Du aktuell den grössten Hebel?

Einfach gesagt: überall. Sportlich, organisatorisch, im Zusammenhalt, im Marketing... Es gibt so viel zu tun. Wir müssen uns beispielsweise auch stärker mit den anderen GC Sektionen verbinden. Wir tragen alle die gleiche Marke auf der Brust. Und wir müssen wieder stärker zeigen, dass GC der Club der Stadt Zürich ist. Zürich ist unsere Stadt, unser Zuhause. Hier wollen wir präsenter sein und die Herzen der Zürcherinnen und Zürcher zurückgewinnen.

Wir schaffen all dies nur, wenn wir als gesamter Club an einem Strang ziehen und ein starkes gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, wofür GC steht.

Du sprichst davon, in Deiner Arbeit den Menschen ins Zentrum zu stellen. Passt dies in den Profifussball, in dem nur die Leistung und der Erfolg zählen?

Meine Philosophie lässt sich eigentlich in einem einfachen Satz zusammenfassen: «Build foundations, empower people.» Wir müssen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und den Menschen dann das Vertrauen und die Verantwortung geben, erfolgreich zu sein. Ich sage immer: Wir beschäftigen keine Fussballer, sondern Menschen, die Fussball spielen. Sie haben gute und schlechte Tage, Unsicherheiten und Probleme, wie wir alle. Vielleicht hat ein Spieler ein drei Monate altes Kind zu Hause, schläft schlecht und kann sich deshalb nicht optimal erholen. Das gehört zum Leben.

Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter die besten Voraussetzungen hat, um Leistung zu bringen. Dazu gehört gerade auch das Umfeld und das Arbeitsklima – für die Fussballer die Kabine. Deshalb müssen wir einander kennen, aufeinander schauen. Das beginnt bereits beim Recruiting: Passt dieser Mensch zu GC und zu unserer Mannschaft?

All das bedeutet aber nicht, dass wir in der Leistungsbeurteilung weniger kritisch sind. Im Gegenteil. Gerade wenn es einmal nicht so gut läuft, müssen wir offen, ehrlich und respektvoll miteinander umgehen. Wenn sich Menschen wohlfühlen, die richtigen Voraussetzungen haben und sich bei GC zuhause fühlen, können sie mehr leisten.

Deshalb haben wir zum Beispiel wieder Deutschkurse für unsere ausländischen Spieler eingeführt. Sie sollen bei GC und in Zürich ankommen, sich einbringen. Die Sprache gehört dazu. Auch ich nehme jede Woche Deutschunterricht. Wenn die Spieler sehen, dass auch der CEO diesen Effort macht, hat das eine Wirkung.

Welche Rolle spielen die Fans?

Eine sehr wichtige. Die Fans sind ein zentraler Teil dieses Clubs. Sie kommen jedes Wochenende ins Stadion, investieren enorm viel Zeit und Energie und tragen die Identität von GC mit. Ich möchte deshalb einen offenen und regelmässigen Austausch mit ihnen pflegen. GC ist auch ihr Club, und natürlich dürfen sie unzufrieden sein und diese Unzufriedenheit auch äussern, wenn die Resultate nicht stimmen.

Wir hatten bereits gute und konstruktive Gespräche, und genau diesen Dialog möchte ich weiterführen.

Aus Deiner Erfahrung: Welches sind die nächsten zwei oder drei Schritte, die GC jetzt machen muss?

Für mich gibt es drei Etappen. Zuerst müssen wir die Organisation mit einer klaren Vision, klaren Rollen und effizienten Strukturen aufstellen. Es gibt nichts Ärgerlicheres, als sportlich bereit für Erfolg zu sein, organisatorisch aber nicht.

Auf dieser Basis kann dann das sportliche Projekt wachsen. Die erste Mannschaft muss besser werden, gleichzeitig ist die Akademie zentral. Unsere jungen Spieler müssen sehen, dass es einen echten Weg in die erste Mannschaft gibt. Auch das Recruiting müssen wir weiter verbessern.

In einer dritten Etappe müssen wir diese Entwicklung im gesamten Club verankern. Sportlicher Erfolg kann nur nachhaltig sein, wenn auch die Organisation, die wirtschaftliche Basis, die Marke und die Verbindung zu unseren Fans und Partnern stärker werden.

Wir wollen nicht mit spektakulären Veränderungen auffallen, sondern Schritt für Schritt etwas aufbauen, das Bestand hat.

Woran soll man in einem halben oder einem Jahr erkennen, dass GC auf dem richtigen Weg ist?

In einem Jahr muss GC stärker und solider sein. Sportlich müssen Fortschritte sichtbar werden – bei den Resultaten und im Auftreten der Mannschaft. Auch neben dem Platz müssen wir weiter sein: bei den Fans, in der Organisation, im Image und in der Zusammenarbeit innerhalb des Clubs.

Wenn die Menschen in einem Jahr auf GC blicken, sollen sie wieder spüren, dass dieser Club eine klare Richtung hat, und daran glauben, dass wir GC Schritt für Schritt dorthin zurückbringen können, wo dieser Club hingehört.

 

Maurice Desiderato

  • Richard Feuz (links): «Wir beschäftigen keine Fussballer, sondern Menschen, die Fussball spielen. Und sie müssen zu GC passen.» – Foto: zVg
  • Richard Feuz (rechts): «Wir müssen langfristig denken, aber der Fussball wartet nicht. Ein langfristiges Projekt soll nie als Ausrede für fehlende Resultate dienen.» – Foto: zVg
  • «WIR WOLLEN UNSERE ATHLETINNEN AUCH ALS MENSCHEN KENNENLERNEN»
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