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ZWISCHEN RASEN, SAND UND WASSER
Foto: Yasmine Bollmann

ZWISCHEN RASEN, SAND UND WASSER

Patrick Rüttimann aus Muri geht in seiner neuen Doppelrolle auf: Seit dieser Saison ist er Spieler-Trainer des GC Beachsoccer-Herren-Teams. Nicht nur im Beachsoccer zeigt sich seine Vielfalt, auch in seiner knappen Freizeit mag er Abwechslung.

Ausgerechnet ein Kreuzbandriss ist schuld an der steilen Beachsoccer-Karriere von Patrick Rüttimann: Nach der ersten Verletzung am Kniegelenk hielt er weiterhin an seiner ersten Leidenschaft, dem Fussball, fest. Doch nach dem zweiten Kreuzbandriss war klar: So kann es nicht weitergehen. Schweren Herzens verliess er den FC Muri. «Ich konnte es mir nicht leisten, aufgrund von Verletzungen andauernd bei der Arbeit auszufallen», erinnert er sich. 2015 kam ein befreundeter Fussballer von Rüttimann auf die Idee, gemeinsam einen Beachsoccer-Club zu gründen. Rüttimann – dessen Verletzungen mittlerweile gut verheilt waren – war gleich Feuer und Flamme. Beim BSC Muri überzeugte er als Spieler und sammelte erste Trainererfahrungen, bis 2020 GC anklopfte und ihn als Nationalspieler nach Zürich holte. «Mich von Muri zu trennen, fiel mir zwar schwer, mir war aber bewusst, dass eine solche Chance nicht so schnell wieder kommen wird», so der 33-Jährige.

WM-Bronze und European-Games-Gold

Kaum in der Nationalmannschaft, durfte Rüttimann 2021 mit an die FIFA-WM nach Moskau, wo sein Team den dritten Platz belegte. «Diese Erfahrung war einmalig: Nicht nur die russische Profi-Liga hat uns beeindruckt, auch das riesige Stadion, die tolle Atmosphäre und die Tatsache, dass die Zuschauer nach dem Spiel Fotos mit uns machen wollten, haben uns überwältigt», schwärmt Rüttimann. 2023 folgte ein weiteres Highlight: Obwohl die Schweizer aufgrund von Verletzungen am Limit liefen, holten sie an den European Games in Krakau Gold. Rüttimann hatte viel Spielzeit und blickt noch heute gerne auf das aussergewöhnliche Turnier zurück.

Doppelrolle ist eine Challenge

Mittlerweile ist Rüttimann nicht mehr in der Nationalmannschaft, aber noch immer im Kader von GC Beachsoccer. Seit dieser Saison steht er zudem als Spieler-Trainer der GC Herren im Einsatz. Eigentlich sollte er dabei von einem Assistenztrainer unterstützt werden, ein geeigneter Kandidat wurde bisher aber noch nicht gefunden. Seine neue Rolle sei eine Challenge, so Rüttimann: «Sowohl Spieler als auch Trainer zu sein, ist kein Zuckerschlecken: Man macht alle Übungen mit, hat einen gewissen Anspruch an die Spieler, muss diesem aber auch selbst gerecht werden», erklärt er. «Irgendwann ist man müde vom Training, muss aber weiter coachen.» Trotzdem funktioniere es sehr gut. Er habe schon früher gerne Anweisungen gegeben. Die Spieler würden diese gut annehmen und ihm viele positive Feedbacks geben. «Vor und nach dem Training bin ich schliesslich immer noch derselbe», schmunzelt er.

Starke Unterstützung im Hintergrund

Patrick Rüttimann hat sich und dem Team hohe Ziele gesteckt: Den Schweizermeister-Titel wollen sie holen. Die Chancen dafür stehen gut: «Wir haben ein hervorragendes Team zusammen, das motiviert und bereit ist, zu lernen.» Die Meisterschaft startet Ende Mai und wird im August entschieden. Die Spiele finden jeweils samstags und sonntags statt, trainiert wird am Mittwoch-, Donnerstag- und Freitagabend. Trotz dem intensiven Hobby hat Rüttimann vor vier Jahren ein eigenes Malergeschäft aufgebaut. «Da die Kundenakquise vor allem abends stattfindet, ist es eine organisatorische Herausforderung, das alles unter einen Hut zu bringen», gibt er zu. Denn zu Hause warten auch noch drei Kinder im Alter von knapp 2, 7 und 10 Jahren auf ihn. Unterstützung erhält er vor allem von seiner Frau. Sie nehme ihm viel ab und lege viel Geduld an den Tag. «Es ist ja nicht für immer», weiss er. «Aber solange ich noch jung und gesund bin, möchte ich den Sport auskosten.»

Polysportiv unterwegs

Und als ob der Beachsoccer nicht genug Sport wäre, geht er auch noch ein- bis zweimal in der Woche zum CrossFit. «Dieses Kraft- und Konditionsprogramm ist sehr abwechslungsreich und lässt sich gut mit dem Beachsoccer kombinieren», findet der Aargauer. Doch Rüttimann kann es auch ruhig angehen: Vor seiner Zeit bei GC verbrachte er jedes zweite Wochenende beim Fischen. Heute kommt es noch ein- bis zweimal im Jahr vor, dass er mit seinem Vater und seinen Kindern am Wäggitalersee oder an der Reuss die Angel ins Wasser hält. Die Stille am Wasser ist ein willkommener Ausgleich zum Adrenalin im Sand. Und trotzdem braucht es in beiden Sportarten Geduld, Fokus und das richtige Gespür für den entscheidenden Moment.

 

Pamela Schefer

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