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22.09.2017

EISHOCKEY | KNACKNUSS EISZEIT

Die Lions Pyramide mit den ZSC Lions und den GCK Lions brauchen alljährlich in grösserem Umfang Eiszeit, um die Entwicklung nicht aufzuhalten. Derzeit umfasst die Organisation rund 1'400 Spieler. Die Partnervereine EHC Dübendorf, EHC Wallisellen und EHC Urdorf verfügen über eigene Anlagen. Aber gerade in der Stadt Zürich für den Trainings- und Spielbetrieb für 750 Spieler bzw. 30 Teams Eiszeit zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Daneben muss auch das Sommer-Vorbereitungsprogramm mit Hallen-Benützung organisiert werden. Für diese breitgefächerte Organisation, inklusive Koordinationsaufgaben mit den Partnervereinen, zeichnen Richard „Richi“ Jost (Sportchef Nachwuchs und Frauen) und Sergio Soguel (Sportadministration) verantwortlich, massgeblich unterstützt durch Elite B-Trainer Paul Berri, der schon seit Jahren die Jahres-Eisplanung ausarbeitet.

Die Spieler der verschiedenen Leistungsstufen der Lions Pyramide, eine der grössten Eishockey-Organisationen Europas, üben ihren Sport auf verschiedenen Eisbahnen aus. Die GCK Lions sind auf der Kunsteisbahn Küsnachts (KEK) und auf der Dolder Eisbahn zu Hause, die ZSC Lions-Teams in der Halle in Oerlikon und auf dem Heuried. Die Eisstunden reichen aber nicht aus, alle Bedürfnisse, vor allem auch in der Vorbereitungszeit, wenn die offenen Eisfelder noch nicht zur Verfügung stehen, abzudecken. Diese Zeit wird teilweise auch durch externe Trainingslager überbrückt. Die Teams der Organisation weichen dazu nach Lenzerheide, Grindelwald, Romanshorn, Herisau, Engelberg und ach Scuol aus. Das bietet den Spielern auch Abwechslung im Trainingsbetrieb.

Engpass während Heuried-Umbau

Besonders stressig war’s für die Verantwortlichen der ZSC Lions während der zweijährigen Umbauphase der städtischen Anlage Heuried. Der dadurch entstandene Engpass endet am 1. November, wenn der Betrieb der neuen Halle mit der zeitgemässen Infrastruktur und des renovierten Aussenfelds aufgenommen wird. Ein grosser Pluspunkt: Die Halle wird in Zukunft jährlich während elf Monaten betrieben. Derzeit laufen die Abklärungen, wie die Kapazität dieser Anlage unter den vielen städtischen Eissportvereinen aufgeteilt werden. Viele Anträge wurden gestellt, bei den Lions hofft man, mindestens den Status quo halten zu können, sprich die gleichen Anteile wie vor der Renovation zu bekommen. So oder so, bis zum 1. November fehlt den ZSC Lions während eines Monats Eis, weil auch das Dolder-Eisfeld erst ab November benützt werden kann. Deshalb muss andernorts Eis gemietet werden, um den Spielern ausreichend Trainingsmöglichkeiten zu bieten, zum Beispiel in Bäretswil, Herisau und Wetzikon, um den Spielern ausreichend Trainings- und die notwendigen Spielmöglichkeiten zu bieten.

Die Planung für die beginnende Saison 2016/17 gestaltete sich besonders schwierig. In der NLB war ein Rekurs von Martigny hängig, sodass die Meisterschaftsspielpläne nicht rechtzeitig bei den Klubs eintrafen. Inzwischen aber haben die „Eismänner“ der ZSC- und GCK Lions auch dieses Problem gelöst. Eine wichtige Position ist aber noch offen: Die wöchentlichen 160 Eisstunden müssen um 30 erhöht werden. Aber „woher nehmen ohne zu stehlen“? Hier ist in diesen Wochen noch Kreativität gefordert.   

Flexibilität allerorten gefordert

Verschiedene, vor allem in der Vorsaison zum Teil wechselnde Eisfelder bedeutet für die Verantwortlichen einen erhöhten Organisationsaufwand und für die Spieler grosse Flexibilität. Nicht zu vergessen das Engagement der Eltern, die für die Youngsters für Trainings und Spiele meist als Chauffeure und Helfer zur Verfügung stehen. Für die Kleinen beginnt das Training oft morgens um 6 Uhr, was bedeutet, dass Eltern und Kids bereits um fünf Uhr aus den Federn müssen. „Die Kids sind ausnahmenslos motiviert, auch in diesen frühen Stunden“, weiss Sergio Soguel, der in seiner Jugend den Luxus hatte, zu Fuss aufs Eisfeld in Davos zum Hockey gelangen zu können. „Die Eltern haben da zum Teil schon etwas mehr Mühe. Wir versuchen aber, ihnen Möglichkeiten zu bieten, dass sie die Wartezeiten sinnvoll nutzen können. Sie können zum Beispiel in der KEK in einem Raum Schreibarbeiten oder ähnliches verrichten und haben erst noch Blick auf das Trainingsfeld ihrer Sprösslinge. Auf alle Fälle leisten die Eltern einen grossen Beitrag, damit ihre Kids ihr geliebtes Eishockeyspiel ausüben können.“ Auch den älteren Jugendlichen wird einiges abverlangt. Sie müssen zum Teil bis 22 Uhr trainieren. Bis sie zu Hause sind, wird’s noch später, was die Erholungszeit reduziert – und am nächsten Morgen müssen sie wieder zur Schule oder in den Lehrbetrieb.

Das Interesse ist ungebrochen

Die Nachwuchsabteilung wächst und auch der Nachschub für die Ausbildungspyramide funktioniert weiterhin. Die GCK Lions bieten jeweils während der Herbstferien zwei Ferienkurse an, in denen gegen hundert interessierte Kids erste Erfahrungen mit dem Stock auf dem Eis sammeln. Viele absolvieren anschliessend den Saisonkurs, jeweils mittwochs und samstags. Im Schnitt treten davon zehn Prozent anschliessend dem Klub bei und starten je nach Alter bei den Bambini oder Piccolo ihre, vielleicht sogar grosse Karriere. Etwa den gleichen Zuspruch geniessen die von den ZSC Lions organsierten Kurse, um den Nachwuchs zu rekrutieren. Auch diesen Kids muss natürlich Eis zur Verfügung gestellt werden.  

Entlastung ist in Sicht 

Die Situation bezüglich Eisbelegung wird sich dann entspannen, wenn die geplante Arena auf dem Areal „Untere Isleren“ in Zürich-Altstetten benutzt werden kann. Dort werden dann das National League A-Team, die Elite A und Novizen A ihre Heimat haben und die Trainingshalle und die Haupthalle nutzen können. Dannzumal gibt es eine Entlastung bei der Eiszeit, die dem Nachwuchs und den Aktivmannschaften zu gut kommt. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, die Arena Mitte 2022 in Betrieb nehmen zu können. Immerhin ist die Planung schon so weit gediehen, dass man sich bereits mit dem Innenausbau bis hin zur Farbgebung der Halle und der Räumlichkeiten befasst.

Eugen Desiderato