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23.06.2017

FUSSBALL | EIN TRIO IM PLUS - GC IM MINUS

Nur wenige Klubs der Super League können mit der Saison 2016/17 guten Gewissens zufrieden sein, der FC Basel sicher, auch der FC Lugano, der als Debütant überzeugte. GC gehört leider diesem Kreis nicht an. Fussballjournalist Hansjörg Schifferli zieht Bilanz.

Das Trio im Plus

Meister FC Basel: Natürlich kann man sagen, es sei nichts als Pflichterfüllung, wieder Meister zu werden. Und man kann einwenden, der FCB habe international nicht überwintert, er habe vor allem im Herbst relativ häufig nicht gut gespielt. Aber wer seinen Rekord auf acht Meistertitel in Serie erweitert, wer das mit einer Rekordzahl an Punkten und Toren tut und kurz vor Saisonschluss es auch noch als erster Verein – gar souverän – schafft, einen Cupfinal gegen den FC Sion zu gewinnen – der darf sich im Plus fühlen. Finanziell ohnehin.

Europa-League-Debütant FC Lugano: Seit seiner letzten Europacup-Teilnahme, im Jahr 2002, hat der FC Lugano einen Konkurs und über ein Jahrzehnt in der Challenge League hinter sich gebracht. Als er noch international wirkte, hiess die Europa League noch Uefa-Cup, und in einer Gruppenphase haben die Tessiner schon gar nicht je gespielt. Dass sie das mit Platz 3 erreichten, ist bemerkenswert, noch bemerkenswerter, in welch spielerischen Stil sie das vor allem im Frühjahr taten. Nur der FCB holte 2017 mehr Punkte, Ezgjan Alioski war mit 16 Toren und 14 Assists die grösste Attraktion der Liga.

Der FC Thun: Die Oberländer waren am Ende einer Europacup-Qualifikation weit näher als dem Abstieg. Sie überwanden auch den vorzeitigen Abgang des Trainers Jeff Saibene und sie spielten im Schnitt attraktiver als auch schon. Im Plus sind sie aber auch finanziell – nach dem Anfang November angestimmten und dann erfolgreichen Hilferuf, sie bräuchten schnell anderthalb Millionen Franken, um zu überleben. Der FC Thun geht nun in seine achte Saison in der Super League, so lange gehörte er der Elite noch nie an.

Im Gleichgewicht

Die Young Boys: Zum dritten Mal in Folge, zum sechsten Mal in zehn Jahren belegen die Berner Platz 2. Sie können wieder mal einen Anlauf Richtung Champions League nehmen. Das ist in Ordnung. Aber es ist eben nicht mehr als üblich, nicht mehr als verlangt werden durfte – zumal es in der sportlichen Führung zwischendurch wieder mal Probleme gab, die zur Ablösung des Sportchefs Fredy Bickel durch Christoph Spycher führten. Vor allem aber bliebs auch dabei, dass YB im Cup gegen einen Unterklassigen scheitert. Diesmal im Viertelfinal gegen den FC Winterthur sogar auf eigenem Platz und nach einer 2:0-Führung.

Der FC Luzern: Rang 5 mit einem Platz in der Europa-League-Qualifikation ist in Ordnung. Allerdings waren die Leistungen ziemlich unregelmässig und war die Ruhe im Verein nicht gewährt.

Aufsteiger Lausanne-Sport: Die Waadtländer schafften, was seit 2009 noch jeder Aufsteiger erreichte: den direkten Wiederabstieg zu vermeiden. Das gelang allerdings nicht auf sehr direktem Weg, denn nach elf Runden war Lausanne noch Zweiter, nach 24 Runden Letzter. Aber dann nahm Trainer Fabio Celestini Umstellungen in der Abwehr vor, die oft attraktiv spielende Mannschaft wurde defensiv stabiler und schaffte den Turnaround. Am Schluss war auch wichtig, dass der Trainer bekanntgab, zu bleiben.

Im Minus

Der FC Sion: Zwar spielen sie europäisch, aber gleich zwei Trainerwechsel sind selbst für die Walliser überdurchschnittlich. Und nach 13 Cupsiegen erstmals einen Final verloren zu haben, schmerzt besonders. Der Gesamteindruck also war dergestalt, dass Präsident Christian Constantin damit kaum zufrieden sein wird.

Der FC St. Gallen: Am Schluss bannte Giorgio Contini mit zehn Punkten aus sechs Spielen die Abstiegsfahr ziemlich sicher. Aber zuvor hatte der FCSG unter dem deutschen Trainer Joe Zinnbauer ein Auf und Ab mitgemacht, das einige Probleme aufwarf. Die dann eben in der Entlassung Zinnbauers mündete.

Der FC Vaduz: Natürlich ist immer im Minus, wer absteigt. Auch wenn die Vaduzer selbst nach zwei Jahren mit erfolgreicher Wahrung des Klassenerhalt damit rechnen mussten, dass es sie diesmal erwischen könnte. Was sich für sie offensichtlich nicht ausgezahlt hat: der Trainerwechsel.

Die Grasshoppers: Sie setzten mit dem 1:1 in Sion einen starken Schlusspunkt. Wie sie im Tourbillon kämpften, hat ihnen sicher manchenorts Respekt eingetragen – und im Tessin gar Freunde. Aber insgesamt entsprach die Saison nicht annähernd den Vorstellungen, denn manche werden doch gedacht haben, wieder gut genug zu sein, einer neuerlichen Europacup-Qualifikation zumindest nahe zu kommen. Aber damit wars dann, trotz ordentlichem Saisonstart, nichts. Es wurde gar, als die Abstiegsgefahr drängend geworden war, der Trainer gewechselt. Immerhin gabs auch gute Transfers, zu Saisonbeginn schon Numa Lavanchy oder Runar Mar Sigurjonsson, im Winter Milan Vilotic, Emil Bergström, aber auch Charles Pickel. Und Munas Dabburs vorübergehende Rückkehr war gar ein kleiner Coup. Carlos Bernegger, der neue Trainer, erfüllte seinen Auftrag. Und jetzt macht er weiter, mit einem andern Rückkehrer an seiner Seite – mit Mathias Walther, dem letzten „Meister-Sportchef“ von GC. Die Zielsetzungen sollten, realistischerweise, allerdings nicht allzu ambitioniert sein.