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GC Gesamtclub | 25.06.2021

EINE LANGJÄHRIGE TÄTIGKEIT FÜR GC ENDET HEUTE

Mit dem aktuellen GC Insider verabschiedet sich Eugen Desiderato als Chefredaktor. Nach 6 Jahren und 470 Artikeln in 64 Ausgaben des monatlichen Newsletters des Gesamtvereins gebührt ihm ein ganz grosser Dank für seine intensive und zuverlässige Arbeit, die durch die sektionsbedingte Vielzahl der Ansprechpartner nicht immer ganz einfach war. Aber lassen wir ihn doch selber erzählen, nicht nur aus den letzten Insider-Jahren, sondern aus seiner langjährigen Tätigkeit für GC und insbesondere den GC Fussball.

Eugen, wie bist du damals zu GC gekommen?
Als Sportreporter beim Radio Z hatte ich mich auf den ZSC und GC spezialisiert und sowohl die Heim- und Auswärtsspiele live kommentiert. Dank meiner Hintergrundberichte kam ich auch mit Funktionären in Kontakt. Als Aloys Hirzel, damals Vorstandsmitglied der GC Fussball-Sektion 1989 das Projekt «GC Magazin» initiierte, suchte er einen Redaktor. Weil ich etwa zum selben Zeitpunkt ein Kommunikations-Büro mit Spezialisierung auf Redaktion, Gestaltung und Produktion von Printmedien gegründet hatte, bewarb ich mich. Es wurde eine langjährige Zusammenarbeit. Bis zum Wechsel 2005 auf das Vierteljahrmagazin GC LIFE, habe ich 450 Ausgaben mit rund 6500 redaktionellen Seiten produziert. Das GC MAGAZIN war die erste Stadionzeitung der Schweiz, die nicht nur ein farbiges Titelbild, sondern auch in der Heftmitte jeweils ein farbiges Poster hatte, das im Zimmer vieler Fans zur Dekoration diente. Nach der ersten Ausgabe berichtete der «Blick»: „Das Magazin war auf einen Schlag schweizweit bekannt.» Der Grund: Captain Andy Egli erlaubte sich kritische Worte gegenüber seinem Trainer Ottmar Hitzfeld, was von den Medien genüsslich aufgenommen wurde.

Welche Funktionen und Tätigkeiten hast du innerhalb GC Fussball ausgeübt?
Wie erwähnt begann alles mit der Chefredaktion des GC MAGAZIN. Dann, 1997 verliess Medienchef Fredy Bickel den Grasshopper Club, worauf mir diese Position angetragen wurde. Das GC MAGAZIN betreute ich weiter, die Medienverantwortung übernahm ich auch im Mandatsverhältnis, daneben führte ich bis im Jahr 2000 mein eigenes Business weiter. Als die Aufgaben bei GC immer umfangreicher wurden, z.B. auch durch den Internet-Auftritt, konzentrierte ich mich ausschliesslich auf das GC Mandat. Im Herbst 2012 trat ich in den Ruhestand, kam aber im Herbst 2014 bis Saisonende 2013/14 nochmals zurück, um die entstandene Vakanz auf «meiner» Position temporär auszufüllen. Es sollte nicht der letzte Rücktritt vom Rücktritt sein: Im September 2016 wandte sich GC erneut an mich, ich sprang nochmals bis November ein, und lernte dabei «meinen Jubiläums-Trainer», den 20., Pierluigi Tami kennen. Das war’s in Sachen Medienchef dann aber.

Vor zehn Jahren übernahm ich als Chefredaktor das GC JAHRBUCH und vor sechs Jahren den monatlichen Newsletter GC INSIDER, beides Publikationen des GC Gesamtclubs. Damit bot sich für mich die schöne Gelegenheit, weiterhin mit meinem Herzensclub Kontakt zu halten.

Wie viele Präsidenten und Trainer hast du in dieser Zeit erlebt?
Elf Präsidenten und zwanzig Trainer. Der erste war Fritz Peter bzw. Ottmar Hitzfeld, der letzte Stephan Anliker bzw. Pierluigi Tami.

Welche haben dir am meisten Eindruck gemacht?
Einen Trainer oder Präsidenten hervorzuheben, würde den anderen nicht gerecht. Wichtig war, dass ich mich auf jeden einstellen konnte. Das ist mir, so meine ich, gelungen.

Du könntest aus all den Jahren sicher Dutzende Anekdoten erzählen. Lass uns doch mal die eine oder andere hören...
Tatsächlich könnte ich ein Buch schreiben, oder locker auch zwei. Aber es würde sich nicht geziemen, Interna auszuplaudern, obwohl diese sehr spannend und unterhaltsam wären. Die Zusammenarbeit mit vielen Trainern war abhängig von der Aktualität. Niederlagen konnten die Zusammenarbeit negativ beeinflussen, weil ja gerade solche Phasen für die Medien von Interesse sind und die Trainer dann auch neben dem Platz gefordert werden, mit mir als Vermittler. Ich fühlte mich dann jeweils zwischen Hammer und Amboss. 

Zwei Episoden möchte ich doch erwähnen: Nicht nur einmal zeigte sich Roy Hodgson nicht von seiner üblicherweise gewinnenden Art. Dass sportlich nicht alles rund lief, missfiel dem Engländer. Auch auswärts gegen die SR Delémont musste der erfolgsverwöhnte Trainer eine Niederlage seiner Mannschaft akzeptieren. Als dann das Rückspiel auf dem Hardturm siegreich gestaltet werden konnte, gratulierte ich ihm vor versammelter Presse zum ersten GC Sieg gegen die Jurassier, bevor ich ihm das Wort zu seiner Analyse gab. Hodgson bekam dieses ehrlich gemeinte Kompliment in den falschen Hals. Er rastete aus, verliess stampfend und fauchend die Presskonferenz, klar zum Ausdruck bringend, dass er diesen Zynismus des eigenen Pressechefs nicht goutiere. Bei den Verantwortlichen deponierte er den Antrag, mich unverzüglich zu entlassen…

Oder der meist liebenswerte Hanspeter Latour enervierte sich über eine Geschichte über Ciriaco Sforza im «GC Life» in der Reihe «Ehemalige GC Cracks». Latour glaubte, dass mit dieser Geschichte an seinem Stuhl gesägt und für Ciri der Boden für ein Engagement als GC Trainer vorbereitet würde. Gut zwei Wochen herrschte Funkstille zwischen uns… Aber sowohl bei Hodgson als auch bei Latour legte sich die Aufregung und wir führten wieder ein kollegiales Verhältnis.

Hattest du auch deine Lieblingsspieler, mit denen du z.B. die dankbarsten Geschichten schreiben konntest?
Ich möchte eigentlich keinen Spieler herausheben. Ich pflegte mit allen ein gutes Verhältnis, auch über ihre Zeit beim Grasshopper Club hinaus. Wenn Du mich aber zwingen würdest, einen zu nennen, dann ist es Marcel Koller. Das GC Urgestein mit der grossen Aura, über den ich viele Geschichten schreiben konnte und auch musste, wenn ich zum Beispiel an seine schweren Verletzungen denke. Er behauptete sich mit seiner ruhigen, sachlichen aber doch bestimmten Art jeweils gegen die «Lautsprecher» im Team und war über Jahre der eigentliche Leader. Einer seiner vielen, träfen Sprüche blieb mir bis heute in Erinnerung. Ich unterhielt mich mit ihm hinter der Hardturm-Haupttribüne, als er seine Schuhe putzte. Da gesellte sich klammheimlich ein Journalist dazu, wohl in der Hoffnung, etwas aufschnappen zu können. Marcel Koller drehte sich um und setzte eine seiner trockenen Bemerkungen ab: «Glaubst Du eigentlich den Seich, den Du ständig schreibst…?» Unverzüglich waren wir wieder unter uns…

Besonders spannend fand ich, die Karriere junger Talente zu verfolgen und sie bei Medienkontakten zu begleiten. Speziell war auch, mit einigen in späteren Jahren wieder zusammenzuarbeiten, z.B. mit Alain Sutter als GC Berater und Ciriaco Sforza als Trainer.

Was war deine grösste Fussball-Story, die du nie vergessen wirst und auf die du heute noch stolz bist?
Fussball-Geschichten gab es natürlich unzählige, die sich aber irgendwie immer ähnelten, weil sie sich meist um Freude oder Enttäuschungen drehten. In besonderer Erinnerung blieb das nach dem erfolgreichen GC Auftritt in der Champions League in der neuen Amsterdam-Arena geführte Interview mit dem «grossen Trainer» Louis van Gaal. Er brachte keine Anerkennung der Leistung des Gegners über die Lippen, ging dafür mit seinem Ajax-Team hart ins Gericht und nannte es eine «Hottentotten-Truppe», wofür er wohl heute wegen diskriminierender Äusserung belangt würde…

Eindrucksvoll waren die vielen Begegnungen mit ungezählten Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen. Ein prägendes Erlebnis war der Besuch beim Oscar-Preisträger und GC Fan Maximilian Schell. Dem Gespräch voraus ging ein jahrelanges Werben um einen Interviewtermin. Als ich schon die Hoffnung aufgegeben hatte, schneite unvermittelt die Nachricht herein, dann und dort stünde er gerne zur Verfügung. Der Film- und Bühnenstar empfing mich in seinem Heim in Österreich. Es war ein Erlebnis, mit ihm stundenlang über seine Zürcher Zeit zu plaudern und über seine sporadischen Einsätze im GC Reserveteam sowie seine Liebe zum Club, dem er sich übrigens bis zu seinem Tod verbunden fühlte und die Leistungen verfolgte. 

Oder auch der Besuch bei Dr. Dieter Hundt, dem früheren deutschen Arbeitgeberpräsident. Während seiner Zürcher Studienzeit spielte er in der zweiten Mannschaft des Grasshopper Club. Auch er erinnert sich gerne an seine GC Zeit, hatte eigens für das Gespräch seine damaligen Fussballschuhe mitgebracht, die er mir stolz präsentierte. Auch diese Begegnung zeigte mir, welchen Stellenwert der «Brand GC» auch im Ausland hat.

In so vielen Jahren Öffentlichkeitsarbeit für einen Verein hat es sicher auch die eine oder andere Kommunikations-Panne gegeben?
Ich hatte vor allem bei anstehenden Spieler- bzw. Trainer-Verpflichtungen einen harten Job. Wir arbeiteten nach dem Grundsatz, personelle Veränderungen erst zu publizieren, wenn die Tinte unter dem Vertrag getrocknet war, wie man so schön sagt. In solche Vorgänge sind aber viele Personen involviert, eigene Funktionäre und Aussenstehende, wie z.B. Agenten. Da liess sich immer mindestens einer finden, der mit seinem (Halb-)Wissen Medienvertretern gegenüber prahlte… Da kam es schon vor, dass vor allem die Fans zur Meinung gelangten, ich mache meinen Job nicht korrekt, wenn wir einen Zuzug zeitlich erst nach den Medien publizierten. Wohl deshalb hat mich die «Kurve» einmal mit einem Transparent bedacht, und meinen Namen zu «Eugen Desinformato» verändert.

Gab es auch Situationen, in denen Dir die Kommunikation schwer fiel?
Ganz bestimmt, vor allem wenn negative Ereignisse zu kommunizieren waren. Dazu gehörten auch Trainerentlassungen, die mehr als einmal von heute auf morgen vollzogen wurden. In solchen Fällen blieb nicht einmal mehr Zeit zur Verabschiedung. Da arbeitete man tagtäglich eng zusammen – und konnte sich dann nicht einmal ordentlich verabschieden.

Oder auch die Kommunikation von Toni Dos Santos’ Unfall ging unter die Haut. Der Brasilianer fuhr nach der Car-Rückkehr von einem Auswärtsspiel nur wenige hundert Meter vom GC/Campus entfernt mit seinem Privatwagen in einer Kurve frontal gegen eine Hausmauer und trug schwere Verletzungen davon. Oder das Vorkommnis anlässlich eines Heimspiels gegen den FC Zürich: Ein Dutzend unbedachter, sogenannter Fans des FCZ waren von ihrem Sektor durch den Familien-Sektor gestürmt und beschossen absichtlich die GC Fankurve mit Petarden, worauf der Unparteiische die Partie abbrach.

Aber auch an eine Peinlichkeit erinnere ich mich. Zu einer Zeit, als Social Media noch ein Fremdwort war, informierten wir Mitarbeitende, Sponsoren, Medien und Mitglieder gleichzeitig mittels SMS über News. Eine Medienkonferenz war auf 11 Uhr angesetzt, der Versand der SMS auf 11:15 h terminiert. Die Medienvertreter waren in grosser Zahl im Restaurant Heugümper anwesend. Sie erwarteten die Bekanntgabe und Vorstellung des neuen Trainers. Die Präsentation verzögerte sich aber, weil der neue Mitarbeiter sich im Zürcher Verkehr nicht «durchsetzen» konnte. Mein Bestreben, den Versand der SMS zeitlich zu verschieben, blieb erfolglos, die News war schon in der «Schlaufe» und kam pünktlich bei den Anwesenden an. Der geplante Überraschungseffekt war damit dahin, denn wir stellten nicht den neuen Trainer, sondern den neuen Sportchef Jean-Paul Brigger vor…

Seit 10 Jahren bist du auch Chefredaktor des GC Jahrbuches. Wird die aktuelle Ausgabe 2020/21, die derzeit in Arbeit ist, auch deine letzte sein?
Korrekt, ich verabschiede mich mit der 10. Ausgabe. Es war eine sehr interessante Aufgabe, dieses Projekt Jahr für Jahr zu realisieren.

Wie bist du eigentlich damals Chefredaktor des GC Jahrbuchs und später des GC Insider geworden?
Urs Läubli vom GC Zentralvorstand hat sich wohl meiner Tätigkeit als Verantwortlicher des GC MAGAZIN erinnert und mich für das Jahrbuch engagiert… Und wie’s zum Auftrag, auch den GC INSIDER zu realisieren kam, habe ich Dir zu verdanken, Du hast als sein Nachfolger den Newsletter initiiert und mich auch dafür angefragt.

Was hat dir in all den Jahren seit der Lancierung des GC Insider am meisten Spass gemacht?
Der Kontakt mit vielen interessanten GC nahen Personen war sehr bereichernd. Vor allem, auch das Kennenlernen vieler Sportlerinnen und Sportlern, die hervorragende Leistungen auf nationalem und auch internationalem Niveau erbringen und damit Werbung für den grössten polsportiven Club des Landes machen. Und dies mit viel Hingabe und Freude. Viele werden finanziell nicht entschädigt, teilweise kommen sie gar auch für die Reisekosten oder für Ausrüstungsmaterial auf. Dies zu erkennen war für mich als vom Profi-Fussball geprägten Beobachter, wo der Verdienst eine zentrale Komponente darstellt, eine wichtige Erfahrung. Ich freue mich auch, in dieser meiner letzten Insider-Ausgabe einen Bericht über die Verpflichtung des Trainers des Fussballteams publizieren zu können. Dass sich die Führung in dieser Personalie für Giorgio Contini, und damit für eine Schweizer Lösung entschieden hat, freut mich besonders.

Und was am wenigsten?
Wenn von den GC Sektionen Themenvorschläge zur Behandlung in den folgenden Ausgaben nur schleppend oder gar nicht eingingen… Einen Dank möchte ich auch an dieser Stelle noch anbringen.

Ja, bitte…
Ich danke allen Sportler:innen und Funktionär:innen, dass sie mir jederzeit sehr offen begegneten. Ich bedanke mich auch für die Textbeiträge von GC-internen sowie externen Autoren, die ich in den verschiedenen Publikationen verwenden konnte. Mein Dank geht auch an die Verantwortlichen der GC Führung, insbesondere an dich, Geri Aebi, für die stets angenehme Zusammenarbeit und an die Mitarbeitenden der Agentur Koch für die technische Abwicklung des GC Insider.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft nach deiner «Pensionierung» als GC Chefredaktor aus?
Die Arbeit für den Insider und das Jahrbuch hat mir immer grossen Spass gemacht. Weil ich aber nicht wenige Jahre über das «normale» Pensionierungsalter hinaus tätig war, ist ganz einfach die Zeit gekommen, die «volle Freiheit» zu geniessen. Solange ich mich noch fit fühle, will ich noch viele Runden auf dem Golfplatz geniessen – und, sobald dies wieder möglich ist, vermehrt reisen. Und zudem werde ich selbstverständlich die GC Publikationen mit Interesse lesen.

Lieber Eugen, ich danke dir ganz herzlich nicht nur für dieses Gespräch, sondern für deine langjährige, engagierte und wertvolle Arbeit für den Grasshopper Club. Ich wünsche dir im Namen des ganzen Vereins persönlich, gesundheitlich und natürlich auch sportlich nur das Beste für die Zukunft!

(Interview/Text: Geri Aebi, GC Zentralvorstand, Ressort Kommunikation)