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GC Fussball | 19.08.2016

FUSSBALL: Drei aus dem (hohen) Norden im GC

Neben EM-Teilnehmer Kim Källström, dem „Kopf“ der Grasshoppers, gehören nun zwei weitere Internationale aus dem hohen Norden dem Tami-Team an. Der Isländer Runar Mar Sigurjonsson  und der Däne Lucas Andersen sollen die Offensive stärken. Sigurjonsson, die letzten drei Saison in Sundsvall (Schweden) engagiert, war mit der isländischen Nati an der EM in Frankreich, ohne allerdings eingesetzt worden zu sein und der von Ajax Amsterdam transferierte Andersen spielt mit seinen erst 21 Jahren in der dänischen Nationalmannschaft. GC setzt grosse Hoffnungen in die beiden Internationalen. Der GC Trainer ist von den technischen Fähigkeiten des Dänen Andersen, letzte Saison von Ajax an Willem II Tilburg ausgeliehen, sehr angetan, weist aber auch darauf hin, dass er sein volles Rendement noch nicht erreicht hat. Sigurjonsson hat seine Fähigkeiten bereits gezeigt, z.B. als er seine Landsleute von KR Reykjavik im Rückspiel mit zwei Toren alleine aus dem Wettbewerb warf. 

 

SIGURJONSSON: "ICH BRAUCHTE EINE NEUE HERAUSFORDERUNG."

Runar Sigurjonsson (26) hat einen spannenden Sommer hinter sich. Mit Island spielte er an der EM mit. Danach folgte der Umzug nach Zürich, um bei den Hoppers durchzustarten.

GC INSIDER: Was zeichnet einen echten Wikinger wie Sie aus?

Runar Sigurjonsson: (lacht) Wir Isländer würden uns nie als echte Wikinger bezeichnen.

An der EM wurde Island aber bekannt als die «Wikinger-Fussballer». Charakterisieren Sie sich doch mal selbst.

Das ist die härteste Frage, die ich jemals gestellt bekam. Es ist schwierig, sich selbst zu beschreiben. 

Es reichen schon ein paar Worte, um Sie ein wenig kennenzulernen.

Wir Isländer sind immer sehr motiviert und arbeiten hart. So würde ich uns auch als Fussballer beschreiben, die kämpferische Einstellung zeichnet uns aus. Aber auch der «normale» Arbeiter auf Island will immer das beste Ergebnis abliefern. Dieser unermüdliche Einsatz ist sicher auch ein Merkmal der Wikinger, von daher haben wir schon eine «Wikinger-Mentalität».

Island war die grosse Überraschung an der EM in Frankreich. Wie kam es dazu?

Wir sind eben ein echtes Team und glauben immer an unsere Chance. Dazu werden wir auch nie nervös, sondern haben Vertrauen in unser Spiel. Die EM war natürlich ein riesiges Erlebnis für alle Spieler und auch die Fans.

Zürich hat in etwa so viele Einwohner wie ganz Island. Wie kann es sein, dass ein so kleines Land so viele gute Fussballer «produziert»?

Das hat einige Gründe. Jeder Juniorencoach im Fussball muss eine Ausbildung absolvieren. Unsere Kids werden von klein auf hervorragend trainiert. Ausserdem wurden vor einigen Jahren sehr viele Sporthallen gebaut, in denen man auch im harten isländischen Winter Fussball spielen kann. Aber wir sind ja nicht nur im Fussball erfolgreich. Unsere Handballer gehören zu den Besten auf der Welt. Auch unsere Basketballer konnten sich für die EM qualifizieren.

Ein Erfolgsfaktor an der EM waren die weiten Einwürfe. Wann werden Sie diese Taktik beim GC einführen?

(lacht) Darüber muss ich mal mit dem Trainer sprechen. Im Ernst: Bei der EM haben wir immerhin zwei Tore damit erzielt. Diese weiten Einwürfe hatten einen simplen Grund: Unser Trainer meinte, wir würden den Ball bei Einwürfen zu oft verlieren. Also sollen wir ihn besser weit werfen. Schlussendlich war das clever, gegnerische Teams wie Portugal hatten damit ihre Probleme, sie mochten diese langen Einwürfe nicht. 

Das tönt eigentlich recht einfach?

Sigurjonsson: Taktik oft trainiert und haben ein System dahinter. Ich muss mal schauen, wer denn beim GC weit werfen kann, bisher machen wir immer nur die kurzen Einwürfe. Wäre ja keine schlechte Idee, wenn wir mit unserem «Island-Trick» das ein oder andere Tor erzielen könnten.

Wie gefällt es Ihnen denn prinzipiell in Zürich?

Ich bin erst ein paar Wochen da und habe bisher hauptsächlich den Trainingsplatz und die Stadien gesehen. Wir hatten zuletzt so viele Spiele. Und zwischen den Matches erhole ich mich am liebsten zu Hause. Noch konnte ich die Schönheiten von Zürich und der Schweiz nicht erforschen. Aber wenn ich mal ein wenig Zeit haben sollte, werde ich mir sicher einiges anschauen. Ich habe mich in Zürich und im Verein sofort wohl gefühlt, das ist das Wichtigste.

Sie spielten zuvor in Schweden bei Sundsvall. War es eine grosse Umstellung, nun in der Schweiz zu leben?

Nein, es war keine grosse Umstellung für mich. Ich habe mich schnell eingelebt. Natürlich wäre es schön, wenn ich öfter meine Freunde und die Familie auf Island sehen könnte. Aber als Fussball-Profi bin ich es gewohnt, woanders zu leben. 

War es schwer, Schweden zu verlassen?

Natürlich war es nicht leicht, nach drei Jahren zu gehen, ich habe mit den Mitspielern viel Zeit verbracht und viel erlebt. Aber die Entscheidung für Zürich war nicht schwierig. Ich wollte den nächsten Karriereschritt in Angriff nehmen. In Schweden hatte ich alles gesehen und erlebt, ich brauchte eine neue Challenge, eine neue Herausforderung.

Also war es auch ein Verlassen der «Komfortzone»?

Ich hatte es gut in Schweden, aber das ist auch gefährlich. Man muss sich immer selbst weiterentwickeln wollen. Ein isländischer Handballspieler, einer der Besten der Welt, sagte mal zu mir: Wenn du dich gut fühlst, dann ist es Zeit zu gehen.

 

ANDERSEN: "ICH BIN SCHON AUF DEN UETLIBERG GELAUFEN"

Lucas Andersen wechselte im Sommer von Holland in die Schweiz. Beim GC will der 21-Jährige den nächsten Karriereschritt in Angriff nehmen.

GC INSIDER: Lucas Andersen, wie gefällt Ihnen Zürich?

Mir gefällt es hier echt gut. Vor allem der See ist wunderschön, ich bin froh, dass ich jetzt in Zürich leben darf.

Hatten Sie denn schon Zeit, sich einiges in und um Zürich anzuschauen?

Ein bisschen was habe ich schon gesehen. Zum Beispiel war ich schon auf dem Uetliberg!

Hoch gelaufen oder hoch gefahren?

Natürlich gelaufen! Wir waren auch schon im Seebad Enge, der Beach dort ist klasse.

Man sagt im Allgemeinen, Dänen seien sehr offen und lebenslustig. Trifft das auch auf Sie zu?

Das beschreibt mich ganz gut. Ich bin ein sehr umgänglicher und lebenslustiger Typ. Wir Dänen gehen offen auf Menschen zu und kommunizieren gerne. Ich finde es wichtig, in dem Land, in dem ich lebe, auch die Kultur und die Menschen kennenzulernen.

Das klingt sehr zugänglich. Sprechen Sie auch schon ein bisschen Schwyzer-Dütsch?

(lacht) En Guete

Dänemark hat schon immer sehr starke Fussballer rausgebracht. Welcher Spieler hat Sie am meisten inspiriert?

Christian Erikson beeindruckt mich sehr. Aktuell spielt er bei Tottenham. Zuvor waren wir zusammen bei Ajax Amsterdam. Er ist ein starker Spieler, aber ein genauso toller Mensch und Teamkollege. 

Was sind denn ihre Stärken auf dem Platz?

Ich glaube, ich habe eine ganz gute Technik und bin auch körperlich stark. Mein Ziel ist es immer, mein Können auf das nächsthöhere Level zu bringen. Ich finde es wichtig, immer alles zu geben. Die Fans kommen ja ins Stadion, um guten Fussball zu sehen. Das müssen wir ihnen als Profis auch bieten.

Sie wechselten bereits mit knapp 18 Jahren nach Holland zu Ajax Amsterdam. Wie schwer war es, so früh die Heimat zu verlassen?

Es war natürlich nicht einfach, die Heimat und meine Eltern zu verlassen. Ich musste schnell selbstständig werden und Dinge lernen wie Kochen, Wäsche waschen und Putzen. Meine Freundin kam nach drei Monaten zu mir nach Holland. Das hat es einfacher gemacht. Es ist immer gut, wenn man jemanden um sich hat, der an einen glaubt. 

Sind Sie dadurch schneller gereift als andere in Ihrem Alter?

Ich habe viel über mich selbst gelernt. Es war die beste Lebensschule, die es geben konnte. Deshalb bin ich auch froh, den Schritt gewagt zu haben. 

Nun sind Sie in Zürich. Warum dieser Wechsel?

Ich hatte gute Gespräche mit Trainer Pierluigi Tami und Geschäftsführer Manuel Huber. Ihr Plan und ihre Ideen haben mich schnell überzeugt. Wie ich bereits sagte. Ich will Schritt für Schritt weiterkommen als Fussballer. Und GC bietet mir die Chance, mich als Spieler weiterzuentwickeln in einer guten Liga. 

Sie sind erst 21 Jahre alt. Ist GC für Sie auch eine Art Sprungbrett?

Zuerst einmal will ich mich hier durchsetzen und zeigen, was ich kann. Aber klar, es gab in der jüngeren Vergangenheit Spieler, die sich in Zürich in den Fokus von Top-League-Vereinen gespielt haben und für viel Geld wechselten. Aber soweit denke ich derzeit noch nicht. Aktuell zählt nur GC, sonst nichts.

Wie ist denn Ihr Eindruck vom Schweizer Fussball nach den ersten Wochen?

(lacht) Einen ersten Eindruck bekam ich auf der Playstation beim Fifa spielen. Ich fand die Namen Grasshoppers und Young Boys sehr lustig. Aber im Ernst: Das Niveau in der Liga ist hoch, Vereine wie GC oder auch Basel sind international bekannt. Ich fühle mich sehr wohl hier und bin bereit, mich der Aufgabe zu stellen und alles für meinen neuen Club zu geben.

Interviews: Tobias Erlemann