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GC Handball | 26.10.2018

HANDBALL | "DIE HOFFNUNG LEBT, WIR ARBEITEN WEITERHIN HART"

Nach der missratenen vergangenen Saison, als es den kurz vor Saison-Ende eingesetzten Trainer-Nothelfern Norman Kietzmann (Chef) und Toni Kern (Assistent) gelungen war, den Ligaerhalt auf den "auf den letzten Metern" zu sichern, wurde das Team auf die neue Spielzeit hin auf wenigen Positionen verstärkt und vor allem waren die Langzeitverletzten wieder einsatzbereit. Auch die Trainer konnten gehalten werden. Alles Gründe dafür, dass GC Amicitia Zürich hoffnungsvoll in die neue Saison gestiegen ist. Aber die bisherige Bilanz ist ernüchternd. Nach sechs Spielen steht nur ein Punkt auf der Habenseite. Die verantwortlichen Trainer, beide ehemalige erfolgreiche Aktive, Norman Kietzmann (Chef) und Toni Kern (Assistent) stellen sich den Fragen:

 

GC INSIDER: Ein Punkt nach sechs Spielen, das entspricht wohl nicht Euren Vorstellungen...

Normen und Toni: "Das stimmt leider. Aber uns war bereits vor der Saison bewusst, dass die laufende Saison nicht einfach werden würde und wir hart arbeiten müssen. Schliesslich konnten wir den Ligaerhalt erst im entscheidenden fünften Spiel sichern. Aber im Vergleich zur Vorsaison spielt GC Amicitia Zürich heuer den besseren Handball: kampfbetont und offensiv. In den bisherigen Spielen haben wir oftmals gezeigt, dass wir mit den Topteams der Liga mithalten können. Wer hätte vor der Saison gedacht, dass wir gegen den amtierenden Meister Wacker Thun einen Punkt erzwingen könnten? Auch die Personen im Umfeld sind nach wie vor optimistisch. Die Hoffnung lebt und wir werden weiterhin hart arbeiten." 

Wurde das Team schon beim Auftaktspiel in St. Gallen entmutigt – ist die Moral angeschlagen?

"Der TSV St. Otmar St.Gallen spielt bisher eine hervorragende Saison. Vor gut zwei Wochen haben die St.Galler dem Meister Wacker Thun zu Hause in der Kreuzbleiche mit 33:19 eine Kanterniederlage zugefügt. Unser erstes Spiel in der Kreuzbleiche ging mit sieben Toren verloren. Natürlich haben wir uns für das erste Meisterschaftsspiel mehr vorgenommen. Allerdings war das Zusammenspiel der neu formierten Mannschaft in dieser Partie nicht optimal und es liessen sich vor allem Abstimmungsprobleme im Deckungsverbund erkennen. Wir haben die Punkte analysiert und daran gearbeitet. In den folgenden Spielen war eine Verbesserung festzustellen."

Aber es folgten zwei knappe Niederlagen, auswärts gegen RTV 1879 Basel (25:26) und zu Hause gegen Pfadi Winterthur (27:28). Mehrere knappe Niederlagen können sich negativ auswirken...

"Die Niederlage in Basel war sehr ärgerlich, da wir vor allem in der ersten Halbzeit zu viele freie Würfe vergeben haben. In der zweiten Halbzeit konnten wir dann den Handball spielen, den wir uns für dieses Spiel vorgenommen hatten. Eine Minute vor Schluss war der Rückstand aufgeholt und der erste Punktgewinn in Griffweite. Eine Einzelaktion entschied leider das Spiel gegen uns. Ähnliche Schwierigkeiten bekundeten wir gegen Pfadi Winterthur. Auch da entschied sich das Spiel erst in den letzten Minuten. Knappe Niederlagen können sich negativ auswirken, das ist richtig. Wir nehmen jedoch die positiven Erkenntnisse aus den Spielen mit. Nach der ersten Enttäuschung kurz nach dem Spiel realisierte die Mannschaft ihre Möglichkeiten. Und darauf müssen wir aufbauen. Die Stimmung im Team bleibt gut und wir lassen uns nicht aus dem Konzept bringen."

Dann die Überraschung: Vor eigenem Publikum wurde gegen den Meister Wacker Thun ein bemerkenswertes Remis (26:26) erzielt. Ein Hoffnungsschimmer?

"Selbst nach dem Match gegen den amtierenden Meister war im Team die Enttäuschung spürbar. Wir wussten, dass gegen den amtierenden Champion mehr drin gewesen wäre. Als Trainer sind wir allerdings mit der gezeigten Leistung gegen Wacker Thun sehr zufrieden. Unsere Performance reihte sich nahtlos an eine Serie guter Spiele. Nach der Niederlage gegen Pfadi eine Woche zuvor hatten wir erneut stark gekämpft. Kurz vor Schluss lagen wir sogar mit zwei Toren in Führung. Am Ende reichte es zum ersten Punkt. Es spricht für das Team, dass es sich unmittelbar nach dem Spiel nicht mit dem Punktgewinn zufrieden gegeben hat. Die Mannschaft will mehr, es fehlen nur Nuancen zum ersten Sieg." 

Im Heimspiel gegen den HC Kriens-Luzern sah es dann auch vielversprechend aus. Nach einem souveränen Start lag GC Amicitia Zürich klar in Front – musste sich aber am Ende mit zwei Toren Differenz (22:24) geschlagen geben. Die Gründe?

"In diesem Spiel haben wir wohl die besten 30 Minuten unter unserer Führung gesehen. Erst lagen wir 10:3 in Führung und gingen immerhin noch mit fünf Toren Vorsprung in die Pause. Im Handball ist dies jedoch keine Garantie für den Sieg. In der zweiten Halbzeit gingen wir dann nicht mit der gleichen Entschlossenheit ins Spiel und gaben dem Gegner zu viele Chancen, die er nützte und unseren Vorsprung schmelzen liess. Nnachdem sich die Zentralschweizer wieder heran gekämpft hatten, war bei vielen unserer Spielern eine Blockade erkennbar. Wir konnten uns zwar noch einmal mit drei Toren absetzen, aber zum Schluss hat einfach die Routine oder das nötige Quäntchen Glück gefehlt, den Vorsprung ins Trockene zu bringen." 

Aber beim BSV Bern folgte gleich wieder eine Niederlage (25:29). Wie geht man mit diesem Rückschlag um?

"Unser Team hat an jenem Abend über 60 Minuten gekämpft. Trotz der Niederlage müssen wir uns genau darauf konzentrieren: unsere kämpferische Stärke. Wir haben in den drei Spielen zuvor bereits gezeigt, dass wir alle Favoriten schlagen können. An diesem Abend in Bern verloren wir am Ende mit vier Toren. Uns hatte wohl auch dabei die bereits erwähnte Routine in den entscheidenden Momenten gefehlt. Drei Schwächephasen während eines Spiels sind einfach zu viel. Wir konnten zweimal einen Rückstand egalisieren. Beim dritten waren wir nicht mehr zu einer Reaktion fähig. Die Routine, in entscheidenden Phasen konsequent weiter zu spielen, fehlt uns noch. Aber dass die Berner stark sind, zeigten sie nur vier Tage danach gegen Spartak Moskau im europäischen Wettbewerb - sie schlugen die Russen 24:18."

Am 3.November folgt die Auswärtspartie bei den Kadetten Schaffhausen, dem aktuellen Leader. Es könnte ein Vorteil sein, dass GC Amicitia Zürich für die beiden EM Qualifikationsspiele der Schweizer Nationalmannschaft (am Donnerstag auswärts gegen Kroatien 28:31 und heute Sonntag in Kriens gegen Serbien) keine Spieler abstellen müssen. Wie geht Ihr das Spiel in Schaffhausen an?

"Wie jede andere Partie, wir werden versuchen, dieses Spiel zu gewinnen."

Wo steht GC Amicitia an Weihnachten?

"Wir werden bis zum Schluss alles geben, den sechsten Platz zu erreichen."

 

Interview: Eugen Desiderato